SRK: Ein ehrlicher Mann ist immer ein Kind … (Dezember 2013)

Posted: December 21, 2013 in SRK's DNA Kolumne Deutsch

Schütze: Der Schütze ist in Wirklichkeit ein Zentaur – die untere Hälfte ist ein Pferd, die obere menschlich. Er hält seinen Bogen, bestückt mit einem Pfeil, nach oben, zum Himmel hin gerichtet. Dies symbolisiert den Antrieb von Schützen, ihre primitiven, tierischen Instinkte zu überwinden, indem sie ihre Gedanken auf das göttliche Reich im Himmel richten. Schützen sind offen, ehrlich, direkt, furchtlos und großmütig. Manche dieser starken Eigenschaften grenzen manchmal an Exzentrizität oder Taktlosigkeit. Offenherzig wie sie sind, sind sie stolz auf ihre Fähigkeit, die Dinge beim Namen zu nennen.

Wenn Du über Dich selbst nicht die Wahrheit sagen kannst, kannst Du sie nicht über andere sagen.“ -Virginia Woolf

Ehrlich und direkt. Zwei Worte, die den Eindruck von Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit heraufbeschwören. Ich stürzte mich auf die Gelegenheit über diese Charakterzüge zu schreiben, da ich von mir selbst glaube, ziemlich direkt zu sein. Tatsächlich tut das jeder. Außerdem, weil Direktheit eine dieser, meiner Meinung nach, völlig überbewerteten Tugenden ist. Diejenigen, welche stolz darauf sind, offen zu sein, verstecken damit oft nur ihre Anstößigkeit und vor Allem ist ihre Unverblümtheit für gewöhnlich selektiv.
Sie nutzen es als Werkzeug, um sich selbst das Privileg zu erlauben, zu urteilen, was ganz einfach eine andere Art ist zu sagen: „Ich bin besser als du“. Unglücklicherweise müssen sich alle, die sich in dieser wahnhaften Geistesverfassung befinden, auf einen bösen Schock gefasst machen!

Ich habe festgestellt, dass die selben Leute, die sich entscheiden „offen“ mit mir zu sein, zu Schildkröten mutieren, wenn es hart auf hart kommt und sich das Maul zu passenderen Zeiten zerreißen. Ich treffe auf Parties so oft diese offenen Menschen, die mit gewaltiger Aufgeblasenheit sagen: „Ich sehe keine Hindi-Filme. Ich finde sie intellektuell nicht stimulierend, bla … bla … bla …“ In den meisten Fällen nennen sie die berühmte Amitabh Bachchan-Frisur, Schläfenlocken und all das ihr Eigen … einen Anzug, geschnitten wie der von Krrish und ich bin mir sicher, wenn ich ihren Ärmel hochschieben würde, hätten sie das legendäre Tattoo „Mera baap chor hai“ auf dem Unterarm. (Anm.: Berühmtes Tattoo von Vijay (A. Bachchan) in „Deewar“: „Mein Vater ist ein Dieb“.)
Doch mehr über diese zwiespältige Spezies bei einem anderen Sternzeichen.

Das andere, was ich sehr amüsant finde, ist, wenn jemand mit mir vor einer Horde Gaffer in „direkter“ Manier redet, nur um zu zeigen, dass sie es können. Ein öffentliches Leben zu führen bedeutet, dass Menschen mit dem Gefühl auf mich zukommen, dazu berechtigt zu sein, die seltsamsten Dinge zu mir zu sagen. Manchmal ist es liebenswert aber in anderen Fällen ist es absolut ungehobelt.
Liebenswert: „Hey, meine Oma wird so glücklich sein, dass ich Sie getroffen habe. Sie sagt immer, sieh dir SRK an, er hat so viele Einschränkungen, dennoch arbeitet er hart und hat etwas aus sich gemacht“ Nett. Aufmunternd. Ich lächle und bedanke mich. „Grüße Deine Großmutter von mir, sie hat recht.“
Ungehobelt: „Hey, meine Oma mag Dich wirklich. Aber Du bist so dünn und klein. Werden in den Filmen Spezialeffekte benutzt, um Dich besser aussehen zu lassen??“ Nicht nett. Entmutigend.
Ich lächle nicht und gehe weiter. Hinter mir höre ich sie wieder. „Hey, wir sind diejenigen, die Dich gemacht haben. Sei nicht so HOCHMÜTIG.“ Unverschämt. Schlechte Erziehung. Oder betrunken.
Ich will mich umdrehen und sagen: „Ogertante, glücklicherweise haben Sie mich nicht gemacht. Meine Mutter und mein Vater waren das, in einer romantischen, monderhellten Nacht. Und nebenbei, ich sehe dünn aus, weil Sie fett sind und schäbig und Sie sind sehr GROSSMÄULIG“. Ich mache es nicht. Ich bin zu unehrlich, um schlagfertig zu antworten. Stattdessen gehe ich weiter, darauf hoffend, dass ein Klavier auf ihren Kopf fällt und sie mitsamt ihrer Krokoledertasche zerquetscht.

Es ist nichts Schönes daran, ausfällig zu werden, nur um seine Direktheit hervorzuheben. In Wahrheit ist es ekelhaft. Ekelhaft wie die Ogertante.
Ehrlichkeit andererseits ist eine Eigenschaft, welche Schützen und Menschen mit Format innehaben und auf die sie stolz sein sollten.
Wenn ich heutzutage die Nachrichten schaue, sehe ich Menschen, die mit ihrer Ehrlichkeit hausieren gehen, ein Geschäft daraus machen. In meinen Augen kann es keine größere Unehrlichkeit geben. Ehrlich zu sein verlangt innere Aufrichtigkeit. Es geht nicht darum, fähig zu sein, Leuten Dinge ins Gesicht zu sagen. Es geht darum, zu wissen, wer wir im Innersten sind und dem treu zu bleiben, mit der Ergebenheit, zu verstehen, dass Scheitern, Verwirrung und Unvollkommenheit genauso zu uns gehören wie zu jedem anderen. Es liegt nichts Exhibitionistisches darin, ehrlich zu sein, tatsächlich liegt die Schönheit in ruhiger Introversion.

Wenn wir uns umsehen – ob es nun der Politiker auf Stimmenfang ist oder die Presse, die uns auffordert, Lügenmärchen oder Debatten im Fernsehen zu glauben, welche andere aburteilt, indem sie sich auf ihre eigene Seriosität beruft, oder was das angeht, sogar Werbung, welche Produkte anpreist oder Superstars, die Träume verkaufen – Menschen werden pausenlos aufgefordert, jemandem Ehrlichkeit abzukaufen. Das Paradoxe daran ist, dass diese gesamte Struktur, in der uns diese Ideen präsentiert werden, grundsätzlich verlogen und nach außen gekehrt ist.

Jedermann weiß, dass viele Politiker die Regeln beugen werden, wenn es drauf ankommt, jeder weiß, dass die Medien meist über Werbeeinnahmen finanziert werden, jeder weiß, dass Werbung ein forderndes Geschäft ist und das Leben eines Superstars nicht traumhaft ist, und doch „verkauft“ sich das alles im Namen der Ehrlichkeit. Es ist fast so, als hätte sich die gesamte Welt stillschweigend darauf geeinigt, Teil einer enormen Lüge zu sein, aus Angst ihre eigene Wahrheit anzuerkennen. Sehr dramatisch, äußerst angsteinflößend und eine pauschalisiernde Aussage.
Doch wir schreiben hier über Ehrlichkeit, richtig?

Ich mag ehrliche Menschen, denn sie scheuen nicht vor der Wahrhaftigkeit ihrer eigenen Gewöhnlichkeit und Fehlbarkeit zurück. Das ist das Schönste an ihnen. Es ist in der Tat die wunderbarste Sache an der Welt in der wir leben: dass sie unvollkommen ist und ihre Unvollkommenheiten zu Kreativität und Schönheit führen. Gerade durch eben diese Unvollkommenheit wird das Leben fortwährend erneuert und aufgefrischt.
Sogar die Wissenschaft hat bewiesen, dass das Leben, wäre es nicht unvollkommen, sich nicht anpassen und regenerieren müsste, neue Spezies würden nicht geboren und die Welt hätte sich vielleicht nicht über Jahrtausende hinweg weiterentwickelt. Wir alle wären im besten Fall ehrliche, offenherzige Amöben.
Da ich beides bin, ein kreativer Mensch und jemand, dessen Beruf ihn in die Öffentlichkeit stellt, überbrücke ich die Grenze zwischen perfekt und unvollkommen auf eine nahezu unwirkliche Weise. Ich handele mit Träumen, Träume sind der Inbegriff von Perfektion, doch das tue ich durch die unverhohlene Ausschmückung meiner Unvollkommenheiten, basierend auf der jeweiligen Situation.

Szenario im Film: Die Nacht ist jung. Ist sie immer. In Filmen sind wir besessen von Jugend. Die Sterne scheinen hell. Tun sie immer. In Filmen sind wir auch von Sternen/Stars besessen. Ich strecke meine Hand aus und sehe die Frau an, die einen Anderen liebt, und sage: „Sieh tief in meine Augen. Tief in meine Augen … und komm näher … näher … näher … näher.“ Das wars. Mit der passenden Musik im Hintergrund fielen mir die wunderschönsten Frauen in die Arme und wir teleportierten für einen Song in die Schweiz.
Szenario im wirklichen Leben: Es ist heiß und stickig. Mittagszeit. Tiefgarage eines Gebäudes, welches dringend einen Anstrich und einige Genehmigungen bräuchte. Ich strecke meine Hand aus und sehe die Frau an, die den Freund einer Anderen liebt, und sage: „Sieh tief in meine Augen. Tief in meine Augen … und komm näher … näher … näher … näher.“ Die Chancen stehen günstig, dass ich mir eine Ohrfeige einhandele. Und wenn nicht, wird mir das Mädchen wahrheitsgemäß sagen: „So sehr ich auch in Deine Augen sehen möchte, ist das Problem Deine sinnliche, große Adlernase, die im Weg ist.“ Und das wäre es dann gewesen. Ich werde die Tiefgarage durchqueren und dem Wachmann erklären, dass ich die Lady aus dem sechsten Stock nur nach der Richtung gefragt hätte. Das ist das Gute daran, Träume in Filmen zu verkaufen. Alle, einschließlich meiner Heldinnen, sind fähig, über ihre eigene Nase hinauszuschauen, und, was noch wichtiger ist … über meine.

Manchmal stelle ich mir eine Welt vor, in der alle ihre Fehlbarkeit anerkennen würden.
Stellen Sie sich einen Politiker vor, der Ihnen erzählt, er sei tatsächlich unehrlich. Oder der uns zumindest versichern würde, er sei ehrlich genug, dass, ist er einmal gekauft, er auch gekauft bleibt.
Einen Nachrichtensprecher, der Ihnen finster mitteilt, er habe kein Interesse daran, die Gesellschaft zu verändern, „aber die Debatte die nun folgt ist gut für die Einschaltquoten. Es ist nun mal mein Job“.
Ein Colahersteller, der endlich einsieht, dass seine Diätversion nicht als gesundes Getränk durchgeht. „Doch trinken Sie es trotzdem, denn der Filmstar sagt das, obwohl er selbst nur Zitronenwasser trinkt.“
Oder als Bollywood Superstar, der statt der Nicht-Rauchen-Anzeige zu Beginn eines Films in einem schwarzweißen Servicefilm verkündet: „Ich habe diesen Film gedreht, um mehr Geld zu machen als ich schon habe, nicht weil ich finanziell klamm, sondern gierig und nur begrenzt talentiert bin. Viel Vergnügen.“
Wenn wir nur weniger darauf bestehen würden, „die Wahrheit zu sagen“, als darauf, unsere eigene Wahrheiten zu verstehen und still zu versuchen, sie zu leben. Wirklich, wenn wir fähig wären, die Taten von Menschen durch das Prisma ihrer eigenen Wahrheiten wahrzunehmen, würden wir sie vielleicht nicht so schnell verurteilen und verdammen, was uns nur allzu leicht fällt. Möglicherweise würden wir sogar eine ganze Menge weniger Schmerz verursachen.

Es ist wie das Paradoxon, zu versuchen unsere Kinder zu „lehren“, ehrlich zu sein, obwohl sie faktisch schon viel ehrlicher sind als wir, einfach aufgrund ihrer Unschuld. Alles, was man tun muss, um diese Unschuld und Ehrlichkeit zu erleben, ist, in ihre Augen zu sehen. Sie sind glücklich, einfach „am Leben“ zu sein. Dann wachsen sie auf und beginnen, die Dynamik des Lügens wahrzunehmen, also fangen wir an, Lügen für sie einzustufen: „Am Telefon zu sagen, ich sei nicht zu Hause, ist in Ordnung, doch zu behaupten, ich habe die Bonbons nicht geklaut, wenn ich es doch tat, ist es nicht.“
„Wenn du in der Schule in einen Streit gerätst, komm zu uns und erzähl es. Lüge nicht darüber. Doch wenn du Mama und Papa zu Hause streiten siehst, ist es eine Familienangelegenheit. Sag es keinem. Tatsache ist, dass Mama und Papa niemals streiten.“

Sie wachsen weiter auf und realisieren, dass ein Großteil ihres Glaubens, auf dem sie ihre Kindheit begründeten, möglicherweise nicht wahr war. Und bald wird die Wahrheit zur Enttäuschung, wobei sie doch gerade das sein sollte, was sie befreit und ihr Leben bereichert.
Vielleicht sollten wir sie einfach in Ruhe lassen. Nicht versuchen, sie andauernd dieses und jenes zu „lehren“. Ein Kind ist letztendlich die größte Wahrhaftigkeit des natürlichen menschlichen Vermögens zur Unverdorbenheit. Kinder kommen in diese Welt, bar jeden Konzepts, mit dem man andere beurteilt. Wir bauen dieses Konzept für sie, meist tun wir dies im Schatten eines ähnlichen Rahmens, welchen unsere eigenen Erfahrungen in unserem Geist erschaffen haben.
In unserem Kampf, sie zu beschützen und zu lehren, berauben wir sie unglücklicherweise ihrer angeborenen Ehrlichkeit. Ich hätte meinen Kindern gerne das Geschenk ehrlicher Augen gemacht, um ihre ehrlichen Herzen in Ehren zu halten. Zumindest bis sie erwachsen genug wären, sich selbst zuzutrauen, die Welt aufgrund ihrer eigenen Ideen zu verstehen. Ich hätte ihnen gerne die Möglichkeit gegeben, die Welt mit den Augen zu betrachten, mit denen sie geboren wurden, ohne jede Verunreinigung des Erwachsenendaseins. (Ich habe meinen Kindern immer noch nicht gesagt, dass der Weihnachtsmann nicht existiert, also bitte behalten Sie es für sich, wenn Sie das lesen.)

Gleichwohl, wenn wir das Erwachsenenalter erreichen, wird es so viel schwieriger, unsere Wahrhaftigkeit zu leben. Wie viele von Ihnen haben versucht, eine ehrliche Antwort auf die Frage Ihrer Ehefrau zu geben: „Liebling, denkst Du, mein Hintern sieht fett aus in diesem Kleid?“
Wie viele von Ihnen haben am Ende eines romantischen ersten Dates eine Tasse Kaffee in Ihrer Bude vorgeschlagen, statt eine Einladung zum Sex in Ihrem Auto auszusprechen?
Wie oft haben Sie Leute gefragt: „Wie geht’s?“, wenn es Sie offen gesagt einen Dreck interessierte?
Ich weiß, ich habe es oft getan. Ich habe mein heiseres Bassstimmen-Flüstern benutzt, wenn ich mit Mädchen telefonierte. Ich würde in Facebook ein Bild von Brad Pitt als meines einstellen, wäre ich nicht so bekannt. Verflixt!
Und wie viele von Ihnen haben insgeheim das machohafte Versprechen von Mike Tyson geliebt, sich aber öffentlich davon distanziert?
Dasjenige, in dem er ehrlich kundtut: „Ich will ihm das Herz herausreißen und es an Lennox Lewis verfüttern. Ich will Menschen töten. Ich will ihnen die Eingeweide herausreißen …“

Die Wahrheit ist, dass wir alle unsere Momente haben, in denen „Ehrlich währt am längsten“ einfach nur ein zitierfähiges Zitat ist. Wir müssen nur ehrlich genug sein, es zu akzeptieren und weitermachen ohne zu urteilen, denn „wenn Du andere beurteilst, definierst Du nicht sie, sondern Dich selbst“ (Earl Nightingale). Allerdings versuche ich ab und an, ehrlich zu sein. Letztendlich ohrfeige ich jemanden, der mir auf die Nerven geht oder mache mich selbst zum Ärgernis in vollen Stadien, denn um der Schicklichkeit willen ruhig zu bleiben, ist einfach nicht mein Ding!! Manchmal bin ich sogar ehrlich genug, mein Leben und meinen Ruf für einen Traum aufs Spiel zu setzen, wie ich es mit der Schaffung von Ra.One oder Paheli tat.

Es ist paradox, dass ich mich in diesen Momenten der völligen Ehrlichkeit vom Rest der Welt entrückt und alleine fühle. Ich muss vorgeben, sie zu bereuen, um mich reinzuwaschen, doch da wir hier ganz ehrlich über Aufrichtigkeit diskutieren, lassen Sie mich beichten. Mir tut es nicht wirklich leid, ich selbst zu sein. Das Streben nach Perfektion, wenn es sie in irgendetwas gibt, Ehrlichkeit und Lügen eingeschlossen, ist von Haus aus ein fehlerhaftes Konzept. Unser Lebensstandard wird nicht dadurch definiert, zum Gott oder zum Teufel zu werden. Wir sind Menschen. Wir müssen fehlerhaft sein. Wir sind bestenfalls dazu gedacht, diese beiden Extreme zu verbinden. Ich bin voller Fehler, ich will ehrlich sein und es sagen.
Abgesehen davon will ich verdammt sein, nicht eines Tages eine Fortsetzung zu Ra.One zu machen oder auch nicht … ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

~ Shah Rukh Khan for/für DNA After Hrs (India)
Quelle
Translation by/Übersetzung durch @Tuilere

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