SRK: Faulheit tötet Kreativität (März 2014)

Posted: March 20, 2014 in SRK's DNA Kolumne Deutsch

Inspiration ist ein Gast, welcher die Faulen nicht aus freien Stücken aufsucht… -Tschaikowski

Effizienz ist intelligente Faulheit… -David Dunham

Das Symbol für Fische entstand in den Zeiten Babyloniens, zu denen das Sternbild mit den zwei großen Flüssen in Verbindung gebracht wurde: Euphrat und Tigris. Offenbar ist Fische eines der ältesten Zeichen des Tierkreises.

Etwas fischiges
Ich nahm immer an, dass die beiden Fische, welche die Schwanzflosse des jeweils anderen ansehen, für die Zweiheit der Natur stehen. Gut und Böse. Oder vielleicht einfach für eine generelle Richtungslosigkeit. Auf einem eher jugendlichen Level brachte es mich ebenfalls auf den Gedanken ‘vielleicht ist es eine fischige Version der 69er-Stellung’. Doch nun, da ich einige Recherche betrieben habe, fand ich heraus, dass es die duale Natur von Fischen in einem völlig anderen Kontext symbolisiert. Ich googelte los und kam dahinter, dass die in entgegengesetzte Richtungen schwimmenden Fische das Anzeichen einer intuitiven und idealistischen Natur (aufwärts schwimmender Fisch), verbunden mit einem Sinn für das Praktische und Bodenständigkeit (abwärts schwimmender Fisch) sind. Sie sind idealistische Realisten! Ziemlich beeindruckend, was?! Ich wünschte, ich wäre auch ein idealistischer Realist, denn auf diese Weise hätte meine ‘Ich werde den besten indischen Superheldenfilm aller Zeiten machen’-Idee genauso in die Kinokassen-Stratosphäre schießen können, wie sie mein Lieblingstraum ist.

Negativ sein
(Nebenbei habe ich auf einer der Webseiten, die ich durchforstet habe, bemerkt, dass Idealismus unter den ‘negativen’ Fische-Eigenschaften aufgelistet ist! Das fand ich sogar noch interessanter als über die Bedeutung der verwirrten Fische gestolpert zu sein. Warum würde jemand denken, dass Idealismus eine schlechte Sache sei?)
Dessen ungeachtet scheint der Fisch eine Anzahl wundervoller Eigenschaften inne zu haben: Intuition, Instinkt, Vorstellungskraft, Güte waren alle unter Positiv gelistet. Auf der Liste des Negativen (gleich unter Idealismus) fand sich ‘Faulheit’. Nun, Faulheit hat mich immer fasziniert. Als halb-böser Skorpion vermute ich, dass es nicht schaden kann, zur Abwechslung über eine sogenannte negative Eigenschaft zu schreiben. Diesen Monat ist es also Faulheit. Und lassen Sie mich beginnen, indem ich sage, wenn es eines gibt, was ich immer bestrebt war zu sein (und nie wirklich hinbekommen habe), ist es FAUL!

Das Geräusch in meinem Kopf
Ich habe mein Äußerstes getan, meinen Geist auf Trägheit herunter zu kurbeln, ohne jegliches Glück. Erst kürzlich bin ich morgens aufgewacht, sah auf meine Uhr und beschloss, im Bett zu bleiben so lange ich kann. Innerhalb von Minuten surrte mein Kopf von Dingen, die zu tun waren. Ich registrierte 54. Ich war wach, checkte meine Mails, hauptsächlich bestehend aus seltsamen Grundstücksgeschäften an seltsameren Orten und schlau getarnten Nachrichten, welche ausnahmslos zu billigeren Angeboten für Cialis und Viagra weiterleiten. Ich machte Anrufe für belanglose Meetings und wurde überall abgewiesen. Dann verbrachte ich Zeit damit, Nummern aus meiner Anrufliste zu wählen, die ich nicht kannte, in dem Versuch, aus wichtigen Fremden schlau zu werden, welche vielleicht mein Leben bevölkert hatten, als ich im Kindergarten war. Allgemein gesagt, machte ich mich selbst zur Nervensäge. Ich bewundere Menschen, die fähig sind, nichts zu tun. Ich bewundere ihr lässiges Tempo und ihren mühelosen Abstand zum Erfolg. Ich bewundere, dass sie herumliegen können, ohne das Gefühl zu haben, einen Mord zu begehen, denn das kann ich nicht. Die einzige Zeit, in der ich nicht arbeite, ist wenn ich schlafe. Im Grunde habe ich das Gefühl, dass, falls jemand meine Gehirnwellen selbst zu dieser Zeit aufzeichnen würde, diese wohl auf irgendwas verdächtig mit meinem Beruf Verknüpftes gerichtet wären. Wahrscheinlich würde ich in meinen Träumen Mädels in fahrende Züge helfen und mich mit Raufbolden anlegen, die doppelt so groß sind wie ich oder verschiedene Wege austüfteln, meine Arme weit auszubreiten. Ich habe das, was meine Mutter als ‘Hummeln im Hintern… und Schlafanzug’ diagnostizierte.

Bequemlichkeit in Luxus
Faulheit, sagt man, ist die Abwesenheit des Sinns für Verantwortlichkeit. Kinder können beneidenswert faul sein. Wie mein Sohn. Ich habe das zuvor erwähnt, doch aufgrund fehlenden Erinnerungsvermögens und da dies ein Artikel über Trägheit ist, werde ich die gleiche Geschichte nochmals erzählen. Mein Sohn studiert weit weg von daheim und wird zutiefst von mir vermisst. Von Zeit zu Zeit werde ich daher, von väterlichen Gefühlen überwältigt, eine lange Nachricht von Liebe oder Lehre an ihn schicken. So wie das Folgende, was ich irgendwo gelesen hatte: ‘Ein Sohn ist Wahrheit mit Schmutz im Gesicht, Schönheit mit einem Schnitt im Finger, Weisheit mit Gestank in seinen Haaren und die Hoffnung der Zukunft mit einem Frosch in der Tasche… Ich vermisse dich, mein großartiger Sohn… bla… bla… bla… heul… heul …heul…’ Und er antwortet auf meine lange Nachricht mit einem einzelnen Buchstaben… ‘K!’ Was bedeutet ‘K’, Himmelherrgott? Wie faul kann man sein, nicht mal ein ‘O’ davor zu setzen? Es ist eine Frage von einem klitze-klitze-winzig-kleinen Antippen einer Taste, mehr nicht. Kinder können so mühelos faul und herzlos sein, wenn ich das anmerken darf. (Dachte, ich muss hinzufügen, dass mein Freund Karan Johar mit ‘K’-Antworten auf seine Nachrichten ziemlich zufrieden ist.)

Die Mercedes-Kinder
Ich habe das Gefühl, es ist ebenso eine Frage von Übung wie von der Lebenslage. Es ist wahr, dass jene, welche die Mittel zu ihrem eigenen Lebensunterhalt nicht selbst beschaffen oder aufbauen müssen, es sich leisten können, weniger hart zu arbeiten und getrieben zu sein, als diejenigen, die die Bürde der Notwendigkeit tragen. Doch ist da eine Komponente der Rigorosität im Enthusiasmus zur Arbeit und diese aufzubauen ist grundsätzlich ein Ergebnis von Übung. Anders als ich, wurden meine Kinder in Wohlstand hineingeboren und sie haben alles, was Kinder ihres Alters sich wünschen könnten. Ich habe ihnen nie etwas verweigert oder versucht, ihnen den materiellen Wert der sie umgebenden Dinge einzuschärfen. Mir ist diese Angewohnheit vieler Eltern zuwider, die Dinge sagen wie: ‘Sohn, das Shirt ist teuer, da darf nichts drankommen’, und das Kind seinen Freunden am Ende erzählt, das Shirt hätte zu viel gekostet, um es dreckig zu machen. Dann sind da die armen Kinder, denen es nicht erlaubt ist, die schicken Autos ihrer Väter zu versauen und herumlaufen und jedem erzählen, dass sie in einem Mercedes zur Schule kamen (noch immer mit den Plastikbezügen über den Sitzen, seit zwei Jahren). Das kommt mir schäbig vor, um ganz ehrlich zu sein!

Meine Rolle als Vater
Meine Fähigkeit, meine Kinder versorgen zu können, ist eine Sache tiefen Stolzes in meinem Herzen, von daher habe ich es immer als unwichtig erachtet, ihnen den materiellen Wert der Dinge in ihrem Leben bewusst zu machen. Allerdings ist es maßgeblich, dass sie den Wert harter Arbeit und Beharrlichkeit verstehen. Ich habe versucht, dieses Verständnis sicherzustellen und ihnen zu helfen, es in eine Lebhaftigkeit zu transformieren, welche sich in der Weise, auf die sie Dinge tun, widerspiegelt, ob es nun Sport ist oder Wissenschaften oder ihre schulischen Leistungen. Ich habe versucht, sie die Essenz von harter Arbeit und dem Nicht-Aufgeben zu lehren. Es wieder und wieder zu versuchen, wie die international gefeierte Ameise, bis man Erfolg hat. Ich bin stolz, dass sie diese Lektion gänzlich gelernt haben. Jedoch muss ich Sie warnen, das hat auch seine Schattenseiten. Besonders, wenn man mit ihnen Scrabble spielt und sie dabei besiegt. Dann muss man die ganze Nacht spielen, bis man gegen sie verliert oder man am Ende nicht-existente Worte wie ‘zigges’, ‘roulter’ oder ‘akhrot’ legt, sodass sie einen mit einem illegalen Wort erwischen und man schlafen gehen kann. Faulheit ist nicht lediglich ein körperliches Phänomen, ein Stubenhocker zu sein, Fritten zu mampfen und den ganzen Tag Cricket zu schauen. Es ist ebenso eine mentale Sache und das ist der Teil, den ich nie angestrebt habe. Ich sehe Anzeichen dieser Art von Faulheit überall um mich herum. In der Welt von Kreativität, führt Bequemlichkeit zur Unfähigkeit, rigoros genug zu sein, furchtlos zu erschaffen. Sie bringt uns dazu zu plagiieren oder unsere Kreativität zu verwässern, um sie für die Öffentlichkeit akzeptabler zu machen.

Das filmische Verrückt
Es gibt in Bollywood eine berühmte Geschichte über diese renommierte und respektierte Schauspielerin, die äußerst leidenschaftlich bei ihrer Arbeit ist. Sie ging zum Regisseur und führte ihm einige Variationen eines geistig behinderten Charakters vor, welche sie ausprobierte. Sie hatte tief gehende Recherchen zu den verschiedenen mentalen Leiden betrieben und inwiefern bestimmte Gebrechen ihre Darstellung beeinflussen werden. Offenbar fragte sie den Regisseur, nachdem sie die verschiedenen Variationen vorgeführt hatte: „Sir, wie möchten Sie, dass ich es darstelle, schizophren-‘verrückt’ oder manisch-depressiv-‘verrückt’?“ Der Regisseur, der selbstverständlich nicht so gewissenhaft wie die Schauspielerin war, hatte keine Ahnung, worauf sie hinauswollte, sah sie an und sagte: „Madam, ich will einfach nur, dass Sie es filmisch-‘verrückt’ spielen.“ Dann fuhr er damit fort, ihr Referenzen zu geben, wie Rollen in früheren Hindi Filmen von verschiedenen Künstlern gespielt worden waren. (Ich bitte um Verzeihung für den Gebrauch des Begriffes ‘verrückt’ auf politisch unkorrekte Weise.)

Der faule Moment
Während ein wenig hiervon in Ordnung ist (wir alle tun es in einem gewissen Rahmen – und nennen es Inspiration) stellt zu viel Gewohnheitsmäßiges davon eine äußerst lausige Kunst dar. Ein Künstler gehört zu seiner Kunst, nicht seiner Kunstfertigkeit. Die Essenz von Kreativität ist es, fähig zu sein, seine eigene Wahrheit in der Kunst so sorgfältig wie möglich beizubehalten. Das erfordert Mut. Es ist viel einfacher, Kompromisse zu machen. Manchmal findet das, was für Sie am wahrhaftigsten ist, keinen Nachhall in der Sie umgebenden Welt, und die Fähigkeit, diese Trennung Ihrer Ideen von denen Ihres Publikums zu überstehen ist unmöglich, wenn Sie sich erlaubt haben, bei Ihrer Kreativität zu faul zu sein.

Meister-Köpfe
Die meisten Meister wurden erst lange nach der Zeit erkannt, in der sie lebten. Der Rest der Welt brauchte Jahrhunderte, um dort anzukommen, wo sie ihre eigene Wahrheit mit der des Künstlers, die er von sich geäußert hatte, auf dieselbe Ebene stellen konnte. Ich kenne keinen einzigen Meister, der bei seiner Kreativität faul gewesen wäre. Das kommt daher, dass, sobald die Dinge, die Sie erschaffen, ein Teil von Ihnen sind, es unmöglich ist, sie als Pflichten zu empfinden. Wenn Ihre Kreativität auf einer oberflächlichen Ebene arbeitet und nicht mit Ihnen harmonisiert, wird es schwer, alles zu geben, was Sie haben.

Schüler und das Lernen
Auf die gleiche Weise wie Faulheit zu einem Fehlen von kreativer Rigorosität führen kann, gibt es auch eine Form von intellektueller Faulheit, welche uns davon abhält, tief genug zu forschen oder neugierig genug zu sein, unsere eigenen Antworten auf Fragen zu finden. Ich bin oft erstaunt über die intellektuelle Faulheit, die beispielsweise von manchen unserer Schulen oder Lehrer unterstützt wird. Kinder schreiben Aufzeichnungen ab, lernen für Prüfungen aus Büchern, zusammengestellt aus den Fragebögen des letzten Jahres, Lehrer bringen sie zum Schweigen, wenn sie zu viele Fragen stellen und so weiter. Ein Lehrer wurde von einer Schule in Atlanta suspendiert, weil er den Schülern während einer Prüfung alle Antworten gab und als man ihn dazu befragte, sagte er: „Ich musste ihnen die Antworten geben, weil sie strohdoof sind.“ Dies scheint ein perfekter Lehrer für schlecht vorbereitete Schüler zu sein, doch das Argument, das ich anbringen will, ist, dass Lehrer manchmal das Selbstvertrauen der Kinder schmälern, in ihrem Bestreben, einen guten Notenschnitt für die Schule oder sogar die Kinder selbst zu erreichen. Wir müssen den Kindern Selbstvertrauen anerziehen, sodass sie sich niemals dumm fühlen, wenn sie die Tatsache akzeptieren, dass es Dinge gibt, die sie nicht wissen und darin keine Schande liegt oder ihren Lehrern dasselbe sagen, damit sie ihnen dabei helfen können.

Tabloidisierung
Der Zauber des Lernens wird durch eine intellektuelle Oberflächlichkeit am Wachstum gehindert, die sich in unserer Gesellschaft als Ganzes widerspiegelt. Das geistige Niveau von Urteilsbildung wird heruntergeschraubt. Schalten Sie den Fernseher an und Moderatoren sind mehr daran interessiert, zu zeigen, dass sie schlau sind, als daran, überhaupt ein relevantes Argument anzubringen. Tatsächlich ist das alles äußerst faul. Fakten werden nicht geprüft, Zahlen werden ohne jegliche Grundlage ausgegeben und Urteile ausgesprochen, ohne irgendein Bedürfnis nach Beweisen. So oft finde ich heraus, welchen Film ich mache und mit wem, nachdem ich erfahre, wen ich ersetzt und aus dem Film verdrängt habe. Genauso berechne ich mein Gehalt, wie es in manchem von dem Kram zitiert wird, den ich lese und höre, wenn ich mich wie Carlos Slim fühlen will (Anm.: Carlos Slim Helú, mexikanischer Multimilliardär und ehemals reichster Mensch der Welt)
Ich habe kein Problem mit der Tabloidisierung von Nachrichten, ich habe ein Problem mit der Faulheit dahinter, nicht mal ein paar reale Grundlagen für einen Kommentar zu besorgen. Das ist alles! Ansonsten erfreue ich mich am Klatsch, wie jeder andere auch. Ich kann nicht sagen, dass ich ihn mag, doch manchmal genieße ich ihn. Was mich zur niederträchtigsten aller Faulheiten auf meiner Faul-Liste führt: Moralische Faulheit oder das Fehlen von moralischer Rigorosität.

Moralvorstellungen und Werte
Ich bin kein Moralist und habe meine eigene, ganz bestimmte Vorstellung davon, was Werte sein sollten (damit werde ich jetzt nicht anfangen). Ich gebe nicht vor, ein Mahatma zu sein oder sogar nach dem Nirvana zu streben, wie manche es tun mögen. Meine Moralvorstellungen sind wahrscheinlich der idealistisch-realistische Teil von mir, doch sie sind wohlüberlegt und eindeutig. Ich bin permanent fassungslos angesichts der moralischen Faulheit, welche uns größtenteils umgibt. Es geht nicht darum, dass Leute ihre Leben am Rande einer sozial akzeptierten Sittlichkeit zubringen. Ich bin solchen Dingen gegenüber nicht wertend, genau genommen bin ich überzeugt, dass jeder seinen oder ihren eigenen Bereich haben und seine oder ihre eigenen Grenzen definieren muss, vorausgesetzt, dass sie anderen keinen Schaden zufügen. Es verschlägt mir den Atem, wenn Leute eine große Sache aus der Sexualität anderer machen oder daraus, was sie in ihrem Privatleben tun. Wenn jemand Liebe auf eine Weise zum Ausdruck bringen will, wie sie es wünschen und all das einvernehmlich und glücklich mit ihrem/n jeweiligen Partner/n geschieht, sollten wir es einfach gut sein lassen, denke ich. Es ist Liebe! Es mag nicht Ihre Vorstellung von Liebe sein, doch das macht es nicht falsch oder unmoralisch.

Die einfachen Dinge
Es ist das Fehlen der Tiefe, mit der Leute ihr eigenes Benehmen betrachten und die Leichtigkeit, mit der sie sich entschuldigen, was ich faszinierend finde. Ich beziehe mich nicht auf große Dinge (Futter-Betrug, Kohle-Gaunerei, Cricket-Skandale usw.). Ich rede von den einfachsten Sachen. Die Art, wie Menschen ihre Freunde behandeln, wie ‘professionell’ es wird, sich gegenseitig im Stich zu lassen oder sich gegenseitig zu benutzen aufgrund von Zweckdienlichkeit zur ‘Freundschaft’ wird. Ich rede von den alltäglichen Dingen, die unser Leben erst lebenswert machen. Ich glaube, das Wesen von Freundschaft ist Anstand, nicht Liebe. Liebe ohne Anstand ist unvollständig. Anstand kommt nur zu Stande, wenn man eine gewisse moralische Rigorosität auf sich selbst anwendet. Er ist das Produkt des Verstehens der eigenen Unzulänglichkeiten, des Betrachtens der Punkte, in denen man sich geirrt und die Grenzen der eigenen Werte überspannt hat. Somit öffnet man sein Herz den Fehlern und Schwächen von anderen Menschen. Man versteht, dass auch sie in ihren eigenen Zwängen gefangen sind, ihren Komplexen und Unsicherheiten. Man erwartet keine Perfektion in Beziehungen, wenn man gelernt hat, anständig zu sein. Man akzeptiert die Schönheit ihrer Unvollkommenheiten und ist fähig, dessen ungeachtet zu lieben.

Richtig und Falsch
Ich habe irgendwo gelesen, dass die Lebenserfahrungen jedes Menschen ein einzigartiges moralisches Universum um Individuen erschafft, welche zu einer Art Biographie ihres Lebens werden und festlegt, wie sie es leben. Ich fand diesen Gedanken interessant und wahr. Manche dieser Universen sind allzu einfach und linear, während andere extrem komplex sind. Manchmal ist es leichter in einfachen Rahmenkonzepten zu leben, da ihre Rigidität bequemer ist als die Fluidität derer, die komplexer sind. Die Faulheit entsteht, wenn man in einem bestimmten Rahmen bleibt ohne ihn jemals in Frage zu stellen. Die Frage ist nicht, ob man richtig oder falsch liegt, gut oder böse ist, besser oder schlechter. Die Frage ist, ob man jemals sein Besser-sein oder Schlechter-sein oder seine Tugend oder seine Fähigkeit, schlecht zu sein, anzweifelt. Ebenso ist die Frage, was man als gut akzeptiert und wie und warum man entscheidet, es auf diese Weise zu definieren.

Das Leben im Fischglas
Wenn Sie alle sich zu viele Entschuldigungen und zu wenige Herausforderungen erlauben, werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach unglücklich bleiben und unfähig, andere um Sie herum glücklich zu machen. Sich vorzustellen, dass das ganze Universum sich gegen Ihre Freude verschwört mag einfacher sein, als in sich selbst hineinzuschauen und darüber nachzudenken, wie sehr Sie selbst zu Ihrem eigenen Leid beitragen, doch macht es Sie nicht auch nur ein wenig glücklicher. Wir Schauspieler sind erfahrene Verschwörungstheoretiker. Im Goldfischglas zu leben, wie wir es tun, macht es uns leicht, uns für sehr wichtig zu halten und es folgt, dass wir dazu tendieren, uns auch ungerecht behandelt zu fühlen. So wie kürzlich diese bescheuerte, große Tür auf mich fiel und mich ziemlich ernst verletzte. Lektion für junge Leute: Manchmal können große Türen oder Menschen, die euch verfallen, euch recht böse verletzen (doch das ist ein anderer Artikel). Zurück zu Schauspielern, die sich schikaniert fühlen. Mir wurde verständlich gemacht, dass einige Leute glaubten, dieser Unfall sei geplant worden, um meine sogenannte Konkurrenz auszustechen. Wirklich! Was kommt als nächstes? Entführt werden und meine Körperteile an Kinos verschicken, damit sie an die Zuschauer verteilt werden, falls sie Gruppentickets kaufen? Nur um die Dinge ins rechte Licht zu rücken, alles, was ich versuche, ist Filme innerhalb des Bestmöglichen meiner Fähigkeiten und mit Leidenschaft zu machen. So einfach ist das, Punkt! Jegliche anderen Verschwörungstheorien, welche um meine Unfälle oder mein öffentliches Benehmen gesponnen werden, sind falsche Vorstellungen. Ich erinnere auch mich selbst daran, nicht diesem Übel der Schikane ins Netz zu gehen.

Rahul gegen Hamlet
Unentwegt Hamlet zu spielen macht überhaupt keinen Spaß. Mit allen gebührenden Entschuldigungen an Shakespeare, Hamlet war ein rührseliger Langweiler. ‘Rahul’ andererseits, ist ein viel interessanterer Kerl. Er zwingt die Welt um sich herum ins Glück, singt Lieder wann immer er traurig ist oder nach weiblicher Aufmerksamkeit hungert und hat einen Sinn für Humor sich selbst gegenüber. Nebenbei sieht er sich ganz genau im Spiegel an, nimmt sich zusammen und arbeitet hart an was auch immer er entschieden hat zu tun (selbst wenn es darum geht, Anjali dazu zu bewegen, sich in ihn zu verlieben).
Daher ist mein tiefsinniger Rat an euch alle für diesen Monat: Kriegt euren Hintern hoch und lasst euch was einfallen. Seid mutig genug, nicht zu bequem mit dem zu sein, was ihr sein könntet und solltet. Entschuldigt euch nicht für die wunderbaren Menschen, die ihr eigentlich seid. Das Universum ist eine Verschwörung aus Schönheit und Glückseligkeit, versteckt hinter der natürlichen Einfachheit seiner unendlichen Komplikationen. Lasst euch nicht vom Leben einschüchtern (oder dem Satz vor diesem hier, er ist konzipiert, damit ihr euch einiger eurer intellektuellen Faulheit entledigt), stellt einfach sicher, dass ihr euch weigert zu träge zu sein, es gut zu leben.
Jetzt ist meine Arbeit für diesen Monat getan. Ich muss unter meine Bettdecke kriechen, Knabberzeug besorgen und ausdruckslos auf den Fernseher starren, wie die Höhlenmenschen, die nach einem Tag des Jagens ins Feuer starrten. Bloß damit ich mich nicht faul fühle, wurde diese ganze Einrichtung in meinem Fitnessraum aufgebaut, inmitten von Kurzhanteln und dem Geruch nach Schweiß. Bis zum nächsten Sternzeichen… zzzzzzzzzz… zzzzzzzz.

~ Shah Rukh Khan for/für DNA After Hrs (India)
Quelle
Translation by/Übersetzung durch @Tuilere

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