IAA Summit – September 2015

Posted: September 25, 2015 in 2015

Deutsche Transkription:

Vielen herzlichen Dank und ich wünsche Ihnen allen einen guten Abend.

Als Erstes möchte ich all jenen danken, die mich eingeladen haben, besonders meinem Freund Pradeep, Mr. Swamy und Ramesh, der sich hinter der Bühne um mich kümmert.
Ehe ich anfange, möchte ich Mr. Amitabh Kant sagen, dass ich alle Fragen, die seine Präsentation betreffen, beantworten werde. Sie war fantastisch. Und ich habe dazu nur eine Antwort: (Songstelle aus ‘Phir Bhi Dil Hai Hindustani’)

Von mir wird erwartet, eine Rede usw. zu halten, was ich auch tun werde, reden, mit Ihnen plaudern … und ich bin Pradeep dankbar, weil er mich zu den weltweiten Konferenzen der Werbebranche mitnimmt. Beim letzten Mal, 2003, nahm er mich mit zu einer Konferenz von AirAsia, bei der ich eine Rede hielt, die ich vor Ihnen allen, besonders den jungen Leuten, teilweise wiederverwenden möchte. Das liegt nicht daran, dass ich faul bin oder meine kreativen Ströme versiegt sind, sondern weil Recycling umweltfreundlich ist!

Als ich vor 25 Jahren begann, Werbung zu machen, Produkte anzupreisen, wurde mir oft von vielen hellen Köpfen gesagt, ich sollte das nicht tun, ich würde mich sonst zu sehr verteilen, dem Ruhm das Mysteriöse rauben, ich würde kein Wunder, sondern eine Ware.
Allerdings war ich vor 25 Jahren zu arm, mir darüber Sorgen zu machen ein Wunder zu sein. Notfalls hätte ich einen Wonderbra verkauft. Beinahe tat ich das sogar oder ich werde es zukünftig tun, da bin ich sicher.
Diese Rede also habe ich damals vorgetragen und ich würde sie gerne in leicht veränderter Form wiederholen. Es sind ungefähr sechs Seiten, aber ich lese sehr schnell, kein Grund zur Sorge.

25 Jahre später werde ich vom Wecker meiner ‘Tag Heuer’ Uhr geweckt, rasiere mich schnell mit meiner ‘V-John’ Rasiercreme und den drei mitgelieferten Bikinitragendenden Ladys.
Ich esse mein Frühstück aus biologisch angebautem Gemüse von ‘The Big Basket’, mit einem nostalgischen Lächeln für den Getränkekarton vergangener Zeiten nehme ich einen kräftigen Schluck aus meiner neuen, größeren Flasche ‘Fruity’ und mit der anderen Hand schlürfe ich ‘Tata Tea’, um meine Sinne zu erfrischen.
Und nun, zusehends angeregt, springe ich ins Bad, drehe sinnlich den ‘Hindware’ Wasserhahn auf, während ich verführerisch die Handbrause liebkose, italienisch spreche und mich mit frisch duftender Seife von ‘Lux’ einseife.
Dann schalte ich meinen ‘Videocon’ Plasmafernseher ein, sehe die Nachrichten, ziehe meine farbenfrohe ‘YepMe’ Kollektion an, und binde, auf meinem von ‘D’Decor’ ausgestatteten Sofa sitzend, die Schnürsenkel meiner ‘Aqualite’-Schuhe zu, während ‘DishTV’ die neuesten Aktualisierungen zeigt.
Und all das passiert in meinem Haus von ‘Mahagun Properties’, in Noida/Delhi, von dem man komischerweise die Schönheit und Kultur Westbengalens überblickt. Auf allen Seiten.
Gekauft wurde dieses Haus mit einem ‘DHFL Home Loans’-Darlehen. Die Farbe von ‘Nerolac’ an meiner Schlafzimmerwand spiegelt meine Laune wider, sehr heiter, das ‘Lux Cosy’ Unterhemd fühlt sich angemessen eng an.
Schnell schlucke ich ein wenig ‘Himani’ Chyawanprash für Energie und lasse meinen ‘Hyundai Santro’ kommen. Jetzt stehe ich vor Ihnen allen ‘Fair & Handsome’ (hellhäutig & gut aussehend) … womöglich weit verteilt, doch sehr reich, sehr glücklich und darauf hoffend, dass jemand von Ihnen mich für die Computerbranche oder eine Cola unter Vertrag nimmt, denn die sind noch übrig.

Aber ich bin nicht … OK, selbst der Mobilfunkanbieter ist in den vergangenen beiden Jahren verschwunden … Nun, ich bin nicht hier, Ihnen das alles zu erzählen und Ihnen dafür zu danken, was ich durch Sie verdient habe.
Tatsächlich bin ich hier, Ihnen für das zu danken, was ich von Ihnen gelernt habe.
Von Ihnen habe ich gelernt, was es bedeutet, eine Marke zu sein. Ich habe gelernt, dass es kein einmaliger Erfolg, sondern ein lebenslang andauernder Prozess ist.
In Bestform zu bleiben und nach Vortrefflichkeit zu streben ist eine schwierige Aufgabe. Imstande zu sein, eine Verbindung mit Ihrer Zielgruppe herzustellen, um zu verstehen, was diese heute begeistert und wie sich das morgen verändern könnte, ist ausschlaggebend. Wie diese Konferenz feststellt, muss Veränderung heute mit der Zukunft zusammenkommen, denn morgen könnte es schon zu spät sein.

Wenn ich heute einen Film plane, muss er auf ein sich ständig veränderndes Publikum, meist zwei Jahre in der Zukunft, ausgerichtet sein.
Zu Beginn meiner Karriere fiel mir dies leicht, ich hatte nichts zu verlieren, also konnte ich vom jungen Liebhaber zum Mörder in ‘Baazigar’ springen.
Es funktionierte. Es war ausgefallen, es war neu, und vor allem war es disruptiv.

Doch wenn man an Format, wie ich, und Alter, wie ihr, zunimmt … ich bin Peter Pan, Leute, ihr werdet älter. Ja, meine neue Filmpartnerin ist 22 Jahre alt, seid ruhig neidisch … dann beginnt man plötzlich über Zielgruppen, Marktanalysen und all die anderen Begriffe nachzudenken, 360 Grad … Dann traf ich einen Mann, der mir was von 36 Grad erzählte, was immer noch ganzheitlich ist …

Während also alle nach dem Grund deines letzten Erfolgs suchen und versuchen, ihn zu kopieren, wächst der Bereich deiner eigenen Komfortzone an und irgendwie macht dich der Erfolg nach bewährter und erprobter Formel selbstzufrieden.
Du beginnst, den Erfolg als selbstverständlich anzusehen und die Auffassung der Zielgruppe wird wichtiger als deine eigene Vortrefflichkeit, deine eigenen Ansichten.
Und in genau dieser Phase muss man disruptiv eingreifen. Nicht zerstörend, sondern kreativ störend.
Ich muss aufhören, an meine Zielgruppe zu denken, denn diese Gruppe, selbst wenn die aus meinen Fans auf Lebenszeit besteht, ist sozusagen nicht mehr in der gleichen Altersklasse oder derselben Zone.
Andere haben deren Platz eingenommen und wenn ich nicht auf sie eingehe, ist es wahrscheinlich, dass ich bald ein geliebtes Relikt bin, keine relevante Stimme mehr.

Hierbei habe ich von all Ihren Arbeiten gelernt, dass ich herausfinden muss, welche Anforderung oder Funktion meine Arbeiten, meine Filme, vorschreiben.
Darauf muss ich mich stärker konzentrieren, als auf die Zielgruppe. Ich muss herausbekommen, was meine Arbeit kann, mein Produkt, meine Filme im demografischen Wandel für Lebensstile, Geschmäcker, Sprachen bewirken müssen, um heutzutage relevant zu sein.
Ich muss mich darauf konzentrieren, welche Aufgabe mein Produkt in der Zielgruppe hat, und wie es angepasst oder, wenn es sein muss, sogar komplett geändert werden muss, seien es meine nächtlichen Updates auf Facebook oder meine Tweets oder Interaktionen im wahren Leben, mit Menschen, die mich so sehr mögen.

In dieser bewegten Welt, wo alles wirr ist und die wertvolle Aufmerksamkeit weggelockt wird, einen Namen zu schaffen, der sich der Zeit anpassen kann, ist im Markenaufbau das einzig Wahre.
Sie alle haben mir beigebracht, eine flexible Marke zu sein, statt einer Marke im klassischen Sinn. Selbst Klassiker müssen heute neu vorgestellt werden, um relevant zu bleiben.
Sei es das Erscheinen des neuen Buchs von Jay-Z oder die Komposition eines Beyonce-Songs. Es bleibt ein Song, es bleibt ein Buch, doch sie müssen das Interesse eines adrenalinsüchtigen Publikums wecken, das möglicherweise nur über eine kurze Aufmerksamkeitsspanne verfügt, da heute so viel mehr zugänglich ist.

Als eine Person des öffentlichen Lebens, ändert sich für mich sogar die Rolle der Medien. Und in letzter Zeit begann ich, als öffentliche Person, weniger von den Medien zu erwarten. Nicht aus Enttäuschung, um zu jammern oder weil ich Beschwerden habe … sie lieben mich, sie lieben mich seit 25 Jahren …, sondern aufgrund praktischer Veranlagung.
Da ich selbst ein Produkt bin, verstehe ich den Kommerz des Ganzen, den Druck, sowie auch den Drang zu Überleben.
Scheinheilig wäre es, würde ich nicht anerkennen, dass die Medien genauso ein Werkzeug für mich sind, wie ich eine Ware für sie bin.
Es gibt soviel Gerede über Fairness, öffentliche Personen, Privatsphäre, viele Erwartungen der Öffentlichkeit, Teil dieser Privatsphäre zu sein oder sie einzufordern. Es ist alles Gerede.
Es gibt keine wirklichen Grenzen außer jenen, die von Individuen gemäß ihrer eigenen Zwänge gezogen werden.
Fairness ist nicht die Art der öffentlichen Welt und war es auch nie. Wenn sie mir zugestanden wird, bin ich begeistert, wenn nicht, ist es auch in Ordnung.
Denn, wie mein Freund Pradeep mir im Flugzeug sagte, ist dies nicht mehr die vertikale Welt, die eine Hierarchie oder eine Ordnung von oben nach unten hatte, sondern eine horizontale Welt.
Durch die sozialen Netzwerke hat jeder eine Stimme, eine Sichtweise, jeder ist jedem gleichgestellt, jeder ist aus eigenem Recht ein Star.
Ich glaube tatsächlich daran, dass der nächste große Medienstar nicht aus der Fernseh- oder Filmwelt kommen wird, sondern aus der digitalen Welt.
Sie alle haben mich gelehrt, wie mit dieser sich schnell verändernden Welt umzugehen ist.
Wenn ich die Verschiebungen der letzten Jahre in Werbung und dem Verschicken von Nachrichten betrachte, wird mir klar, dass es wichtig ist, mich ebenfalls der Zukunft anzupassen.

Was als nächstes kommt, kann ich spüren.
Mir ist klar, ich muss mir eine Welt schaffen, in der Gleichheit und einer unter vielen zu sein wahrer Ruhm ist.
Denjenigen, die früher davon sprachen, dass ich mein Mysterium zerstöre, muss es wohl eine harte Zeit bereiten, wenn ich meine Selfies poste, Bilder davon, wie ich ein Rad schlage oder welche von meiner Badewanne aus, was ich kürzlich erst tat.
Aber das ist das Gebot der Stunde. Ich muss disruptiv denken, denn Störung ist das, was alle wollen, nicht mehr die gemächliche oder beschauliche Art. Weil wir eine gleichartigere Welt haben, müssen wir disruptiv sein. Und dies ist der einzige Weg, wie wir unter Gleichen gelassener sein können.

Nun komme ich zum Ende, ehe man mich für den Hauptredner der Tagung hält. Doch bevor ich gehe, erinnere ich Sie an einen alten Scherz von Chris Rock.
Ich zitiere, also macht mich morgen in den Zeitungen usw. nicht nieder, weil ich etwas politisch Unkorrektes gesagt habe.
Der Witz wurde vor vielen Jahren von Chris Rock gebracht … Wie zeigt man, dass das Zitat beginnt? Ja, OK, es ist nicht von mir. Chris Rock sagt das …

“Man merkt, dass die Welt durchdreht, wenn der beste Rapper ein Weißer, der beste Golfer ein Schwarzer, der Größte in der NBA (Basketball) Chinese ist, die Schweizer den America’s Cup (Segelregatta) gewinnen, Frankreich die Vereinigten Staaten der Arroganz bezichtigt, Deutschland nicht in den Krieg ziehen will, und die drei mächtigsten Männer der Welt Bush, Dick und Colin (Busch, Schwanz und Dickdarm) heißen. Da weißt du doch Bescheid!”

Nicht ich sage das, sondern Chris Rock. Ist nicht von mir.
Ich werde nur sagen, dass selbst dies heute für viele irrelevant sein mag, da diese Ikonen sich so schnell, in so kurzer Zeit verändert haben.
Doch die Wahrheit ist, dass die Welt nicht durchdreht, wie es Chris Rock sagt, sie ist nur disruptiv gleichartig und Sie und ich müssen nicht durchdrehen, wir müssen nur flexibel genug werden, um diese Realität zu verstehen.
Denn Realität ist immer raffinierter und innovativer als Fiktion.
Diese neue Realität und die sozialen, wirtschaftlichen und richtungsweisenden Verlagerungen, die sie mit sich bringt, erlaubt uns Zugriff auf tiefgreifendere Themen, Geradlinigkeit. Und es stärkt, was für mich und sicherlich für jeden hier am wichtigsten ist, Frauen in der Werbe- und Filmbranche.

Die verwischenden Bereiche von Öffentlichem und Privatem schaffen genau genommen eine zuverlässigere Verbindung zu unseren Konsumenten. Und es ist, ungeachtet einiger Beschimpfungen in Großbuchstaben, nur ein kleiner Preis, den man für unverfälschten Kontakt und heute verfügbare Informationen zahlt.
Diese Möglichkeit der veränderten Qualität kreativen Austauschs und richtungsweisender Ideen, die Sie und ich unterstützen, werden ehrlicher und persönlicher sein müssen. All das haben Sie mir beigebracht.
Sei ehrlich dir selbst und vor allem jenen gegenüber, denen du dein Produkt verkaufst. Du wirst dort draußen genug Menschen finden, die deine Ansichten akzeptieren, solange du ihnen das Gefühl gibst, dass wir gleich und ehrlich sind.

Sie haben mich gelehrt, ehrlich und gleich zu sein … was, wie ich glaube, wohl das Verstörendste ist, was man auf einer Tagung der Werbebranche sagen kann …, doch ich danke Ihnen für dieses Wissen und ich kann Ihnen nicht genug danken für mein Einkommen.

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Abend.
Vielen herzlichen Dank!

Übersetzt von @Tuilere

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