Fareed Zakaria – CNN GPS – Februar 2016

Posted: February 25, 2016 in 2016

 

Einleitung

Fareed Zakaria:
Mein nächster Gast wurde von der Los Angeles Times „der möglicherweise größte Filmstar der Welt“ genannt. Mir erscheint das zutreffend.
Shah Rukh Khan ist der größte Filmstar Indiens und hat definitiv mehr liebende Fans als jeder andere Filmstar der Welt, wenn man allein von der indischen Bevölkerung – mehr als einer Milliarde Menschen – ausgeht.
Der 50-jährige Khan hat laut Forbes die Hauptrolle in mehr als 70 Filmen gespielt und letztes Jahr 38 Millionen Dollar verdient.
Wenn Sie ihn und seine Arbeit nicht kennen, dann sollten Sie es vielleicht.
Indien war lange Zeit der einzige große Markt, in dem sich Hollywoodfilme schwertaten. Shah Rukh Khan sprach über die neue, globalisierte Welt, in der Hollywoodfilme ernste Anstalten machen, auf den indischen Markt vorzudringen, und wo Bollywoodfilme im Rest der Welt gegen Hollywood konkurrieren.

Interview

FZ:
Shah Rukh Khan, es ist eine Freude Sie wieder hier zu haben.

Shah Rukh Khan:
Danke Fareed, danke, dass ich wieder hier sein darf.

FZ:
Erzählen Sie mir davon, wie Bollywood heutzutage aussieht. Wie gehen Sie mit der Konkurrenz der Hollywoodfilme um, die jetzt grundsätzlich für ein globales Publikum gemacht werden? Viele Filme aus Hollywood beziehen große Teile ihrer Einnahmen von außerhalb der USA und sind auf eine Art gestaltet, die die Menschen anzieht. Sie haben mehr Action oder auch animierte Charaktere, wenig Dialoge, weniger komplexe Charakterentwicklung.
Sind dies die neuen, globalen Konkurrenten, denen Sie gegenüberstehen?

SRK:
Solange sie keine sechs Songs in ihren Filmen haben, konkurrieren sie zum Glück nicht mit uns! Das wird, da bin ich sicher, nicht passieren.
Aber ich denke, Sie haben völlig Recht. Wenn ich so sagen darf, hatte ich immer die Befürchtung, dass wir überholt würden, wenn wir nicht in der Lage wären unser Kino schnell genug zu verändern. Weltweit sind die Hauptfilme eben Hollywoodfilme. Indien ist das einzige Land, in dem lokale Filme besser laufen als die internationalen.
Quentin Tarantino hat, glaube ich, in Cannes einmal gesagt, der Grund dafür, dass lokale Filme überleben, seien die Stars.
Es gibt in diesem Land also immer noch eine große Ausgeglichenheit in der Welt der Stars, sei es ein Regisseur, ein Schauspieler oder eine Schauspielerin, und ich denke, das macht es aus. Es ist wie ein Footballspiel, in dem man Stars sehen will, die NBA ist beliebt, weil sie einige großartige Basketballer hat.
Solange das Starsystem im Land aufrecht erhalten wird, braucht es Zeit bis das internationale Kino Fuß fasst. Natürlich werden nun auch internationale Stars zu lokalen Berühmtheiten, doch mit all den jungen Filmemachern, Schauspielern und Schauspielerinnen verändert sich das indische Kino momentan so schnell, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern dürfte, ehe internationale Filme wirklich zur Konkurrenz werden.
Allerdings gibt es zurzeit, das gebe ich zu, Filme, die Bollywood überflügeln.
Einmal im Jahr.

FZ:
Wie viel Ihrer Fangemeinde ist jetzt, durch das Internet und die weltweite Verbreitung der Filme, global?
Es gab schon immer ein treues indisches Publikum, doch nun hat es sich bis in die Golfstaaten, Südostasien ausgebreitet. Was halten Sie davon?

SRK:
Es ist ziemlich… Es erstaunt mich immer wieder, denn wir haben meinen letzten Film z.B. in Peru veröffentlicht, in Gegenden wie Finnland, Schweden, von denen wir nie gedacht hätten, dass ein Hindifilm dort ankommen würde. Auch nicht mit Untertiteln oder synchronisiert.
Deutschland, Frankreich, Italien… das allein war schon ein Schock, dass man die Filme in Europa ansieht.
Ja, in England und Amerika, Südostasien vielleicht, aber die Einnahmen haben sich in den letzten Jahren versieben- oder verzehnfacht, seit ich das letzte Mal mit Ihnen gesprochen habe. Die Menschen schauen die Filme und jetzt höre ich, dass es auch in China passiert, was wiederum erstaunlich ist.
Und auch die verschiedenen Filmarten, die von hier kommen, unterstützen dies. Inzwischen haben wir einige wunderbar künstlerische Filme, und ich denke, das sind kleine Schritte in Richtung eines internationalen Markts für indische Filme.
Wir haben Glück, in diesen Zeiten steigender Akzeptanz zu leben.
Wo man auch hinschaut, Marokko, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südamerika, es erstaunt mich einfach. Jetzt habe ich dort ein Cricketteam (Trinidad & Tobago) und möchte hingehen, Zeit dort verbringen und sehen, was die Leute von dem halten was ich mache.
Aber ja, es hat sich ausgebreitet. In den sozialen Medien, wenn ich etwas twittere, kann ich erkennen, dass mehr als die Hälfte der Leute außerhalb von Indien leben. Ich sage etwas und plötzlich bekomme ich einen Shoutout aus Japan und ich staune darüber. Sie singen Hindisongs, sprechen Zitate aus den Filmen nach, machen Dubsmashes. Es ist neu und tatsächlich sehr ermutigend.

FZ:
Das ist wirklich neu für indische Filme, welche immer sehr lokal waren und nun global werden…

SRK:
Ja, wie Sie schon sagten, in den VAE, Südostasien findet man noch ähnliche Kulturen, also geht man davon aus, dass die Menschen dort indische Filme mögen würden. Sie sind konservativ, drehen sich um die Familie, manche der üblichen, kommerziellen Filme zeigen einfach gute Dinge, sind nicht zu ausgefallen. Doch nun kommen sie auch in Schottland, Irland und Amerika gut an.
Vor kurzem hatte ich eine Show in New York und von den circa 8000 Leuten waren etwa 500 bis 800 Amerikaner, die sich eine indische Show ansahen. Ich sprach mit einigen von den Ladys und sie sagten, sie liebten indische Filme und mich, sie seien so und so weit gereist, um mich zu sehen, und das ist wirklich sehr schön. Es ist ein neues Phänomen und zeigt meiner Meinung nach auch, dass indische Filme schrittweise ihre Spuren außerhalb von Indien hinterlassen, was ein wichtiger Aspekt ist.

FZ:
Denken Sie, Sie werden diesen Job auch in zehn Jahren noch machen?

SRK:
Ich hatte mehr an dreißig Jahre gedacht! Wenn Sie zehn sagen wird mir angst und bange, es könnte so bald zu Ende sein.
Ja, ich könnte ein neues Knie gebrauchen, eine neue Schulter und so, doch man sagt mir, es tauchten immer neue Körperteile auf.
Wie ich immer sage, meine letzte Aufnahme sollte … Und ich liebe die Schauspielerei, soweit ich sie eben begreife … Meine letzte Aufnahme sollte passieren, wenn jemand „Schnitt!“ ruft. Wenn ich schon den Löffel abgeben soll, dann mit einem „Schnitt!“. Und einem „Gut!“, wenn möglich.

FZ:
Bis dahin sind Sie der Bionic Man.

SRK:
Ja, bis dahin schon. Der Iron Man oder doch eher der Titanium Man, da ich Titan in der Wirbelsäule habe. Das ist eine gute Idee!

FZ:

Shah Rukh Khan, danke für Ihre Zeit.

SRK:
Ich danke Ihnen!

 

GPS Web Extra: Ein Filmstar auf der Liste zur Beobachtung von Terroristen?

FZ:
Als wir uns das letzte Mal unterhielten, hatten Sie noch Probleme, in die USA zu gelangen, da Ihr Namensvetter auf einer Liste zur Beobachtung von Terroristen stand. Es schien eine sehr bizarre Situation zu sein, wenn man davon ausgeht, dass Khan ein sehr verbreiteter Name ist.
Was ist da passiert?

SRK:
Es hat sich nun geklärt. Man hat mir mitgeteilt, der Mann sei gefasst oder ausfindig gemacht worden, daher sei er nun nicht mehr auf der Liste, also bin auch ich runter von der Liste. Also ist alles okay.
Ich komme nun hin und kann mich sehr frei in Amerika bewegen. Seitdem war ich drei, vier Mal dort, um mir Universitäten für meine Kinder anzusehen, und war auch für eine Tour dort. Amerika hat mich wieder.

FZ:
Was hat dieses ganze Erlebnis in Ihnen ausgelöst?

SRK:
Es war sehr … Es war einfach sehr unangenehm, irgendwo zu landen und dann zwei, drei Stunden grundlos auf einem Flughafen festzusitzen. Ich reiste dann auch mit leichtem Gepäck, weil ja die Koffer immer geöffnet wurden! Also nahm ich weniger Unterwäsche mit und keine Dinge, die mir peinlich sein könnten.

FZ:
Wissen Sie, es hat mich sehr gewundert, dass Sie scheinbar nie einen Groll gegen das Land hegten. Sie waren immer sehr ruhig.

SRK:
Nun, man muss es im größeren Zusammenhang betrachten. Es ist ein Zeichen der Zeit in der Dinge schiefgehen. Wenn ich von meinem Land Indien ausgehe … Sollte dort, was Gott verhüten möge, ein Problem auftreten, wäre ich der Erste zu sagen, man muss die Sicherheit erhöhen und darf kein Risiko eingehen. Ich würde das tun, wir alle würden das tun.
Ich denke, die Welt ist momentan in einem solchen Zustand, dass man vorsichtig sein muss. Und dafür kann man keinen Groll gegeneinander hegen.
Weil es ein Fakt ist, dass ein kleiner Fehler zu etwas viel Schlimmerem für die Menschheit und für Völker führen könnte. Von daher ist es in Ordnung. Es ist ein Zeichen der Zeit und wir müssen damit leben und auch auf manches vorbereitet sein.

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