Archive for the ‘Videos – Deutsche Transkriptionen’ Category

FAN – Shah Rukh at Madame Tussauds

Posted: April 24, 2016 in 2016

 

Shah Rukh
Bei Madame Tussauds zu sein und ohne Gedränge die eigene Statue ansehen zu können und Fotos zu machen hat schon Spaß gemacht.
Natürlich dreht sich die Szene darum, wie ich meine Statue ansehe und Unfug mit ihr anstelle. Das zu tun und sich über die eigene Statue zu ärgern ist allein schon ein seltsamer, surrealer Höhepunkt. Ja, es ist eine sehr komische Erfahrung.
Ich bin dem Madame Tussauds sehr dankbar, dass man uns die Erlaubnis erteilt hat, das zu tun, denn die Statuen sind wirklich sehr empfindlich und man hat jahrelang an ihnen gearbeitet, also kann man nicht einfach auftauchen und sie kaputt machen.

Nicole Fenner
Wir haben eine lange Geschichte. Das Gebäude von Madame Tussauds besteht schon seit 250 Jahren, was vor ein paar Jahren gefeiert wurde.
Tausende Besucher kommen täglich ins Madame Tussauds London und Shah Rukh ist definitiv einer unserer beliebtesten Bollywood Filmstars. Viele Leute strömen in Scharen herbei, um ein Foto mit ihm zu schießen. Wir freuen uns, vor Jahren mit ihm zusammengearbeitet zu haben und er nun seinen neuesten Film FAN hierher bringt um eine Szene bei uns zu drehen

Maneesh Sharma
Wenn ich mich nicht irre, hat Madame Tussauds London noch nie seine Pforten für einen Filmdreh geöffnet. Glücklicherweise hat man zugestimmt und es war sehr liebenswürdig, dass man uns die Erlaubnis gab. Vor allem, wenn man den Inhalt der Szene bedenkt, in der es ein gewisses Chaos gibt, das wir auf bestimmte Art einfangen mussten. Aber man war so nett die Erlaubnis zu erteilen. Es war für uns alle sehr aufregend, nicht nur bei Madame Tussauds drehen zu dürfen, es hat immer einen bestimmten Charme an einer tatsächlichen Örtlichkeit zu drehen.
Wir hatten das Museum zwei Tage lang ganz für uns. Eigentlich drehten wir nur in einem Bereich, aber jeder ist mal herumgeschlendert, um sich andere Statuen anzusehen, die man toll fand. Ich denke, unser ganzes Team hat Madame Tussauds so gesehen wie es wohl sonst niemand zu sehen bekommt. Das hat großen Spaß gemacht.

Manu Anand
Für Madame Tussauds hatten wir einen sehr strammen Zeitplan, weil wir das Museum erst nach einer bestimmten Uhrzeit für uns hatten und es nach Schließung erst einmal beleuchten mussten. Nach dem Ausleuchten kam natürlich der Dreh, wofür wir nicht wirklich viel Zeit hatten. Maneesh und ich hatten einige Dinge vorgeplant, doch er mag es, mit den Schauspielern zu arbeiten, sie an dem Ort zu sehen, die Proben zu sehen. Und er liebt es, die Schauspieler improvisieren zu lassen, wenn sie etwas bestimmtes machen wollen.

Maneesh Sharma
Das ist eine Sache, bei der man sich sehr glücklich schätzen kann und Demut fühlt, wenn man etwas zu Papier gebracht hat und dann hofft, dass alles klappt. Zum Glück konnten wir alles bewerkstelligen.

Shah Rukh
Wir wuchsen in Delhi auf, zu einer Zeit in der die Familien ins Ausland reisten und vor der Abreise mit Girlanden geschmückt wurden und man vor dem Flughafen betete.
Das liebste Reiseziel meiner Mutter war Madame Tussauds, falls sie mal nach London käme. Es ist ziemlich emotional für mich, ein Teil von Madame Tussauds und seit Kurzem auch des Grevin Museums in Frankreich zu sein. Ich fühle mich sehr geehrt, von Dank erfüllt und gesegnet, dass es dazu gekommen ist.
Und nun mit dir selbst, mit einer nach dir geschaffenen Statue zu drehen ist wirklich ein Höhepunkt.

 

Nie im Leben – Never have I ever

Posted: April 24, 2016 in 2016

 

Bei diesem Spiel können Deine Fans einiges über Dich erfahren, ohne dass Du zu viel preisgibst. Du antwortest einfach mit ‘Doch’ oder ‘Niemals’.
Okay Shah Rukh, erste Frage im Spiel ‘Nie im Leben’:

Nie im Leben habe ich meinen Promistatus ausgenutzt.
‘Niemals’
Ich sehe eben zu gut aus, da geht das auch so.

Nie im Leben war ich wütend auf einen Fan und habe es später bereut.
‘Doch’
Ja, ich denke schon… tut mir leid.

Nie im Leben habe ich die Zahnbürste von jemand anderem benutzt.
‘Doch’
Oh doch, doch, das hab ich.
Bevor Du ein Star warst oder danach?
Oft benutze ich sie aus Versehen, ohne zu wissen, wem die Zahnbürste überhaupt gehört… tut mir echt leid.

Nie im Leben war ich neidisch auf einen Schauspieler, weil er eine Filmrolle ergattert hat.
Niemals’
Wenn ich nicht im Film bin, ist er nicht gut genug.

Nie im Leben wurde ich erwischt, während ich einen Porno ansah.
‘Niemals’
Ich war noch sehr jung, als ich das letzte Mal einen sah, glaube ich. Wir wurden nicht erwischt. Der Titel war Debbie does Dallas, aber das ist sehr lange her, wir waren jung und noch in der Schule. Mich machen Pornos nicht an, ich mag sie nicht mal, sie sind mir zu explizit.

Nie im Leben war ich in eine Schauspielkollegin verknallt.
‘Doch’
Doch, ich bin in sie alle verknallt, ich liebe sie. Ich würde sie alle heiraten.
Hoffentlich sieht Gauri Khan zu…
Ja, es ist keine Schwärmerei, ich liebe sie wirklich.

Nie im Leben bin ich außerhalb eines Films einer Schauspielkollegin näher gekommen.
‘Niemals’
Außerhalb eines Films? Nein.

Nie im Leben wurden mir Handschellen angelegt.
‘Doch’
Oh doch, zweimal. Ich wurde auch mal von Polizisten verprügelt.

Nie im Leben habe ich geschummelt, um ein Spiel zu gewinnen.
‘Niemals’
Das nehme ich sehr ernst. Ich werde echt sauer, wenn jemand bei Spielen schummelt.

Nie im Leben habe ich jemandem eine falsche Handynummer gegeben.
‘Niemals’
Nein, nie. Ich lehne einfach ab. Ich schwindele und sage, ich hätte kein Handy, weil ich mich selbst isoliere und nicht telefoniere. Die Strahlung beeinträchtigt mich und all das…

Nie im Leben bin ich mit einem Kater aufgewacht und konnte mich nicht erinnern, was in der Nacht zuvor passiert ist.
Wenn es passiert ist, dann ‘Doch’?
Ja.
‘Doch’

Nie im Leben habe ich betrunken aus Versehen einen Freund angerufen.
‘Niemals’
Wie denn auch, ich telefoniere ja nicht!

Okay, zu guter Letzt…
Nie im Leben habe ich in einer Talkshow gelogen.
‘Niemals’
Naja, niemand hat mich bisher etwas gefragt, worüber ich hätte lügen müssen. Das traut sich keiner…

 

Shah Rukh becoming Gaurav – Shah Rukh wird zu Gaurav

Maneesh Sharma
Sein Name ist Shah Rukh, was ‘königliches Gesicht’ bedeutet. Nun, eine Doppelgängerversion des Gesichts zu erschaffen, das die Menschen seit 20, 25 Jahren vergöttert und geliebt haben, war eine große Herausforderung.

Shah Rukh
Aus irgendeinem Grund bestand Maneesh darauf, er sollte lockiges Haar haben, kein glattes Haar, doch ich war eisern und sagte Nein, denn ein Fan übernimmt normalerweise zuallererst die Frisur des Stars. Wir haben es immer wieder getestet und dachten, dass er wenigstens anders aussieht als Shah Rukh.

Maneesh Sharma
Gauravs Aussehen war natürlich eine große Aufgabe und jede Menge Forschung floss mit ein. Anfangs, als wir mit Techniktalenten im Ausland Kontakt aufnahmen, wurde uns von einigen sehr erfahrenen Leuten gesagt, es wird nicht realisierbar sein. Es gab einen Punkt an dem wir dachten, es wird nicht möglich sein. Doch die Leute von Red Chillies, Harry und Keitan, stimmten uns zuversichtlich, dass es machbar sei, wir müssten nur weiter herumexperimentieren und viel Forschung und Entwicklung betreiben.

Haresh (Harry) Hingorani
Der Grundgedanke war, das nicht komplett mit computergenerierten visuellen Effekten lösen zu können. Es musste eine Mischung aus Prothesen und Spezialeffekten sein.

Maneesh Sharma
Es war toll, als wir mit Greg (Cannom) in Kontakt kamen. Er nahm die Herausforderung an und meinte, es sei machbar.

Greg Cannom
Es klang nach einer Menge Spaß, doch ich war fassungslos, als ich hörte für wie viele Tage er in der jungen Aufmachung drehen würde. Damals sprach man von 70 Tagen! Normalerweise dreht man in solchen Aufmachungen 10, 15, vielleicht auch mal 20 Tage lang.

Conceptualising Gaurav – Das Entwerfen von Gaurav

Maneesh Sharma
Sämtliche Techniker, Make-Up-Experten und wirklich erfahrene Leute, mit denen wir uns unterhielten, gaben uns die Perspektive, jemanden wirklich jünger erscheinen zu lassen, sei nahezu unmöglich. Man könne jemanden nur älter aussehen lassen.

Shah Rukh
Ich denke, selbst Greg hatte so etwas noch nicht gemacht, niemand hatte das. Es ist das erstes Mal, dass man Prothesen benutzt, um jemanden jünger aussehen zu lassen. Und das Ganze ist unter ungewohnten Umständen und im indischen Wetter noch viel schwieriger.

Keitan Yadav
Jüngere Gesichter sehen gut definiert aus und besitzen eine Fettschicht. Wenn man ältere Bilder von SRK oder uns anderen sieht, erkennt man, dass das Gesicht ein wenig molliger und definiert aussieht. Wird man älter, wird die Fettschicht ungleichmäßig und die Haut verliert ihre gleichmäßige Glätte. Die Herausforderung war es also, dieses gut definierte Gesicht wiederherzustellen.

Shah Rukh
Sie sind vom Alter her verschieden, das ist sehr interessant, und ich weiß noch immer nicht, ob ich jünger aussehen werde als ich bin, also 27. Das ist mein wahres Alter. Ich versuche, im Film wie 15 auszusehen. Hoffentlich funktioniert es.

Maneesh Sharma
Greg musste einen Abdruck von Shah Rukhs Gesicht und vieles mehr anfertigen, auch Formen für alle Teile.
Selbst mit seiner Erfahrung musste er für die Formen eine Menge Forschung und Entwicklung betreiben, manches funktionierte, anderes ging schief.
Ich hatte ihm seine (SRKs) aktuellen Bilder geschickt und auch ältere Bilder. Soweit ich mich erinnere, waren darunter Standbilder aus
Fauji, Dil Dariya, Circus, Deewana und Darr. Ich sagte ihm, das ist der junge Shah Rukh. Also musste er (Gaurav) gleichzeitig ein junger Kerl und eine abgewandelte Ausgabe des jungen Shah Rukh sein.

Greg Cannom
Von Anfang an wollte man, dass er molliger ist. Der erste Versuch allerdings sah irgendwie klumpig aus und es klappte einfach nicht.
Irgendwann saß ich dann in meiner Werkstatt und fragte mich, was in Gottes Namen ich machen soll. Ich ließ den Blick schweifen – ich habe dort all die Kopfabgüsse von Schauspielern – und als ich nach oben sah, blieb ich bei Brad Pitt hängen und dachte „Wow. Er sieht wirklich gut aus, aber sein Kiefer und die unteren Wangen sind sehr ungewöhnlich geformt.“
Also hab ich das für Gaurav ausprobiert und ihm in diesem Bereich Brad Pitts Wangen verpasst.

Shah Rukh
Ich verstehe die Logik dahinter, wenn ich ein Bild sehe, auf dem ich jünger bin. Meine Oberlider sind heute schwerer/ausgeprägter, das bekommt man selbst ja nicht mit. Wir mussten also die Lider wieder nach oben bekommen, ohne dass es manisch aussah, nur so viel, damit die (jugendliche) Unschuld zurückkam ohne ständig selbst die Augenbrauen hochziehen zu müssen.

Prosthetics – Prothetik

Shah Rukh
Ich denke, meine Haupttätigkeit während des Films war es, in einem Sessel zu sitzen… das ist er sogar… einfach in diesem Sessel zu sitzen. Täglich vier bis fünf Stunden in diesem Sessel sitzen.
Das hatte ich noch nie gemacht. Noch nie hatte ich fünf Stunden an einem Fleck gesessen, außer wenn es mir sehr schlecht ging, mit gebrochenen Knochen. Ich habe es gehasst! Doch ich hatte mir selbst versprochen, nicht zornig zu werden.

Greg Cannom
Wir mussten durch mehrere Stufen. Die erste Stufe war ein Vollabdruck, die Tests dauerten vier, fünf Stunden, dann habe ich mit speziellem Klebeband alles in Form geklebt. Danach wurden Gipsabdrücke gemacht, auch von seinem Hals, seiner Nase, weil wir die Form seiner Nase ändern mussten, die nicht wie seine eigene aussehen durfte.
Wir verpassten ihm Gebissprothesen, um die Mundform zu verändern, damit sie zur Kieferform passte. Dann benutzten wir Auffüller für die Augenbrauen, einfach damit seine Brauen voller aussahen. Dazu klebten wir winzig kleine Haarteile in seine Augenbrauen und benutzten feine Kosmetikstifte, was seine Brauen doppelt so dicht machte. Wir versuchten, alles an seinem Gesicht zu verändern, seine Zähne, seine Kieferform, einfach alles.
Es gab immer wieder Tests während der Arbeit und auch Shah Rukh wies auf Verschiedenes hin. Ich hatte z.B. die künstlichen Wangen hier aufgeklebt, wodurch sie Falten warfen, und er und alle anderen wollten die Teile hinter seinen Grübchen haben, die sichtbar bleiben sollten. Also brachte ich ein kleineres Stück entlang der Wangenmitte an, was wir in Filmen eigentlich nicht tun.

Shah Rukh
Wenn man… sorry, dass ich hier von mir selbst in dritter Person spreche… doch wenn man denkt, man sähe aus wie Shah Rukh Khan, dann muss man Grübchen haben. Er (Greg) sagte, er habe eben keine Grübchen, und ich meinte „Nein, dann kann man nicht wie Shah Rukh Khan aussehen“.
Wir sagten, die Grübchen müssen da sein, vielleicht etwas weniger ausgeprägt als seine, also meine.

Greg Cannom
Dann machte ich so was wie ein korrigierendes Make-Up, bei dem ich Verschiedenes hervorhob. Dort, wo er (Shah Rukh) kleine Schatten hat, brachte ich also Highlights ins Spiel, um die Bereiche hervorzuheben. Es war ziemlich verblüffend, wie gut es funktionierte.

Shah Rukh
Der Bereich zwischen dem Silikon und dem echten Gesicht füllt sich mit Schweiß, man hat dort also ein ziemlich komisches, wässriges Gefühl. Wirklich sehr ungewohnt, wie ein Wasserbeutel. Man ist zwar Schauspieler, und soll Stimmungen ausdrücken, aber da ist dieses komische Gefühl auf einer Seite und man will alles herunterreißen.
Außerdem muss man sehr vorsichtig sein, man darf es nicht anfassen, man kann nicht daran herumkratzen. Wenn man es tut, muss man wieder zwei Stunden in die Maske.
Täglich vier Stunden lang Prothesen und Silikon auf das Gesicht geklebt zu bekommen ist die absolut lästigste Sache der Welt. Auch wenn das Ergebnis fantastisch aussieht, sträubt man sich innerlich dagegen.

VFX – Spezialeffekte

Harry Hingorani
Maneeshs Ausgangspunkt war, dass Gaurav aus bestimmten Blickwinkeln wie Aryan Khanna aussehen sollte, das war ganz klar.

Keitan Yadav/Harry Hingorani
Sobald die Idee geboren war, Shah Rukhs kultige Nase kleiner zu machen, waren Silikonprothesen raus, weil man mit Prothesen oder Make-Up nur etwas hinzufügen kann, man kann nichts wegnehmen. Das also musste am Computer erledigt werden.
Wir mussten die Bereiche auffüllen, bei denen wir das Gefühl hatten, sie seien nicht gut genug definiert. Seine Augenbrauen wurden begradigt, damit er anders aussieht. Der Abstand zwischen Nase und Amorbogen wurde etwas vergrößert, ebenso die Augen. Die Kinnpartie wurde betont.
Der Unterschied zwischen Silikonprothesen und echter Haut wurde entfernt und verschmolzen, wir mussten Bartstoppeln einfügen, wenn es erforderlich war. Gesichtsausdrücke mussten angepasst werden, die Lippen mussten verändert werden. Die Muskeln am Hals und der Adamsapfel mussten abgeschwächt werden.
Wenn man uns fragt, was der schwierigste Teil des ganzen Aufbaus von Gaurav war, dann war es der, die Nase richtig hinzubekommen.
Sobald man beide zusammen sieht, bemerkt man sofort, dass Gauravs Nase anders ist.

Maneesh Sharma
Als wir einen ersten Test für Shah Rukh mit den Prothesen machten und einiges Bildmaterial drehten, kamen wir auf die Idee, wie es wäre, ihn ein wenig zu verkleinern.

Keitan Yadav
Tatsächlich haben wir seine Schultern verschmälert und korrigiert, seine Brustmuskulatur abgemildert. Es ist also nicht einfach nur, als hätte man ihn als 2D-Zeichnung um 5 Zentimeter geschrumpft.

Harry Hingorani
Wenn man sich einen Fünfzigjährigen und einen Zwanzigjährigen ansieht, die körperlichen Veränderungen, bemerkt man, dass der Körper wächst. Beim Gesicht… ich meine, wenn man das zwanzigjährige Gesicht von jemandem mit dessen fünfzigjährigen Gesicht vergleicht, sieht man, dass das Gesicht mit der Zeit größer wird. Die Person ist zwar schlanker, doch das Gesicht wächst.
Jetzt sieht man, dass Aryans Gesicht um einiges größer ist im Vergleich zu Gauravs. Das war die Hauptsache, wir mussten sein Gesicht verkleinern, um ihn jünger aussehen zu lassen.
Da wir seinen Körper in jeder Szene schrumpfen mussten, mussten wir seinen kompletten Körper scannen. Dafür braucht man Beratungen, inwieweit man scannen muss, weil man aus jeder Einstellung 5 Zentimeter herausrechnen muss. Aus diesem Grund mussten auch all seine Kostüme usw. gescannt werden.

Maneesh Sharma
Ich will nicht sagen, ich hätte nicht gewusst, was ich wollte, aber ich wollte die Balance finden, dass er wie er aussah, aber irgendwie doch nicht. Wie ein Doppelgänger eben. Bei vielen Dingen muss die Ähnlichkeit erhalten bleiben und doch der Gedanke möglich sein, dass er nicht er ist.
Hierbei will ich gar nicht erst von Shah Rukhs Geduldspegel anfangen. Es verlangt einem viel ab und ist ein ziemlich zermürbender Prozess. Nicht nur, dass man vier Stunden in der Maske sitzt, sondern auch mit dem Make-Up schauspielt.

Shah Rukh
Wenn ich eine Szene als Gaurav spiele, weiß ich nicht, ob es funktioniert oder nicht, weil ich nicht spüre, was ich tue. Als Schauspieler mit 25 Jahren Erfahrung weiß ich oft, wie ich aussehe, wenn ich dies oder das tue, man kennt das eigene Gesicht. Bei Gaurav hatte ich keine Ahnung, ich wusste nicht, ob es richtig oder falsch war, also überließ ich es allen anderen, darüber zu entscheiden, ob es eine gute Aufnahme war oder nicht.

Maneesh Sharma
Wir hatten große Sorge, wie wir alles bei einem solchen Einsatz von Prothesen und einem Film mit so vielen Gefühlsäußerungen eines einzelnen Schauspielers durchziehen können. Aber ich denke, durch die ganze technische Unterstützung haben wir das Gewollte erreicht.
Zum ersten Mal überhaupt wurde diese Art von Technologie angewandt und das wohl recht erfolgreich.

Keitan Yadav
Das Auffälligste ist natürlich das Gesicht, so etwas wurde vorher noch nie erreicht. Nicht in diesem Ausmaß, durch den ganzen Film hindurch. In reguliertem Licht, sind ein bis zwei Minuten, vielleicht ein, zwei Szenen möglich, in denen nicht viel Bewegung herrscht. Man kann mit dem Licht tricksen, mit Gesichtsausdrücken, mit Kleidung und alldem, dann ist es in diesem Rahmen möglich. Doch für anderthalb Stunden, einen ganzen Film, in welchem der Hauptdarsteller tanzt, springt, weint, kämpft, rennt, bösartig wird usw., wurde das noch nie zuvor gemacht.

Greg Cannom
Er (Shah Rukh) half eine Menge beim Make-Up-Design, er hatte tolle Ideen.
Inzwischen scherzen wir viel miteinander. Zum Beispiel sagte ich mal „Shah Rukh, Du bist mein zweitliebster Schauspieler.“ „Ach, wer ist auf Platz eins?“ „Alle anderen.“, so was eben.
Vor Kurzem habe ich einen Ausschnitt vom Anfang des Films gesehen und ich bin fassungslos, wie gut es aussieht. Ich hätte nie gedacht, dass es dermaßen gut aussehen würde.

Shah Rukh
Ich denke, in der Nacht bevor der erste Ausschnitt veröffentlicht wurde, konnte niemand von uns schlafen. Wir hofften, dass am Morgen keiner sagt, „Er sieht aus wie immer. Da ist ja gar nichts anders!“.
Aber das größte Kompliment haben wir von der Mutter von jemandem aus dem Effekte-Team bekommen. Man hatte ihr den Ausschnitt wohl in der Nacht zuvor gezeigt und sie meinte „Ihr habt tolle Arbeit geleistet und sogar einen klasse Doppelgänger für Shah Rukh gefunden!“

Ansage
Für Gaurav ist der Film vorbei!

Maneesh Sharma
Und, wie fühlst Du Dich jetzt?

Shah Rukh
Großartig!

Maneesh Sharma
Gute Arbeit, Gaurav.

Ansage
Okay Leute, noch mal einen Riesenapplaus für Greg Cannom. Auch für Greg ist der Film beendet!

Shah Rukh
Trotz Dir haben wir gute Arbeit geleistet, was Greg?

THiNK Fest 2012 – November 2012

Posted: February 26, 2016 in 2012

 

Shah Rukh:
Danke, vielen Dank allerseits.
Ich habe schon für viele Rollen vorgesprochen, doch als das Vorsprechen für THiNK stattfand, wurde ich sofort von Shoma durchgewunken, als ich sagte „Hier kommt Mohabbat Man“ (aus Om Shanti Om). Von wegen „Dieser Kerl ist schlau, den müssen wir für THiNK haben.“
Danke Shoma, Tarun, Nina, und allen, die hierin involviert sind.
Jap, das war’s.

Bevor ich also loslege, muss ich sagen, dass mir von meinem ältesten Freund Sanjoy gesagt wurde, dies sei eine intelligente Versammlung …

Shoma:
Du hast Dich tatsächlich darauf vorbereitet! Ich war fassungslos, als mich Shah Rukhs Kollege anrief und sagte, Shah Rukh wisse gern, worüber wir reden wollten und ob es irgendwelche Fragen gäbe. Und ich so „Äh, seit wann will Shah Rukh vorab Fragen wissen?!“

Shah Rukh:
Ja, ich bin vorsichtig geworden, denn Du weißt nie, was man über Dich schreiben wird. Jetzt fürchte ich mich ein wenig davor was ich sage, daher habe ich vorab etwas geschrieben. Ist es in Ordnung, wenn ich es vorlese oder … ?

Shoma:
Ja, aber können wir zuerst das Gespräch führen? Hast Du Dein Buch mitgebracht? Ich wollte einfach …

Shah Rukh:
Deshalb gehe ich nirgends hin, wo Stars weniger zu sagen haben als die Moderatoren, also wirklich Shoma …
Nun bin ich aber schon mal da, also gebe ich Dir die Erlaubnis, okay?

Shoma:
Als ich Dich bat, hierher zu kommen, sagte ich Dir, ich möchte unserem Publikum das einzigartige Erlebnis bieten, etwas darüber zu erfahren, dass Shah Rukh dabei ist seine Autobiografie, seine Memoiren zu schreiben. Vor etwa zwei Jahren trafen wir uns und er teilte einige Ausschnitte daraus mit mir, welche unheimlich bewegend waren. Es waren Aspekte von Shah Rukh, die man nicht wirklich oft zu sehen bekommt.
Und dies soll das Grundgerüst des heutigen Abends sein: Die private und öffentliche Reise dieses Traumfängers.
So würde ich gerne in das Gespräch mit Dir einsteigen Shah Rukh.
Der Teil, den ich las, handelte von Deinen Eltern. Beide hatten großen Einfluss darauf, was aus Dir geworden ist. Trotzdem waren die beiden sehr unterschiedliche Menschen. Dein Vater war ein Freiheitskämpfer, ein Idealist, ein sehr versierter und doch armer Mann, Deine Mutter war mehr Pragmatikerin.
Kannst Du uns erklären, was sie für Dein Leben bedeuteten und wie sie Dich auf unterschiedliche Weise beeinflussten?

Shah Rukh:
Ja, mein Vater… Im Buch… an dem ich noch immer schreibe, obwohl ich damit anfing, als ich nach 4, 5 Jahren begann zu glauben, ich könnte mich 10 Jahre in der Filmbranche halten. Also schrieb ich ein Buch mit dem Titel Twenty Years of a Decade (Zwanzig Jahre eines Jahrzehnts), weil ich das Gefühl hatte, 20 Jahre in 10 gezwängt zu haben. Ich bin ein wenig langsam dabei und habe es noch immer nicht abgeschlossen. Nun arbeite ich seit 22 Jahren und das Buch ist nicht komplett …
Der Teil des Buches, den ich Shoma zu lesen gab, behandelt die innige Enthüllung, dass ich denke, mein Vater sei der erfolgreichste Fehlschlag der Welt.
Und ich bin sehr, sehr stolz auf ihn.

Ich erinnere mich an ihn als einen sehr sanftmütigen Menschen, über 1,80m groß, sehr paschtunische Erscheinung, mit grauen Augen, braunem Haar, sehr gutaussehend. Auch an unsere erste gemeinsame Reise nach Peschawar erinnere ich mich. Wisst ihr, die ganze Familie war um 1,90m groß, sehr hellhäutig, sehr schön. Die Familie traf mich, als ich etwa 14 war. Alle sahen mich an und sagten „Ts ts ts, was ist das denn? Das ist aber ein winziger Paschtune!“ Die Art von Paschtune bin ich.
Er lehrte mich vieles.
Er starb, als ich 15 war, und während die Jahre vergehen, erinnere ich mich an Dinge, die er mir erzählt hat.
Einmal nahm er mich mit, um einen Film zu schauen, ohne mir zu sagen, dass wir fast kein Geld mehr hatten. Finanziell lebten wir in der unteren Mittelschicht, hatten dafür also kein Geld. Wir fuhren mit Bussen durch Delhi, und da wir fast pleite waren, kaufte er uns Mumfali, setzte sich mit mir neben einen Kreisverkehr und sagte „Mein Junge, es hat etwas sehr Schönes, die Autos zu beobachten.“

Meine Mutter, die aus Hyderabad stammte, und, pragmatischer war, gesprächiger und lauter, meinte nur, was ihm einfiele, mir etwas zu versprechen, was sie sich nicht leisten könnten.
Nachdem er gestorben war, widmete sie ihr Leben völlig uns.
Die Essenz meiner Eltern war, dass sie nicht wussten, was später aus uns werden würde. Mein Vater war nichtpraktizierender Jurist, denn er sagte, er könne nicht lügen. Sorry, wenn heute Anwälte hier sind …
Er war der jüngste Freiheitskämpfer dieses Landes, meine Mutter war richterliche Beamtin, voller Tatkraft und Enthusiasmus.
Nach seinem Tod folgte sie weiter seinem Traum, uns Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen, denn eine gute Bildung führe zu einem guten Leben.
Ich habe natürlich meine ganze Bildung verschwendet, habe zuerst Wissenschaften studiert, Ökonomie und dann noch meinen Master in Massenkommunikation gemacht, nur um ein Filmstar zu werden! Die Abschlüsse sind wenig hilfreich wenn man Chammak Challo tanzt.

Das ist also meine Erinnerung an die beiden. Ich denke, ich habe die Angst vor dem Versagen von ihm übernommen, welche ich ihn oft habe durchmachen sehen. Ich wollte nicht wie er scheitern. Wenn ich meinem Sohn verspräche, einen Film zu sehen, wollte ich mit ihm einen Film sehen und nicht die Autos im Kreisverkehr. Und doch war auch das toll.
Von meiner Mutter habe ich die Energie und den Enthusiasmus, den sie an den Tag legte, um Geld zu verdienen, damit sie sich um uns kümmern und uns Bildung verschaffen konnte.

Sie beide starben als sie zwischen 49 und 50 Jahren alt waren … Vorgestern bin ich 47 geworden, der Gedanke daran ist daher ein wenig furchterregend …
Ich denke, dies alles macht mich zu einem pragmatischen, praktischen Poeten, zu einem sehr kommerziellen Dichter, zu jemandem, der meines Vaters Träume hat, so sanftmütig ist wie ich … ungeachtet des Vorfalls mit dem Cricket Verband Mumbai (MCA) …

Shoma:
Darauf kommen wir noch zurück!

Shah Rukh:
Ja ja, okay.
Nun, ich bin gläubig, ein wenig idealistisch, utopisch, nachdenklich und sanftmütig wie mein Vater.
Doch ich möchte diese Dinge denken, all diese Gedichte schreiben, und zugleich genug zu Essen, ein gutes Auto und ein schönes Haus haben. Ich mache mich also weder über mich selbst lustig, noch missbillige ich mein Leben, wenn ich sage, in gewisser Weise Kapitalist zu sein. Ich bin einfach nur ein Überlebenskünstler, der ein gutes Leben und gute Gedanken haben möchte. Meiner Meinung nach sollten alle jungen Leute daran glauben. Wenn man eines davon isoliert … Ich habe viele Redner hier über ihre großartige Arbeit sprechen hören, alle hochgebildet und beruflich in hohen Positionen, die alles hinter sich lassen, um sich einer guten Sache zuzuwenden, die ihnen viel bedeutet. Ich würde so etwas gerne tun, doch um ehrlich zu sein, möchte ich dies mit dem Geld tun, welches ich mit diesem kapitalistischen, ungeschönt geschäftsmäßigen Job verdiene, dem ich nachgehe.
Die Dinge, die meine Mutter und mein Vater vorgelebt haben, habe ich übernommen, und ich vermisse sie noch immer sehr.

Shoma:
Shah Rukh, Dein Vater hat damals hinter der Nationalen Schauspielschule eine Teeküche geführt und ihr wurdet einmal aus eurem Haus geworfen, weil ihr die Miete nicht bezahlen konntet …

Shah Rukh:
Erzählst Du hier jetzt alles über mich? Ist das eine verdeckte Ermittlung, ja?!

Shoma:
Die Sachen hast Du mir erzählt, und das ohne irgendwelche Verschwiegenheitsklauseln …
Ich frage Dich all dies, weil es sehr dazu beitrug, welcher Mensch aus Dir wurde. Manches davon erkennt man auch in den Tweets, die Du um 3, 4 Uhr morgens schreibst, und nicht, wenn man Dich auf der Bühne oder der Leinwand sieht.
Vor einigen Jahren sagtest Du in einem Interview, dass Deine Mutter unter schwierigen Umständen verstarb und Deine Schwester ebenfalls eine tägliche Erinnerung daran sei, dass Du nicht das Leben führen kannst, das Deine Mutter und Dein Vater führten. Kannst Du das, was tatsächlich passierte, mit uns teilen, denn vieles davon spielte für Dich eine Rolle, zu dem Superstar zu werden, der Du bist.

Shah Rukh:
Ja, mein Vater starb an Kehlkopf- und Leberkrebs. Angefangen hatte es mit Kehlkopfkrebs und ich erinnere mich an seine letzten Tage. Er konnte nicht sprechen, also unterhielten wir uns pantomimisch. Erst schrieb er Dinge auf, dann ging das nicht mehr, also gab er uns Zeichen … Ruf an … kleine/n … Bruder oder Schwester.
Das war im All India Institute of Medical Sciences.
Und wie jeder Vater liebte er seine Tochter. Sie war wunderschön. Jeder meinte, sie sähe aus wie Jane Fonda … Meine ganze Familie ist wunderschön. Nur damit ihr’s wisst …

Kurz bevor mein Vater starb, ging es ihm besser. Eines Nachts kam er wieder ins Krankenhaus und dann war er tot und kalt. Seine Füße waren sehr kalt. Ich berührte seine Füße und er sah sehr friedvoll aus, aber gar nicht mehr wie der hübsche Paschtune, der er gewesen war, er war abgemagert.
Ich war 15 und hatte noch nie ein Auto gefahren. Meine Mutter und ich setzten uns in unser Auto, das unser Fahrer nach langem Warten am Straßenrand hatte stehen lassen, und ich fuhr einfach nach Hause. Als wir zu Hause ankamen sagte sie „Wann hast Du denn Autofahren gelernt?“ und ich antwortete „Gerade eben.“
Meine Schwester war auf dem Lady Shri Ram College und wir hatten ihr nicht gesagt, dass Vater verstorben war.
Ich erinnere mich daran, sie abgeholt zu haben … Und weil ich ein Seelen-verkaufender, nach Gewinn strebender Schauspieler bin, werde ich auch dies eines Tages schamlos in einem Film verwenden … 99% der Dinge, ich so schamlos in Filmen verwende, sind Erfahrungen, die mir viel bedeuten, und irgendwie lehrte mich das Leben, dass es in Ordnung ist, meine innigsten Gefühle gewinnbringend vorzuführen. Nicht, um damit Geld zu machen, es ist einfach okay. Es ist ein Leben.
Also werde ich auch dies verwenden …

Ich erinnere mich, wie meine Schwester vor der aufgebahrten Leiche unseres Vaters stand, sie einfach nur anstarrte. Sie weinte nicht, sie sagte nichts, sie fiel einfach um und schlug mit dem Kopf am Boden auf. Die folgenden zwei Jahre weinte und sprach sie nicht, sie starrte einfach vor sich hin. Es veränderte unser Leben.
Gott sei Dank geht es ihr nun besser, doch noch immer hat sie in paar Probleme.
Während der Dreharbeiten zu Dilwale Dulhania Le Jayenge kam sie wieder ins Krankenhaus und man sagte mir, sie würde nicht überleben. Also nahm ich sie mit in die Schweiz und ließ sie dort behandeln, während wir Tujhe Dekha To Yeh Jana Sanam drehten.
Doch sie ist nie völlig genesen, hat nie den Tod ihres Vaters verwunden, die Plötzlichkeit seines Todes. Und dies verschlimmerte sich dann, weil unsere Mutter zehn Jahre später verstarb. Wir sind also, wie man es bei Moslems nennt, Vater- und Mutterlos.
Wenn ich an sie zurückdenke, vor allem in der Zeit zwischen dem Tod meines Vaters und dem meiner Mutter, erlangte sie eine hohe Bildung, sie machte ihren Abschluss, sie war sehr intelligent, wie meine Eltern es sich auch für sie gewünscht hatten.
Doch sie konnte sich der Realität, ihre Eltern zu verlieren, nicht stellen.

Und ich habe irgendwie diesen Sinn für Abstand entwickelt, diesen Sinn für falsche Angeberei, welche ich in der Öffentlichkeit zeige, sowie einen Sinn für Humor. Und viele Dinge, von denen die Leute glauben, sie seien übertrieben und sehr bollywoodmäßig, tue ich, um die Traurigkeit zu verstecken, die mein Leben beeinflusst, und nicht wie meine Schwester zu werden.
Ich liebe meine Schwester genauso wie sie ist. Sie ist ein viel besserer Mensch als ich es je sein könnte. Ich denke, sie ist ein Kind Gottes und sehr naiv und unschuldig. Meine Kinder lieben sie mehr als mich und meine Frau, und ich bin froh, dass sie auf diese Weise Teil unseres Lebens ist.
Aber ich habe nicht den Mut, so arglos, so verletzt, so verstört zu sein. Daher arbeitet ein Teil von mir rund um die Uhr, bleibt trotz vieler Dinge, die über mich gesagt werden, fröhlich, oder scherzt über die Dinge, die ich tue und tut sie trotzdem. Denn täte ich das nicht, wäre ich im selben depressiven Zustand.
Um dieser Depression aus dem Weg zu gehen, schauspielere ich. Es ist so viel mehr als nur das Geldverdienen, ein großer Star zu sein, Werbung zu machen oder auf Hochzeiten zu tanzen, worüber ich Witze mache, und das ist die nüchterne Wahrheit.
Ich denke, das war gerade das Ehrlichste, was ich je im Leben zu jemandem gesagt habe.

Shoma:
Würdest Du, ehe wir diese zentralen Vorfälle Deines Lebens hinter uns lassen, die Dich weiterhin verfolgen, den Ausschnitt über den Tod deines Vaters mit dem Publikum teilen? Hast Du ihn dabei?

Shah Rukh:
Sorry, ich habe ihn auf meinem Laptop. Ich habe versucht, einiges auszudrucken, aber technologisch sind wir noch immer ein wenig herausgefordert.

Shoma:
Das letzte Mal hattest Du ihn auf Deinem Kindle …

Shah Rukh:
Ja, ich bitte darum, mir meinen Laptop herzubringen. Dauert nur einen Moment …

Shoma:
Wir kommen darauf zurück.

Shah Rukh:
Hab ich’s mit meiner Desorganisation jetzt total verbockt?

Shoma:
Nein!

Shah Rukh:
Ah, da kommt er schon … Okay, das ist sehr klein, aber ich versuch’s.
Dieses Kapitel trägt den Titel Der Zug nach Pakistan.

Endlich begriff ich, dass das Leben kein Test mit Zeitvorgabe ist, dessen Ziel aus einer Liste von ‘Sollte, Könnte, Würde’ besteht, die am 01. Januar vorliegt und komplett richtig ausgefüllt als perfekt angesehen werden kann.

Ich habe Zitate von anderen aufgenommen, mit denen ich meine Kapitel beginne. Das ganze Kapitel werde ich nicht vorlesen, das würde euch nur langweilen, aber ich lese den Abschnitt, in dem mein Vater mich nach Peschawar mitnahm. Wir reisten immer über Amritsar, liefen von dort bis nach Lahore, wo ich auch einen Film namens Veer Zaara gedreht habe. Das brachte viele Erinnerungen zurück und ich weinte dort, weil ich auch mit meinem Vater dort gewesen war.
Ich lese euch den letzten Teil vor, in dem mein Vater mich zum zweiten Mal mitnahm. Jedes Mal erzählte mir mein Vater viele Geschichten darüber, wie wunderschön seine Heimatstadt gewesen war.
Zur Zeit meiner Geburt hatte mein Vater geschäftlich kein leichtes Leben. Meine Mutter, wie Ehefrauen eben manchmal sind, hatte öfter was daran auszusetzen. Daher musste er wohl seine Vergangenheit besuchen, um mir erzählen zu können, wie schön es gewesen war, und er nahm mich zwei Mal mit nach Peschawar. Dies ist der zweite Besuch in 1980, von dem ich den letzten Teil vorlese.

1980 brachte mich mein Vater nochmals nach Peschawar. Auch das zweite Mal sollte ebenso spannend werden. Doch ohne dass ich es bemerkte, ging etwas anderes direkt vor meiner Nase vor sich. Ein Freund meines Vaters sagte mir, all diese Nettigkeit meiner Verwandten hätte nur den Zweck, meinen Vater dazu zu bewegen, seinen Besitzanteil auf sie zu übertragen.
Noch immer glaube ich einfach nicht, dass das wahr ist. Doch mein Vater schien entmutigt, als wir nach Indien zurückkehrten. Er war immer sehr stolz auf seine Familie und deren Errungenschaften gewesen, doch im Nachhinein denke ich, das Wiedersehen mit seiner Familie war nicht so gut gelaufen, wie er es sich vorher ausgemalt hatte.

Er war ein sehr liebevoller und sanftmütiger Mensch, der uns niemals angeschrien oder gescholten hatte. Seine Heimat hatte er mit 16 verlassen und dann verzweifelt versucht, in Indien etwas auf die Beine zu stellen. Ich denke, dass er manchmal, wenn er das Gefühl hatte, seine Pflichten gegenüber seiner Familie in Indien nicht erfüllt zu haben, Mut darin fand, dass seine Familie in Pakistan ihn gut erzogen hatte und er wieder aufstehen würde. Vielleicht war seine Heimreise ein Versuch, diese Entschlossenheit aufzufrischen, und er nahm seinen kleinen Sohn mit, um ihm seine Abstammung zu zeigen.
Ich denke, es war wie das Wiederaufsuchen seiner Vergangenheit, um sie seiner Zukunft einzugeben. So wie man seine Schritte zurückverfolgt, wenn man sich verirrt hat, um herauszufinden wo man falsch abgebogen ist.
Aber die Vergangenheit hatte sich mit der Zeit verändert. Für ihn war es nicht die gleiche. Die Erinnerung an all die Anekdoten und guten Zeiten, die er über die Jahre gesammelt hatte, schien durch das Gezänk und den Streit um etwas so Kleinliches wie die Überschreibung seiner Besitzanteile befleckt.
Mitgenommen hatte er seinen Sohn, um ihm seine stolze Vergangenheit zu zeigen, doch die Vergangenheit war nicht da. Und was davon übrig war, war nichts, worauf man hätte stolz sein können.
Anstatt zu erkennen, wo er falsch abgebogen war, wurde ihm klar, dass der Beginn an sich ein Fehler war. Er war zu weit gegangen, um von vorne anzufangen. Keine Seite schien ihm zu gehören. Er befand sich im Niemandsland. Ich erinnere mich daran, dass er weinte, als wir das Niemandsland zwischen Pakistan und Indien durchquerten, und ich hatte Mitleid mit ihm.
Wie wenig ich damals ahnte, dass ich bald nach unserer Rückkehr anfangen sollte, Mitleid mit mir selbst zu haben.
Mein Vater begann zu sterben.

Das passierte im Niemandsland zwischen Indien und Pakistan, und er sagte etwas zu mir … Ja, ich weiß, es gibt einige verwirrende Diskussionen über Indien und Pakistan und ich kann damit leben, wenn dies zu irgendeiner Art von Kontroverse führt …

Er erzählte mir, dass das Essen besser sei, Freundschaft und Liebe größer seien und, aus irgendeinem Grund, der Bambus in Peschawar besser sei. Ich habe nie herausgefunden ob das stimmt.
Aber man glaubt dem eigenen Vater was immer er sagt, also werde ich mich bis zu meinem Todestag daran erinnern, dass der beste Bambus aus Peschawar kommt.
Ich erinnere mich, dass er durch das Niemandsland lief und zu weinen begann, und ihr wisst ja, für ein vierzehn-jähriges Kind ist es eine Megasache, seinen Vater weinen zu sehen.
Ich sagte „Aber es war sehr schön. Dein Land.“ Und er antwortete „Eigentlich fühle ich mich, als wäre weder das eine noch das andere mein Land. Dies ist mein Land.“ Das Niemandsland also, welches er durchquerte. Er spürte, er hatte es hier nicht zum Erfolg gebracht und auch seine Vergangenheit sei wohl nicht gut genug, um seinem Sohn das Vorbild zu sein, das er sein wollte.

Dieser Besuch, so glaube ich … Nicht wegen seiner Cousins und Brüder, das wäre eine kindliche Sichtweise … Ich glaube, es hat ihn völlig fertig gemacht, dass beides ihn nicht weiterbrachte, weder das Vergangene noch das Zukünftige. An diesem Tag, als wir zurückliefen, starb er wohl, denn er verstarb etwa drei Monate danach. Wir kamen nach Hause und er wurde krank.
Trotz all der Leute, die mir aus politischen Gründen nahelegen, nicht nach Pakistan zu gehen, habe ich andere Gründe die ein wenig persönlicher sind.

Shoma:
Danke, dass Du das mit uns geteilt hast, Shah Rukh.
Wir werden uns einigen der frühen Jahre nochmals zuwenden, aber da gab es einen weiteren, interessanten Abschnitt in Deinem Leben. Der Kerl, der Du in Delhi warst und der Mann zu dem Du in Mumbai wurdest sind zwei sehr verschiedene Menschen. Kannst Du uns erzählen, welche Art von Student Du warst und wie Du Dich zum Superstar entwickelt hast?

Shah Rukh:
Nein, ich war schon immer so, sehr elegant, immer im Dolce & Gabbana Anzug und äußerst gebildet. St. Stephens wollte, dass ich bei Ihnen studiere, aber ich sagte „Pfff, nein!“
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich habe keine Ahnung, wie viele der Leute auf dem THiNK Fest aus Delhi kommen, die würden das verstehen.
Sind viele aus Delhi hier?

Okay … Ich bin ein Junge aus Delhi, habe also viel von Delhi in mir. Ich bin, und das ist nett gemeint, ein Delhi-Rowdy. (Gibt einige Machosprüche aus Delhi zum Besten.) So einer war ich, so wuchs ich auf, dann war ich auch noch in einer irischen Schule, befand mich also im Zwiespalt. Auf der einen Seite sprach man sehr hochgestochen, musste sich korrekt benehmen, morgens sagten wir das Morgengebet … „Und Ihre Schuhe glänzen nicht, Mr. Khan!“ … Selbst damals wurde ich schon Mr. Khan genannt. Tatsächlich wurde ich Mr. Shah genannt, weil wir bis man 18 ist, den Nachnamen weglassen. Daher war mein Name Shah Rukh und meine irischen Brüder dachten, mein Nachname sei entweder Shah oder Rukh. Deshalb „Mr. Shah!“ Für einen Teil meiner Jugend war ich also Gujarati.
Ich habe Hockey gespielt und in Delhi kämpft eben jeder für seine Rechte … auf nette Art.

So wuchs ich auf und als ich nach Mumbai kam geriet ich in eine Menge Streitigkeiten, ich verstand einfach diesen Berühmtheits-Krempel nicht. Ich komme aus Delhi, da muss sich jeder gut benehmen. Das tue ich auch und bin sehr höflich, weil ich eben so erzogen wurde, nicht zuletzt in St. Columba’s. Also habe ich gute Manieren und verstand damals die Unverschämtheiten nicht.
Ich erinnere mich, dass ich gerade in Mumbai angekommen war und eine Zeitschrift setzte mich auf ihr Cover mit der Schlagzeile, dass ich … wie sagt man das anständig hier bei THiNK? … naja, dass es zwischen mir und einer Schauspielkollegin zu körperlichen Handlungen gekommen sei. Und das stimmte nicht!

Shoma:
Sooo anständig musst Du nicht werden …

Shah Rukh:
Okay … dann eben dass ich ihr das Hirn rausgevögelt hätte.
Ich bitte meine irische Schule um Verzeihung.
Das ist dieser Delhi-Rowdy-Teil.
Sie hatten es geschrieben und ich verstand es nicht. Ich war frisch verheiratet. Meine Frau hatte ich kennengelernt, als sie 14 war und als wir heirateten war sie 22. Sie war sehr beunruhigt, als ich beschloss Schauspieler zu werden, weil man allerlei Dinge über die indische Filmbranche hörte und darüber, was Schauspieler eben so trieben abgesehen vom Filmdreh.
Und da kam dieser Artikel raus! Ich konnte nur beteuern, dass das alles nicht stimmte. Also rief ich die Herausgeberin an und wollte wissen, warum sie so etwas geschrieben hatten. Sie meinte „Shah Rukh, es ist ein Scherz.“
„Aha, ein Scherz! Ist aber nicht witzig! Lady, hören Sie mich etwa lachen?!“
Natürlich brach dabei der Delhi-Rowdy durch … Das Ganze war wohl nicht ihr Fehler, doch ich glaube sie verstand nicht, was ich da von mir gab, weil ich in Delhi-Sprache loslegte.
Damals geriet ich oft in Schlägereien, ich habe Leute verprügelt und habe einige richtig üble Dinge getan, was für Delhiites vollkommen natürlich ist. Sie wissen halt nicht, dass es in anderen Teilen des Landes als übel erachtet wird.
Eingesperrt wurde ich auch.

Mein Schwiegervater hatte mir, wie es bei Punjabi-Hochzeiten üblich ist, ein Schwert geschenkt, als ich meine Frau Gauri heiratete. Dieses Schwert habe ich zum Haus des Reporters mitgenommen …

Shoma:
Jetzt übertreibst Du aber …

Shah Rukh:
Nein, mein Schwiegervater – ein Armeeoffizier – hatte mir gesagt „Sohn, beschütze immer meine Tochter!“
Niemand hatte etwas über seine Tochter gesagt, aber ich dachte, es sei eine gute Waffe und sie ist von der indischen Armee, also ging ich so zu diesem Reporter hin.
Es war ein junger Mann, der inzwischen nach Vancouver gezogen ist. Nun, da ich ein Gentleman bin rede ich auch wieder mit ihm.

Er saß da, in seinen Shorts, Kollegen und Familie um ihn versammelt, und ich nahm das Schwert – eigentlich ein Kukri (schweres Messer), nicht mal ein Schwert – ich nahm das Kukri und steckte es zwischen seine Beine … Keine Ahnung, warum ich das tat. Aus heutiger Sicht war ich ein solcher Idiot …
Ich sah seine Eltern an und sagte so etwas wie „Ich schlitze ihn auf!“ und dieses alte Pärchen saß einfach da und verstand nicht was vor sich ging. Sie sahen ihn an als wollten sie sagen „All diese Leute sind zum Abendessen auf einen Plausch gekommen. Warum führt sich dieser Herr so auf, Sohn? Und warum tut er dies mit einem Schwert zwischen deinen Beinen?“
Das brachte mir große Schwierigkeiten. Ich denke, ich habe mein Delhi-Ding durchgezogen und das gleiche Vokabular wie bei der MCA-Sache benutzt … „Ich werde Dich lebendig begraben!“ und so weiter … Dann zog ich von dannen und dachte ich hätte gewonnen. Am nächsten Tag, an dem ich für einen meiner Lieblingsfilme Kabhi Haan Kabhi Naa eine komische Mafioso-Szene drehte, tauchten sehr nette Polizisten auf. Sie sprachen mit mir, machten Fotos mit mir, und meinten dann, ich müsste zur Vernehmung auf die Wache kommen.

Meine Mutter war, wie gesagt, richterliche Beamtin, und damals in Delhi war ich oft im Gefängnis. So was funktionierte in Delhi, man konnte einfach anrufen und sagen „Meine Mama ist Beamtin!“ Bei einigen Prügeleien holte meine Mutter mich aus dem Knast.
Nun war sie nicht mehr am Leben, man nahm mich nach 18 Uhr mit auf die Wache, und um die Uhrzeit kommt man nicht mehr auf Kaution raus.
Ich erinnere mich an Inspektor Khan, einen echten Gentleman. Damals ging ich also in sein Büro … Da war der Stuhl, ich stand hier und stolzierte rüber – so ging man eben in Delhi – und wollte mich gerade setzen und fragen was los sei, als er mich anblaffte „Bleib gefälligst stehen!“
Mir schoss nur durch den Kopf „Und gerade heute ist meine Mama nicht mehr da.“
Er steckte mich also für eine Nacht hinter Gitter und erlaubte mir den einen Anruf. In dem Moment begriff ich, dass ich zum Hindifilm-Helden geboren bin, denn anstatt meine Familie, meine Freunde oder meinen Anwalt – hätte ich denn einen gehabt – anzurufen, rief ich den Kerl an, der mich angezeigt hatte.
Ich sagte ihm „Wegen Dir bin ich also im Knast, du Arsch! Das kriegst Du zurück!“ … Ah, krieg ich dafür Ärger? Indien gegen Korruption wird meine Akte nicht rausholen und mich wieder einsperren? …
Ich fuhr wieder zu seinem Haus, vor dem Polizisten standen. Einen davon schnorrte ich um Feuer an und er war sehr nett und zündete mir die Zigarette an.
Dann sah ich diesen Reporter an und sagte zu ihm „Jetzt krieg ich Dich. Und das wird unschön.“ Ich bedrohte eigentlich jeden aus seinem Büro.
Man nahm schließlich meine Fingerabdrücke und Inspektor Khan sagte mir „Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt genießt.“ Also beschloss ich mit meiner Rache zu warten. Zwischenzeitlich war der Kerl dann nach Vancouver abgehauen.

Die ganze Sache war mir sehr peinlich und ich beschloss mich zu ändern, auch weil meine Frau sehr beunruhigt war.
Nana Patekar holte mich übrigens damals aus dem Knast. Das war an einem Wochenende. Es gibt wohl einen Gesetzestext, der es erlaubt, auch zu dieser Zeit auf Kaution frei zu kommen.
Ich habe versucht, anständig zu sein und inzwischen habe ich mich geändert. Nun bin ich hoffentlich mehr derjenige mit der Erziehung aus der irischen Schule als der Delhi-Universitäts-Hockeyspieler.

Shoma:
Manchmal kommt der Delhi-Rowdy noch zum Vorschein …

Shah Rukh:
Wisst ihr, ich fühlte mich wirklich schlecht, weil manche Leute anfingen zu sagen, es wäre meine Midlifecrisis und ich hätte einen Nervenzusammenbruch. Also sagte ich Sanjoy und allen hinter der Bühne „Das auf Youtube / im Fernsehen ist Blödsinn. Solche Kabbeleien, Streitigkeiten und daraus resultierende Wutanfälle liegen in der Natur eines Delhi-Rowdys!“
Daher möchte ich das klarstellen und euch, den intellektuellen Menschen hier, sagen, dass ich keine Midlifecrisis habe, mir geht’s gut. Ich bin die Ruhe selbst. Manchmal mache ich einfach die Delhi-Phase durch, das ist alles.

Shoma:
Shah Rukh, eine andere faszinierende Facette an Dir ist Deine Beziehung zum Islam und dazu, ein Moslem zu sein. Über die Jahre hinweg gingst Du immer offener damit um, Moslem zu sein. Du bist kein politischer Mensch, warum also wolltest Du das so? Wie passt das zusammen?

Shah Rukh:
Ja, die Kombination passt irgendwie nicht. Deine großen Worte machen mir Angst.
Aber um ehrlich zu sein, lebte ich, wie gesagt in Delhi und habe dort auch in Aufführungen der
Ramlila mitgespielt. Ich war Schüler einer irischen Schule, und wuchs in einer Punjabi-Gegend auf, also wurden mir das Ramayana, das Mahabharata und die Bibel auf schöne Weise nahegebracht, und ich kenne sie daher ziemlich gut. Es ist seltsam, denn ich dachte nie ich würde Schauspieler, doch ich spielte im Schultheater in der Ramlila mit. Von Geburt bin ich Moslem, islamisch, weshalb mein Vater und meine Mutter mir den Islam auf liebevolle Weise erklärt haben.

Nun, da ich erwachsen bin und Kinder habe … ich bin sehr säkular (weltlich), meine Frau ist Hindu, und weder habe ich ihr meine Religion aufgedrängt, noch hat sie mir die ihre aufgezwungen. Ich glaube wirklich, jede Religion dreht sich darum, gut mit sich selbst und anderen auszukommen, daran halte ich mich. Aber jetzt, da meine Kinder aufwachsen und all diese Dinge rund um die Welt passierten, kam mir der Gedanke, dass meine Eltern mir über den Islam immer beibrachten – und auch ich selbst es so verstand –, wir seien sehr friedliebend.
Also wollte ich es unpolitisch, vielleicht mittels eines meiner Filme, ausdrücken, dass es eine äußerst friedliebende Religion ist, und die Chance dazu gab mir
My Name Is Khan.
Und das ist auch alles, was ich meinen Kindern vor Augen führen will.
Wenn sie irgendetwas vom Islam lernen können, da sie nun mal Aryan Khan und Suhana Khan sind, ist es der Fakt, dass es eine sehr friedliebende Religion ist. Sie wachsen in Zeiten auf, in denen jede Bombe die hochgeht, jede Kugel die abgefeuert wird, angeblich auf die Rechnung islamischer Menschen geht. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder diese Art von Eindruck gewinnen, weil ich wirklich denke, die meisten dieser Typen stehen nicht für den Islam.
Sie stehen für ihre eigene fundamentalistische Agenda, die politischen Ideologien, die sie verbreiten wollen oder auch ihre eigenen Probleme, die sie mit anderen Nationen oder Personen haben. Doch dadurch stehen sie nicht zwangsläufig für den Islam.

Deshalb begann ich erneut in den Sprachen, die ich kenne, darüber zu lesen, Englisch und Hindi, und unterhielt mich mit wunderbaren Leuten wie Javed saab, der heute Abend wohl hier ist, damit sie es mir erklärten. Ich sprach mit meinen Bekannten, die sich gut mit dem Islam auskennen. So Gott will, möchte ich den Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka) mit meinen Kindern begehen. Doch mein Ansinnen in Bezug auf meine Religion ist es, zu sagen, es ist eine sehr friedliebende und wunderbare Religion.
Dafür war der Film.

Trotz allem spiegelt mein kürzliches Verhalten dies nicht wirklich wider … Mein Sohn und ich haben einen großartigen Sinn für Humor. Das ist ein Witz, also fasst es bitte nicht falsch auf.
Eines Nachts hatte ich diesen Streit mit jemandem und als ich nach Hause kam, weckte ich meine Kinder auf … vor meinen Kindern ist es mir sehr peinlich wie ich mich benehme, ob in Filmen oder im wahren Leben. Eigentlich ist mir vor ihnen alles peinlich … Ich weckte sie und sagte „Wisst ihr, ich hab diesem Kerl eine reingehauen. Und es tut mir wahnsinnig leid …“
Und … dies ist ein Witz, also kriegt es nicht in den falschen Hals … mein Sohn sagte „Wie ein richtiger Moslem Papa!“
Ich möchte nicht, dass er diesen Eindruck bekommt, daher scherzen wir über so etwas, und dass es mir gelungen ist, sie dazu zu bringen, Witze darüber zu machen, bedeutet ich bin auf dem richtigen Weg ihnen zu vermitteln, dass der Islam eine friedliebende Religion ist, wie es auch der Hinduismus, der Buddhismus und das Christentum sind.

Shoma:
Shah Rukh, bevor wir über ein paar andere Phasen und Aspekte Deines Lebens sprechen … hast Du den Teil dabei, die erste Seite Deines Buchs … was es bedeutet, ein Star zu sein?

Shah Rukh:
Jetzt habe ich ja den ganzen Laptop, da sind die Skripts meiner nächsten beiden Filme drauf, falls Du willst, dass ich die vorlese … Sehen wir mal … Das ist das letzte Kapitel. Das habe ich ausgedruckt, weil ich dachte, nachdem ich meine Eröffnungsrede vorgelesen habe – was Du mir nicht erlaubt hast – könnte ich das letzte Kapitel des Buchs vortragen, damit alle das Gefühl haben, welch ein wundervolles und abgerundetes Gespräch das heute Abend ist.

Ich habe vor langer Zeit begonnen, dieses Buch zu schreiben, meine Tochter war erst 4 oder 5 Jahre alt. Das Kapitel wurde also vor 8 Jahren geschrieben und es wird das letzte sein, ich fülle noch die restlichen Lücken. Das Buch nahm seinen Anfang, als ich für Phir Bhi Dil Hai Hindustani von einem 16-stöckigen Gebäude auf ein Luftkissen sprang. Das ist keine Übertreibung, ich habe das wirklich getan.
Der Gedanke ein Buch zu schreiben kam mir, weil Mahesh Bhatt es mir nahelegte.
Das Buch beginnt … beinahe hätte ich gesagt „Der Film beginnt …“ Das Buch ist wie ein Film … Dies ist jedenfalls das letzte Kapitel und ich stehe dort oben.
Vieles muss aktualisiert werden, habt bitte Nachsicht mit mir.

Es war eine verdammt gute Reise, ein verdammt gutes Leben. Ein ruiniertes Knie, ein zu reparierender Knöchel, ein großer Zeh, der viel größer ist als jeder andere große Zeh, ein Nacken, der eine Bandscheibe weniger hat und mit dem ich immer noch den Boogie-Woogie tanzen kann. Lasst mich euch auch ein Geheimnis verraten: Ich färbe meine Haare.
Ich war auf dem Dach eines Zuges und unter einem fahrenden Truck, ich habe Frauen im sauerstoffarmen Ladakh umworben und in Schneematsch gekämpft, bin von mehrstöckigen Gebäuden gesprungen und hing an Klippen.
Ich stand mit Mr. Amitabh Bachchan im selben Bild, wurde von Rakhi umarmt, Dilip Kumar tätschelte mir die Wange und lobte mich für meine Darstellung von Devdas. Madhuri Dixit tanzte neun Nächte lang vor meiner Nase. Juhi Chawla hat mir Kaffee gekocht, mmmhhhhh. Kajol hat mir Bücher gekauft, Amrish Puri erzählte mir einen schmutzigen Witz. Ich habe Madonna getroffen und Michael Jackson Hallo gesagt. Harry Potter blieb stehen und hat 15 Minuten mit mir geredet.
Ich habe in Ägypten gebetet, gleich neben den Pyramiden, und den Eiffelturm bestiegen. Menschen in Japan kennen meinen Namen, Mütter in Indonesien und China nennen mich Sohn.
Yash Chopra und Subhash Ghai sind meine Freunde, Mani Ratnam denkt, ich kann ein bisschen schauspielern.
Straßenhändler ahmen meine Sprechweise nach, Friseure bieten einen nach mir benannten Haarschnitt an.
Ich habe ein schönes Haus und entzückende Kinder. Mein Sohn denkt, ich sei ein Held, –
und das ist acht Jahre her – und meine Tochter denkt, ich sei Aamir Khan.

Sie war damals jung und albern … Sie war eben erst vier Jahre alt. Zuhause wusste sie, dass ich Papa bin, und wenn sie mich im Fernsehen sah, nannte sie mich ironischerweise bei dem anderen Namen …

Und dann gibt es am Himmel einen Stern – über den ich in vorherigen Kapiteln spreche und von dem ich, wie jedes Kind, glaube, es ist meine Mutter – der vor Glück besonders hell strahlt, wenn ich hinausgehe auf meine Terrasse.
Es ist, als hätte ich zwei Leben in einem gelebt. Ich habe zwanzig Jahre an Erfahrungen und Glück in ein Jahrzehnt gepackt.
Was bin ich? Superman? Spiderman?
Nein! Ich glaube, ich bin gesegnet.
Es gibt Zeiten, in denen ich mich noch immer einsam fühle, Tage, an denen mich meine Fehler sehr traurig machen. Der Ozean vor meinem Haus gibt mir genauso das Gefühl winzig zu sein, wie er es vor zehn Jahren tat.

Ich kann die Frage nicht beantworten, die mir in jedem Interview gestellt wird: Wie ist der echte Shah Rukh Khan?
Ich weiß es nicht. Vielleicht ist kein wahres Ich mehr übrig. Vielleicht ist keine wahre Emotion mehr übrig, die ich nicht schon vor der Kamera gebraucht habe. Vielleicht bin ich nun nur noch ein Darsteller.
Manchmal erkenne ich mein ungeschminktes Gesicht nicht, manchmal erwache ich nicht zum Leben, ehe ich nicht das Geräusch der Kamera höre. An manchen Tagen helfen mir nicht mal dieses Geräusch und die Lichter in meinen Augen, mich real zu fühlen.
Die Grenzen zwischen meinem Rollen-Ich und meinem wahren Ich sind irreparabel verblasst. Liebe ich wie Rahul oder liebt Rahul wie ich? Ist es Rajs Wut oder bin ich wütend darüber, wieder und wieder Raj zu spielen? Ich weiß, ich würde nie ein Mädchen von einer Terrasse werfen, doch bin ich nicht sicher, ob ich mich wie Devdas für ein Mädchen selbst zu Grunde richten würde. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Würde mein Sohn zu einem normalen Mann heranwachsen? Würde meine Tochter begreifen, dass ich nicht Aamir Khan bin? Ich weiß es nicht und es kümmert mich nicht wirklich.
Habe ich für das Leben als Star einen hohen Preis gezahlt? Nein. Stünde ich vor der Wahl, täte ich genau das gleiche wieder und wäre sogar willens, mehr dafür zu geben.
Würde ich glücklich sterben? Nur wenn mein letzter Film ein Hit wäre.

In diesem Moment freue ich mich einfach auf die nächsten zwanzig Jahre.
Gerade als ihr dachtet, ihr könntet davon ausgehen ich ginge in Rente, nun da ich ein Buch geschrieben habe, werdet ihr mir noch ein weiteres Jahrzehnt ausgesetzt sein.

 

Das grüne Tuch flattert hinter meinem Rücken, die knapp 15 Meter scheinen nicht wirklich viel. Ich weiß, warum ich dies tue. Ich tue es, weil ich Schauspieler bin.
Ich spreize meine Hände, schließe meine Augen, höre die Windmaschinen laut und deutlich. Ich sehe das Gesicht meines Sohnes. Er denkt, ich bin ein Held. Er weiß, ich habe Flügel. Auch ich weiß, Gott ist freundlich und bei mir. Ebenso weiß ich, dass ich fliegen kann. Ich lasse los, ich fliege. Und auch der Rest der Welt fliegt mit mir.
Fortsetzung folgt ein Jahrzehnt später.

Ich weiß, ich habe einen Herausgeber, der mich hierfür umbringen wird, aber naja.

Shoma:
Shah Rukh, ich glaube die Glocke hat schon geläutet, ehe wir überhaupt mit dem Gespräch angefangen hatten.

Shah Rukh:
Wirst Du jetzt unhöflich und sagst mir, ich soll mich verziehen? Kein
Chammak Challo?

Shoma:
Nein, kein
Chammak Challo.
Nur ein, zwei weitere Fragen, falls ihr alle einverstanden seid. Uns rennt die Zeit davon.
Shah Rukh, man sieht diese Fragmente von Dir, Dein öffentliches Ich ist jemand völlig anderes, auffällig, jemand, der es liebt in der Menge zu baden, und doch gibt es einen Teil von Dir, der immer allein ist. Wie ich schon sagte, handeln deine Tweets um 3, 4 Uhr morgens immer von der Trennung Deines Selbst von der Öffentlichkeit. Warum blieb dies über die Jahre erhalten? Konnte nichts Deine innere Leere ausfüllen?

Shah Rukh:
Ehrlich gesagt, nein. Keine Ahnung … etwas stimmt mit mir nicht und ich erahne es, ich fühle es, aber ich weiß nicht, was es ist. Ich liebe die Schauspielerei, oder jedenfalls glaube ich das zum jetzigen Zeitpunkt. Ich will immer weiter arbeiten, um die Zeit zu füllen. Ich habe eine wunderbare Familie, die sehr liebevoll mit mir umgeht und die einzigen Glücksmomente, die ich habe, widerfahren mir wenn ich bei ihr bin. Ein paar Freunde habe ich, die mich sehr lieben, ich verbringe viel Zeit mit ihnen.
Doch manchmal spüre ich, dass mein Privatleben und mein öffentliches Leben … Und ich versuche, zu geben, ich bin Schauspieler, ich bin dafür da, zu geben.
Was auch immer die Leute über mich sagen … „Er ist so.“ „Er ist dies.“ „Er ist das.“ … Manchmal weiß ich – und ich weiß es wirklich – es gibt keinen anderen Grund für mich zu tun, was ich tue, als dem Verlangen des Gebens gerecht zu werden.
Ich wache morgens nicht mehr mit dem Gedanken daran auf, wie viel Geld mein Film eingespielt hat. Ich will nicht wissen, welcher Star sich gut geschlagen hat. Aber ich kann es nicht erklären, denn mit all ihren guten oder auch albernen Absichten fragen mich die Leute immer nur „Wie finden Sie es, dass dieser oder jener Star gut dasteht?“
Und ich bekomme Angst und werde sauer, aber ich beherrsche mich, damit ich nicht wieder in den Knast wandere oder mich prügele.
Also mache ich gute Miene zum bösen Spiel und schauspielere einfach nur, benehme mich angeberisch und scherze und mache Späße. Das ist in Ordnung.
Ehrlich … irgendwie spüre ich, die Anwesenden werden, auch wenn sie es nicht komplett erfassen, zumindest verstehen von was ich rede …
Der Grund, jeden Tag loszugehen und zu spielen, ist nicht das Geld oder irgendein Ranking oder irgendwelche Zahlen. Das will ich alles nicht mehr. Ich habe doch alles.
Ich habe viel mehr als ein am Kreisverkehr sitzender Junge, der Autos beobachtet weil sein Vater es sich nicht leisten kann, ein Kinoticket zu kaufen, je haben kann. Das kann mir keiner nehmen! Man kann mir meine Preise wegnehmen, mein Geld, aber nicht die Tatsache, dass ich
Shah Rukh Khan, dass ich jemand anderes geworden bin! Wirklich.

Warum mache ich das alles also?
Dies ist sehr emotional für mich.
Warum mache ich das?
Und das erzähle ich nur hier.
Ich mache das nur, weil ich weiß, dass irgendwo, an einem fremden Ort, eine einsame Mutter mit einem anstrengenden Kind gerade herzlich lacht, während sie einen meiner Filme sieht.
Wenn ich über den Grund nachdenke, aus dem ich tue was ich tue … ob es daher kommt, dass ich meine Eltern früh verloren habe? Darauf kann ich nicht immer rumreiten, jeder verliert Eltern. Es ist in Ordnung. Komm drüber hinweg!
Mache ich es, weil ich hart gearbeitet habe, zum Star wurde und XYZ, und jetzt sind Geld und Preise wichtig? Auch davon habe ich genug.
Doch irgendwo ist dieses Gefühl der Leere … Welches ich anfangs auf Twitter teilte und auch dies wurde zur Randnotiz in Fernsehen und Klatschspalten. Man reißt es aus dem Zusammenhang und ich kann es ihnen nicht erklären …
Ich habe diese Ruhelosigkeit, diese Einsamkeit, diese Fremdartigkeit, diese Unerfülltheit in mir, von denen ich glaube, sie mit haufenweise Schauspiel, unermüdlichem Geben auffüllen zu können. Aber das passiert nicht. Es passiert nie.

Also habe ich jetzt mein Leben der Aufgabe gewidmet, in die Welt zu gehen und euch zu geben, was ihr wollt. Wenn ihr wollt, dass ich tanze, dann tanze ich für euch. Wenn ihr wollt, dass ich singe, dann singe ich für euch. Wenn ihr wollt, dass ich mich auf den Kopf stelle, werde ich auch das tun.
Wenn jemand sagt „Er ist als Schauspieler nicht ernsthaft genug.“, akzeptiere ich das. Wenn jemand sagt „Wisst ihr, er ist ein Angeber, er ist nicht der Typ, der sozial relevante Filme macht.“ ist das in Ordnung. Ich habe einen
Swades gemacht, und werde nicht noch zehn weitere machen, sondern das tun, wonach ich mich fühle. Meistens werde ich allerdings Dinge tun, von denen ich denke, dass ihr wollt, dass ich sie tue.
Ich habe das Gefühl, es gibt nichts mehr in meinem Leben, was ich für mich selbst tun will. Es ist ein sehr seltsames, selbstloses, selbstsüchtiges Gefühl.
Wie ich anfangs sagte, bin ich zu einem kommerziellen Dichter geworden. Ich habe die Gedanken eines Poeten, ich will gute Dinge tun, kreative Dinge, ich will einfühlsam sein …
Aber ich will nicht … ich will nicht so sterben wie mein Vater.

Und ich möchte nicht unbekannt sein, obwohl ich der wundervollste Vater bin, obwohl ich … keine Ahnung.
So sehr ich es mag, meinen Vater einen erfolgreichen Fehlschlag zu nennen, wäre ich gerne … einfach scheiß-erfolgreich.
Das ist alles.
Und die Leute haben recht … ich habe es nie geglaubt, glaubt daher mir … An der Spitze ist es sehr einsam. Man muss, muss einfach einsam sein, wenn man versucht erfolgreich zu sein.

Shoma:
Shah Rukh, Du sagtest, du würdest für uns tanzen, doch weil dies THiNK ist und Du es so besonders gemacht hast, möchte ich Dir schlussendlich erlauben, vorzulesen, was Du mitgebracht hast.

Shah Rukh:
Haben wir Zeit? Gut, wann immer ich aufhören soll, sag einfach „Cut!“.
Echt jetzt, das ist wirklich nett, danke vielmals.
Es ist so seltsam, dass manche der persönlichen Dinge, die ich gerne mit meinen besten Freunden besprechen würde – nicht dass Shoma nicht meine Freundin wäre – …
Ich danke euch allen sehr. Danke.
Die letzten zwei Tage war ich sehr deprimiert. Dafür hatte ich keinen Grund, ich verkläre es einfach zum dunklen Ort, den kreative Menschen aufsuchen. Deshalb danke ich euch, dass ihr euch all dies anhört. Es macht mich sehr glücklich. Also werde ich hier beim THiNK-Fest viel trinken und einen tollen Abend mit euch haben.
Danke, dass ich das vorlesen darf.
Dies ist ein kleiner Teil eines Gedichts, das ich gelesen habe. Ich habe das im Flugzeug für alle hier vorbereitet, und es hat keine bestimmte Reihenfolge, es sind einfach Gedanken, die mir kamen, weil mir Deine Email geschickt worden war, dass es um die Einsamkeit des Lebens eines Superstars geht.

Das ist Teil eines Gedichts von W.H. Auden. Spricht man den Namen so aus?
Als erstes wünsche ich euch einen Sinn fürs Theater
Nur jene, die die Illusion lieben und es wissen, werden weit kommen
Sonst verbringen wir unsere Leben in Verwirrtheit darüber, was wir sagen und tun, und dem, was wir sind.
Dies war Audens Gedicht an seinen siebenjährigen Enkel oder Sohn.

Bewunderung besitzt die ausgeprägte Eigenschaft der Isolation. Man kann nicht bewundern, was man nicht als besonders erkennen kann. In der Manier des Ruhms bewundert zu werden bedeutet, schonungslos vom Recht gewöhnlich zu sein getrennt zu werden.
Paradoxerweise führt diese Trennung Dir Deine eigene Gewöhnlichkeit brutal vor Augen. Ich bin mir darüber im Klaren.
Du magst es überlagern, verstecken oder wegheucheln, doch Du fühlst es auf die direkteste aller Arten.
Ruhm gibt Dir die einzigartige Möglichkeit, Gewöhnlichkeit zu akzeptieren oder abzulehnen, weil die Isolation, die er Dir aufzwingt, zwei Seiten hat. Einerseits ermöglicht sie distanzierte Klarheit, andererseits kann sie die Realität vollkommen vernebeln. So ist es leicht sich abzuwenden, wenn man mit der Wahrheit über die eigene Gewöhnlichkeit konfrontiert wird, denn das Wesen des Nebels ist es, Formen unscharf zu machen. Er ist aber auch einfach zu vertreiben.

Es ist schwer, die Unvollkommenheit von sich fernzuhalten und ungezügelte Bewunderung in aufrichtige Liebe für sein eigenes Geschick und die eigene Person zu destillieren. Es ist schwer, aber möglich.
Es wird möglich, wenn man etwas aus purer Freude an der Erschaffung kreiert, denn man folgt eben nicht dem Weg der Zerstörung.
Schauspielerei ist eine Kunstform. Oft wird sie als Begabung missverstanden, etwas vorzutäuschen, doch in Wahrheit ist sie die Fähigkeit, unterschiedliche Identitäten auf die Leinwand des eigenen Selbst zu projizieren. Sie ist die Kunst, mit vollkommener Ehrlichkeit ein neues Selbst zu werden.
Ein Schauspieler, der seinem Geschick treu ist, kann seine Unvollkommenheiten nicht ablehnen. Er nimmt sie an und wandelt sie zu kreativer Kraft.
Isolation ermöglicht eine distanzierte Beobachtung seines eigenen Selbst und seiner Welt, durch die er seine kreative Kraft verstärken kann. Eine gewisse Distanziertheit erlaubt es, komplexe Emotionen wie Kostüme zu tragen.
In meinem Fall sind die Kostüme sehr simpel, da ich kommerzielle Filme mache:
Ralph Lauren – Zorn

Dolce and Gabbana – Liebe
Pacciotti – Romantik
Sie beschreiben so ziemlich meinen kompletten emotionalen Kleiderschrank.

 

Während die Welt sich verändert, wird diese Interpretation immer mehr durch verschiedene Medien wiedergegeben.
Ich werde zum Schuft, zum Aufreißer, zum Womanizer, zum ausfälligen Säufer, zum kaltschnäuzigen, arroganten Star, der auf Regeln pfeift und beliebig in der Öffentlichkeit raucht, zum unpatriotischen, den Feind unterstützenden Emporkömmling, dem man eine Lektion erteilen sollte, und vieles mehr.
Oder ich werde zum perfekten Familienmenschen, zum cleveren Geschäftsmann, zum vernarrten Vater, zu Sex auf zwei Beinen, oder einfach nur zu einem Kerl, der großartig riecht.
Nichts davon hat mit dem zu tun, der ich wirklich bin, doch es wird zu dem, wie mich viele wahrnehmen. Hier weicht meine öffentliche Reise von meiner persönlichen Erfahrung ab und drängt mich manchmal in eine einsamere Gefühlswelt, als es mir recht ist.
Ob distanziert oder dazugehörend, die eine Sache, der ich nicht ausweichen kann ist, wie meine Person, von außen betrachtet, interpretiert wird. So ehrlich und ähnlich meine öffentlichen und privaten Auftritte und Überzeugungen, wie ich denke, auch sein mögen, werde ich doch von dem übermannt, was die Menschen in mir erkennen wollen, weil ich die letzten zwanzig Jahre vollkommen objektiviert worden bin.
Meine Gefühle und Taten sind alles Objekte, die zum Verkauf stehen und bereit sind zur Analyse. Ich bin eine milliardenschwere, Seelen-verkaufende Maschine, die das Schlafen auf Mumbais Gehwegen vor der Wandlung zu diesem wunderbaren Objekt verklärt.

Doch ziehe ich keine Befriedigung aus dem Geld, das ich verdiene oder daraus, wie viele Einnahmen meine Filme erzielen oder ob ich als Nummer 1, 2 oder 203 gehandelt werde.
Ich wache morgens niemals auf und frage mich, wer berühmter geworden ist als ich. Es kümmert mich nicht.
Ich gewinne Zufriedenheit aus dem Teil meiner Kunst, der es mir erlaubt, zu geben. Der Gedanke macht mich glücklich, dass irgendwo, in einem Heim, das ich nicht kenne, eine Mutter und ihr kleiner Sohn an einem ansonsten langweiligen Tag einen meiner Filme sehen und über mich lachen.
Die Tatsache macht mich glücklich, dass Menschen aus dem Kino strömen, mit Leichtigkeit im Herzen, dem Gefühl der Liebe und der Möglichkeit von Romantik in ihren täglichen, normalen Leben.
So unrealistisch es Kritikern oder Realitätsliebenden auch scheinen mag, ich serviere Realität mit Schokoladenpopcorn, nur erhältlich in großen Portionen, und sprudelnder Limonade dazu.
Und doch lebe ich die Realität in ihrer ungeschliffensten Form, in der jeder menschliche Fehler, jede Perfektion aufgebauscht wird, in der jedes Verlangen, jedes Streben so übertrieben ist wie das meine, in der alle Kräfte ein riesiges System auf sein eigenes Wachstum, seine eigene Plünderung und gar seine Zerstörung zutreiben.
Aber es schmeckt verdammt gut.

Und während all dessen bin ich von hundert Managern und PRlern und Produzenten und Finanziers und Zuschauern umgeben. Und das einzige, was ich tun kann, um nicht durchzudrehen, ist, mich an der einzigen Person festzuklammern, die ich am besten kenne … mir selbst. Ganz allein.
Aber inmitten von Millionen Bewunderern allein zu sein ist überhaupt nicht tragisch. Es ist wundervoll.
Besonders wenn man es nutzen kann, die Welt – wie ich am Beginn der Rede sagte – mit einem Sinn fürs Theater zu betrachten.
Willkommen in meinem Theater, meine Damen und Herren!

Shoma:
Meine Damen und Herren, Der Traumfänger!

Shah Rukh:
Ich danke Ihnen und entschuldige mich, dass der nächste Redner so lange warten musste.
Vielen Dank, Gott segne Sie.

Fareed Zakaria – CNN GPS – Februar 2016

Posted: February 25, 2016 in 2016

 

Einleitung

Fareed Zakaria:
Mein nächster Gast wurde von der Los Angeles Times „der möglicherweise größte Filmstar der Welt“ genannt. Mir erscheint das zutreffend.
Shah Rukh Khan ist der größte Filmstar Indiens und hat definitiv mehr liebende Fans als jeder andere Filmstar der Welt, wenn man allein von der indischen Bevölkerung – mehr als einer Milliarde Menschen – ausgeht.
Der 50-jährige Khan hat laut Forbes die Hauptrolle in mehr als 70 Filmen gespielt und letztes Jahr 38 Millionen Dollar verdient.
Wenn Sie ihn und seine Arbeit nicht kennen, dann sollten Sie es vielleicht.
Indien war lange Zeit der einzige große Markt, in dem sich Hollywoodfilme schwertaten. Shah Rukh Khan sprach über die neue, globalisierte Welt, in der Hollywoodfilme ernste Anstalten machen, auf den indischen Markt vorzudringen, und wo Bollywoodfilme im Rest der Welt gegen Hollywood konkurrieren.

Interview

FZ:
Shah Rukh Khan, es ist eine Freude Sie wieder hier zu haben.

Shah Rukh Khan:
Danke Fareed, danke, dass ich wieder hier sein darf.

FZ:
Erzählen Sie mir davon, wie Bollywood heutzutage aussieht. Wie gehen Sie mit der Konkurrenz der Hollywoodfilme um, die jetzt grundsätzlich für ein globales Publikum gemacht werden? Viele Filme aus Hollywood beziehen große Teile ihrer Einnahmen von außerhalb der USA und sind auf eine Art gestaltet, die die Menschen anzieht. Sie haben mehr Action oder auch animierte Charaktere, wenig Dialoge, weniger komplexe Charakterentwicklung.
Sind dies die neuen, globalen Konkurrenten, denen Sie gegenüberstehen?

SRK:
Solange sie keine sechs Songs in ihren Filmen haben, konkurrieren sie zum Glück nicht mit uns! Das wird, da bin ich sicher, nicht passieren.
Aber ich denke, Sie haben völlig Recht. Wenn ich so sagen darf, hatte ich immer die Befürchtung, dass wir überholt würden, wenn wir nicht in der Lage wären unser Kino schnell genug zu verändern. Weltweit sind die Hauptfilme eben Hollywoodfilme. Indien ist das einzige Land, in dem lokale Filme besser laufen als die internationalen.
Quentin Tarantino hat, glaube ich, in Cannes einmal gesagt, der Grund dafür, dass lokale Filme überleben, seien die Stars.
Es gibt in diesem Land also immer noch eine große Ausgeglichenheit in der Welt der Stars, sei es ein Regisseur, ein Schauspieler oder eine Schauspielerin, und ich denke, das macht es aus. Es ist wie ein Footballspiel, in dem man Stars sehen will, die NBA ist beliebt, weil sie einige großartige Basketballer hat.
Solange das Starsystem im Land aufrecht erhalten wird, braucht es Zeit bis das internationale Kino Fuß fasst. Natürlich werden nun auch internationale Stars zu lokalen Berühmtheiten, doch mit all den jungen Filmemachern, Schauspielern und Schauspielerinnen verändert sich das indische Kino momentan so schnell, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern dürfte, ehe internationale Filme wirklich zur Konkurrenz werden.
Allerdings gibt es zurzeit, das gebe ich zu, Filme, die Bollywood überflügeln.
Einmal im Jahr.

FZ:
Wie viel Ihrer Fangemeinde ist jetzt, durch das Internet und die weltweite Verbreitung der Filme, global?
Es gab schon immer ein treues indisches Publikum, doch nun hat es sich bis in die Golfstaaten, Südostasien ausgebreitet. Was halten Sie davon?

SRK:
Es ist ziemlich… Es erstaunt mich immer wieder, denn wir haben meinen letzten Film z.B. in Peru veröffentlicht, in Gegenden wie Finnland, Schweden, von denen wir nie gedacht hätten, dass ein Hindifilm dort ankommen würde. Auch nicht mit Untertiteln oder synchronisiert.
Deutschland, Frankreich, Italien… das allein war schon ein Schock, dass man die Filme in Europa ansieht.
Ja, in England und Amerika, Südostasien vielleicht, aber die Einnahmen haben sich in den letzten Jahren versieben- oder verzehnfacht, seit ich das letzte Mal mit Ihnen gesprochen habe. Die Menschen schauen die Filme und jetzt höre ich, dass es auch in China passiert, was wiederum erstaunlich ist.
Und auch die verschiedenen Filmarten, die von hier kommen, unterstützen dies. Inzwischen haben wir einige wunderbar künstlerische Filme, und ich denke, das sind kleine Schritte in Richtung eines internationalen Markts für indische Filme.
Wir haben Glück, in diesen Zeiten steigender Akzeptanz zu leben.
Wo man auch hinschaut, Marokko, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südamerika, es erstaunt mich einfach. Jetzt habe ich dort ein Cricketteam (Trinidad & Tobago) und möchte hingehen, Zeit dort verbringen und sehen, was die Leute von dem halten was ich mache.
Aber ja, es hat sich ausgebreitet. In den sozialen Medien, wenn ich etwas twittere, kann ich erkennen, dass mehr als die Hälfte der Leute außerhalb von Indien leben. Ich sage etwas und plötzlich bekomme ich einen Shoutout aus Japan und ich staune darüber. Sie singen Hindisongs, sprechen Zitate aus den Filmen nach, machen Dubsmashes. Es ist neu und tatsächlich sehr ermutigend.

FZ:
Das ist wirklich neu für indische Filme, welche immer sehr lokal waren und nun global werden…

SRK:
Ja, wie Sie schon sagten, in den VAE, Südostasien findet man noch ähnliche Kulturen, also geht man davon aus, dass die Menschen dort indische Filme mögen würden. Sie sind konservativ, drehen sich um die Familie, manche der üblichen, kommerziellen Filme zeigen einfach gute Dinge, sind nicht zu ausgefallen. Doch nun kommen sie auch in Schottland, Irland und Amerika gut an.
Vor kurzem hatte ich eine Show in New York und von den circa 8000 Leuten waren etwa 500 bis 800 Amerikaner, die sich eine indische Show ansahen. Ich sprach mit einigen von den Ladys und sie sagten, sie liebten indische Filme und mich, sie seien so und so weit gereist, um mich zu sehen, und das ist wirklich sehr schön. Es ist ein neues Phänomen und zeigt meiner Meinung nach auch, dass indische Filme schrittweise ihre Spuren außerhalb von Indien hinterlassen, was ein wichtiger Aspekt ist.

FZ:
Denken Sie, Sie werden diesen Job auch in zehn Jahren noch machen?

SRK:
Ich hatte mehr an dreißig Jahre gedacht! Wenn Sie zehn sagen wird mir angst und bange, es könnte so bald zu Ende sein.
Ja, ich könnte ein neues Knie gebrauchen, eine neue Schulter und so, doch man sagt mir, es tauchten immer neue Körperteile auf.
Wie ich immer sage, meine letzte Aufnahme sollte … Und ich liebe die Schauspielerei, soweit ich sie eben begreife … Meine letzte Aufnahme sollte passieren, wenn jemand „Schnitt!“ ruft. Wenn ich schon den Löffel abgeben soll, dann mit einem „Schnitt!“. Und einem „Gut!“, wenn möglich.

FZ:
Bis dahin sind Sie der Bionic Man.

SRK:
Ja, bis dahin schon. Der Iron Man oder doch eher der Titanium Man, da ich Titan in der Wirbelsäule habe. Das ist eine gute Idee!

FZ:

Shah Rukh Khan, danke für Ihre Zeit.

SRK:
Ich danke Ihnen!

 

GPS Web Extra: Ein Filmstar auf der Liste zur Beobachtung von Terroristen?

FZ:
Als wir uns das letzte Mal unterhielten, hatten Sie noch Probleme, in die USA zu gelangen, da Ihr Namensvetter auf einer Liste zur Beobachtung von Terroristen stand. Es schien eine sehr bizarre Situation zu sein, wenn man davon ausgeht, dass Khan ein sehr verbreiteter Name ist.
Was ist da passiert?

SRK:
Es hat sich nun geklärt. Man hat mir mitgeteilt, der Mann sei gefasst oder ausfindig gemacht worden, daher sei er nun nicht mehr auf der Liste, also bin auch ich runter von der Liste. Also ist alles okay.
Ich komme nun hin und kann mich sehr frei in Amerika bewegen. Seitdem war ich drei, vier Mal dort, um mir Universitäten für meine Kinder anzusehen, und war auch für eine Tour dort. Amerika hat mich wieder.

FZ:
Was hat dieses ganze Erlebnis in Ihnen ausgelöst?

SRK:
Es war sehr … Es war einfach sehr unangenehm, irgendwo zu landen und dann zwei, drei Stunden grundlos auf einem Flughafen festzusitzen. Ich reiste dann auch mit leichtem Gepäck, weil ja die Koffer immer geöffnet wurden! Also nahm ich weniger Unterwäsche mit und keine Dinge, die mir peinlich sein könnten.

FZ:
Wissen Sie, es hat mich sehr gewundert, dass Sie scheinbar nie einen Groll gegen das Land hegten. Sie waren immer sehr ruhig.

SRK:
Nun, man muss es im größeren Zusammenhang betrachten. Es ist ein Zeichen der Zeit in der Dinge schiefgehen. Wenn ich von meinem Land Indien ausgehe … Sollte dort, was Gott verhüten möge, ein Problem auftreten, wäre ich der Erste zu sagen, man muss die Sicherheit erhöhen und darf kein Risiko eingehen. Ich würde das tun, wir alle würden das tun.
Ich denke, die Welt ist momentan in einem solchen Zustand, dass man vorsichtig sein muss. Und dafür kann man keinen Groll gegeneinander hegen.
Weil es ein Fakt ist, dass ein kleiner Fehler zu etwas viel Schlimmerem für die Menschheit und für Völker führen könnte. Von daher ist es in Ordnung. Es ist ein Zeichen der Zeit und wir müssen damit leben und auch auf manches vorbereitet sein.

 
Hallo an alle auf Facebook, die das hier sehen, lesen oder wie auch immer es übertragen wird, denn das letzte Mal, als sie diese Videosache mit mir machten, wurde es unendlich zerstückelt und ich war sehr verstört, als es zusammengesetzt wurde. Sie schlagen sich gerade alle die Hand vor die Stirn „Warum wurde es zerschnitten!?“. Trotzdem danke, dass ich einer der Ersten sein darf, die es ausprobieren, denn ich verstehe es, wenn an neuer Technologie was schiefläuft.

Mein Tag begann damit, dass ich um 10:30 aufstand, weil meine Kinder zurück nach London reisten, zurück in die Schule. Sie konnten nicht zu meinem Geburtstag am 2. bleiben, was in Ordnung ist … Ich werde es ihnen Jahre später heimzahlen.
Ich bin mitgefahren, um sie zum Flughafen zu bringen und ihr Flug hat sich um ein paar Stunden verschoben, was mich glücklich gemacht hat, weil ich so ein wenig mehr Zeit mit Suhana und Aryan verbringen konnte.
Nachdem ich sie abgesetzt hatte, kam ich zurück, habe sehr viel vor meinem Haus gewunken … Heute bin ich ein Winker.
Ich sage Leuten immer, mein Geburtstag gehört mir nicht mehr, denn so viele wunderbare Menschen kommen und überbringen mir ihre Wünsche. Und an einem 50. Geburtstag wird es wohl noch wichtiger, weil die Leute denken, es sei ein Meilenstein, also winkte ich sehr viel mehr als in den vorangegangenen 49 Jahren.
Es gab eine Zeit, zu der ich an meinem Geburtstag eine Menge machte und alle darüber redeten. Nun mache ich gar nichts an meinem Geburtstag, sondern rede einfach nur darüber, was ich an meinem Geburtstag getan hätte, säße ich nicht mit allen zusammen, die darüber berichten, was ich an meinem Geburtstag mache.
Davon habe ich also auch viel getan. Dann wollte man für FAN, den Film, noch etwas drehen, weil man letztes Jahr damit begonnen hatte, was seltsam ist. Wir starteten den ersten Dreh des Films, als ich 49 war, und wir haben ihn ein Jahr später noch immer nicht fertiggestellt.
Ich habe ein halbes Jahrhundert hinter mich gebracht und bringe einen kleinen Film nicht zu Ende, den ich abschließen muss. Jetzt ist es aber vorbei.
Dann habe ich all die tollen Menschen von überall her getroffen, aus den sozialen Netzwerken, den Fanclubs, habe ein wenig Zeit mit ihnen verbracht, mit ihnen getanzt, gesprochen, Bilder mit rund 400 Leuten gemacht.
Ja, nun bin ich zu Hause und ein bißchen gerädert und müde, aber es gibt nichts Besseres, um den Geburtstag zu beenden, als mit Facebook. Vielen Dank, dass ich das machen durfte und danke für eure Geduld, Gott segne euch, bleibt glücklich und gesund.

Danke, dass ihr mir das Gefühl gebt, mein Geburtstag sei wichtig für so viele Menschen, für euch alle. Da ist jede Menge Liebe und hoffentlich werde ich weiterhin Dinge tun, die mir eure Liebe sichern. Herzlichen Dank

 

 
Hallo Leute, hier bin ich, Shah Rukh, im Facebook Bus, der so schön und bezaubernd ist … und beleuchtet wie ein Sanjay Leela Bansali Film.

Ich habe hier einige Zitate, von denen Facebook behauptet, ich hätte sie über die Jahre hinweg gesagt, die Fehler und Albernheiten also, die ich begangen habe. Und nun bewerfen sie mich damit und fragen, in welchem Zusammenhang ich sie gesagt habe.

Das erste ist:
„Es ist eine Warmduscher-Rolle. Ich komme mir vor wie ein Weichei. In dem Film bin ich ein Weichei!“ Bezogen auf Raj aus DDLJ.

Das will man mir anhängen, das hätte ich niemals gesagt. Steckt mich in den Knast, das habe ich niemals gesagt! Und wenn ich es gesagt habe, geschah das unter Einfluss von … Liebe und Romantik.

Meine Kochkünste sind sehr begrenzt. Wasser kann ich sehr gut kochen.“
Jap. Aber nun werde ich all das ändern, denn ein Teil meiner Wunschliste ist, zu lernen, italienisch zu kochen, Bruschetta und Risotto. Ich versuch’s zu lernen, damit sich das ändert.

Du gewinnst nicht den zweiten Preis, du verlierst den ersten.“
Das ist abgekupfert. Genau genommen lag ich eines Abends allein im Bett, irgendwo im Schwarzwald während des Drehs zu Dil To Pagal Hai, und sah eine Sendung, die ich nicht verstand. Und dort trat ein ungarischer Gewichtheber auf. Ich erinnere mich, dass die Untertitel eingeblendet wurden und er das sagte, es ist also kein Originalzitat. Ich habe es gewissermaßen geklaut. Ihr könnt mich verklagen.

Ich kann mir nicht vorstellen, warum irgendjemand sich auf meine Rückseite konzentrieren sollte, es sei denn, sie mögen meinen Arsch.“
Das habe ich gesagt. Keine Ahnung, jemand muss mich gefragt haben, wie ich es finde, dass mir die Konkurrenz im Nacken/Rücken sitzt. Darauf habe ich wohl gesagt „Konzentriert euch nicht auf meine Rückseite, außer ihr mögt meinen Arsch.“ Was … etwas Gutes ist, das man mögen kann.

Ich bin die Sehnsucht, die im …“
Oh jaaa …
„Ich bin die Sehnsucht, die im Herzen einer Frau wohnt. Das ist wer ich bin.“
Die Würde und die Schönheit, die ich einer Frau gebe, weil ich Frauen liebe und, ja, das ist mein Zitat darüber, wie ich Frauen behandele. Nicht auf die aufgeblasene Art, die bekundet, ‘ich’ sei die Sehnsucht, die in ihrem Herzen wohnt, sondern eigentlich die Würde, die ich jeder Lady entgegen bringe, und ich denke, wahre Liebe, wahre Romantik ist es, eine Frau zu ehren.
Und jede Frau, die sich nach mir sehnt, was nicht sehr wahrscheinlich ist, tut dies, weil ich sie würdige.
Ich weiß allerdings nicht, wann genau ich das gesagt habe, aber ich stehe vollkommen dazu. An alle jungen Hüpfer, die sich das hier anhören: Bitte würdigt Frauen, wenn ihr wollt, dass sie sich nach euch sehnen.

Das hier kenne ich nicht, das ist kein Zitat von mir. Sieht aus wie ein Facebookzitat. Aber naja …

Das heißt, Sie haben sich gut angestellt.

Hab ich? Oh wow! OK. Also habe ich auf Facebook gewonnen, danke.


 

War irgendjemand schon einmal glücklich nach dem Erreichen von 50 Runs beim Cricket?

Lobt ein Vater sein Kind, wenn es 50% erreicht? „Weißt du was? Bring 100%, dann bekommst du das Auto, mein Kind.“

Es gibt mehr Filme, mehr Prozente zu erreichen, dies ist nur der Anfang. Ich muss das Jahrhundert / die Hundert vollmachen, mein Freund.

Dies ist mein 18. Geburtstag, und ich weiß nicht, warum ich mich wie ein Erwachsener fühle.

Wenn ich die Hand hier so ansehe, erinnert sie mich an „Gib mir diese Hand, Thakur.“ (Aus Sholay)
Dann schneide ich mal in die Hand und danke euch sehr dafür, dass ihr meinen Geburtstag auf Facebook feiert. Ich liebe euch alle.

(Offizielles Video der Universität, leider und unverständlicherweise momentan noch von der GEMA gesperrt)

Deutsche Transkription:

Vielen Dank an euch alle, es ist mir ein großes Vergnügen, hier zu sein …

Das hier funktioniert so, dass ich euch einen Vortrag halte, daher habe ich einen vorbereitet. Es sieht nach viel aus, was aber daran liegt, dass die Schrift so groß ist. Ich werde reden wie ein Wasserfall, bis ihr gelangweilt seid. Ihr könnt mich einfach mittendrin unterbrechen und mir Fragen stellen …

Vor allem ist es mir eine Ehre, heute diesen Doktortitel zu erhalten, danke an alle, die damit zu tun haben… ‘Demut’ ist ein Wort, welches von Menschen meines Berufsstandes häufig gebraucht wird. Wann immer ihr einen Schauspieler trefft, wird er euch sagen, wie demütig er ist. Ich mag den scheinheiligen, kriecherischen Beiklang davon in diesen Zusammenhängen nicht, also werde ich es nicht gebrauchen. Doch ich werde sagen, dass solche Anlässe eine Art haben, mir meinen richtigen Platz zuzuweisen. Danke, dass ihr mich zurechtweist.
Ich werde ab und an zu Konferenzen und Einweihungen eingeladen, um dort zu sprechen, und wenn ich die Einladung erhalte, bekomme ich ebenso meine Instruktionen, welche sich üblicherweise um Erfolg und meine Tipps dazu drehen … Nicht meine Zehenspitzen, diese sind durch eine ‘Ich werde niemals meine Zehen zeigen’-Klausel in meinen Verträgen geschützt. Sie sind wirklich hässlich. Und es ist mein Gleichberechtigungsversuch. Meine Schauspielkolleginnen habe eine ‘Kein Ausschnitt’-Klausel, ich habe eine ‘Keine Zehen’-Klausel.
(Anm.: ‘tip’ bedeutet im Englischen auch ‘Fingerspitze’, ‘tiptoe’ bedeutet ‘Zehenspitze’)

Die meisten Leute denken, Bollywoodstars hätten keine Erkenntnisse über irgendetwas, das über die schicksalhaften Ereignisse hinausgeht, die sie überhaupt zu Stars gemacht haben.
Allerdings wies ich die sonderbare Abweichung davon auf, für dämlich gehalten zu werden. Kürzlich erhielt ich eine Email von der Internationalen Vereinigung der Werbebranche, worin zu lesen war: „Sehr geehrter Mr. Khan, die Werbegemeinschaft möchte gerne, dass Sie das Wort zu ‘Globalisierung’ und ‘Disruptivem Marketing’ an sie richten.“
Nun verbrachte ich die nächsten vier Stunden auf Google in dem Versuch, das ‘Disruptive’ einer Produktinnovation zu dessen Marktanpassung zu begreifen. Doch es war einer dieser seltenen Tage, an denen selbst Google dir nicht helfen kann. Ein Tag, an dem du Google verlassen und Gott um Erlösung bitten solltest.
Aber ich bringe bald einen Film heraus und möchte keine göttlichen Sondergefälligkeiten beanspruchen, ehe der Film veröffentlicht ist. So zog ich das Geschäft dem Wissen vor und tat das Nächstbeste: Ich stieg auf meinen IO Hawk … habt ihr dieses Segway-Teil gesehen? … und sagte allen auf der Versammlung, die dieser nicht unähnlich war: „Es gibt nichts, das ich euch erzählen kann, was ihr nicht bereits wisst.“ … Menschen mögen es, wenn man ihnen sagt, sie seien klug … „Ihr seid solch eine illustre Gesellschaft und blablabla. Stattdessen lasst mich euch unterhalten, denn ihr alle verdient eine Pause.“ Und bevor die Organisatoren dazwischengehen konnten, warf ich schon mein Becken in ihre Gesichter und flüchtete mich in das einzig Intellektuelle, von dem ich was verstehe … den Lungi Dance. Ich kam damit durch, ohne gedemütigt zu werden … es zahlt sich immer aus, ein besserer Tänzer zu sein als die Werbetreibenden … und vor allem schienen sie sich gut zu amüsieren.

Doch das war eine Konferenz und dies ist eine Doktorwürde der renommierten Universität zu Edinburgh, also werde ich extra für euch versuchen, intelligent und erkenntnisreich zu klingen.
Eines der fünf Themen auf der Liste, die mir für meine heutige Rede zugesandt wurde, war ‘Lebenserfahrung’. Wozu auch immer es gut sein mag, jetzt geht’s los. Lasst mich ganz am Anfang beginnen.

Was immer mir das Leben beigebracht hat, kam aus Filmen. In der Tat haben die ersten paar Filme meiner Karriere und deren Titel schon nahezu all das ausformuliert, was ich vom Leben weiß, und auf diese Weise gebe ich dies an euch weiter.

Einer der ersten Filme meiner Karriere war ein Film namens Deewana … Kennt ihr die Story des Films? Ich rufe sie euch in Erinnerung …
Ich verliebe mich in eine Witwe, die ich im wahrsten Sinne des Wortes durch einen Unfall treffe, bei dem ich fast ihre Schwiegermutter töte. Dann heirate ich sie. Nicht die Schwiegermutter, sondern die Witwe. Die Witwe ist nicht sonderlich scharf auf die Heirat, denn sie liebt noch immer ihren verstorbenen Ehemann, und trotzdem heiratet sie mich.
Mein reicher, gemeiner Vater missbilligt diese Vereinigung und tut, was ein reicher, gemeiner Vater tut … er versucht, die Witwe umzubringen. Selbstverständlich bin ich von seinem Verhalten angewidert und nach einem zwei Seiten langen Hin und Her, bei dem ich bedeutsam klingende Urdu-Worte gebrauche, verlasse ich endgültig das Haus. Aus irgendeinem Grund, außer dem, dass ich freihändig auf meinem Motorrad fahre, habe ich einen Unfall. Als sie mich so verzweifelt und traurig in meinem Krankenhausbett sieht, verliebt sich meine Ex-Witwe-Ehefrau in mich … Total kranke Männer haben irgendwas an sich, was Frauen immer anzieht. Das habe ich gelernt. Je kränker, desto besser …
Daraufhin, wiederum durch eine Laune des Schicksals, rette ich einen Fremden vor einem Haufen Schläger, und er erweist sich, stellt euch vor, als der ursprüngliche Ehemann meiner Ex-Witwe-Ehefrau, der, trotz größter Bemühungen seines erbschaftshungrigen Onkels, nicht gestorben war. Nun entführt der böse Onkel mich und meine Ex-Witwe-jetzt-nicht-mehr-so-Ex-momentan-Ehefrau, um an seinen Neffen heranzukommen. Ich entkomme seinen Klauen und kehre mit dem untoten Mann meiner Frau zurück, um sie zu retten. Inzwischen ist sie … natürlich … an einer Bombe festgebunden, und … Denkt ihr, sie nehmen mir den Doktortitel wieder weg? … nach einer großzügigen Runde von Faustkämpfen und Geschrei ist der böse Onkel in Stücke gesprengt, und zwar von eben der Bombe, die er der statuskonfusen Dame des Films umgeschnallt hatte.
Doch nicht, bevor der sich opfernde Ex-Ehemann einen Kamikaze hingelegt, seine Ex-Ehefrau losgeschnallt hat und die Bombe hat hochgehen lassen, wobei er sich auch noch selbst tötet.
Alle Hindernisse aus der Welt geschafft, lebt unser Held mit seiner geliebten Frau bis an ihr Lebensende.

Ich bin nicht sicher, warum der Film Deewana hieß … was auf Hindi einen Wahnsinn netter oder romantischer Art beschreibt … aber ich habe das Gefühl, es hatte etwas mit demjenigen zu tun, der sich die Handlung einfallen ließ!
Hier also ist meine erste Lebenserfahrung, inspiriert durch den Filmtitel Deewana:
Wahnsinn netter oder romantischer Art ist ein absolutes Erfordernis für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Behandelt niemals eure kleinen Wahnsinnigkeiten als seien sie Verirrungen, die man vor dem Rest der Welt verstecken müsste. Erkennt sie an und nutzt sie, um euren eigenen Lebensweg des einzigen Lebens, das ihr habt, zu definieren. All die großartigsten Menschen der Welt, die kreativsten, diejenigen, die Revolutionen anführten, die Dinge entdeckten und erfanden, taten dies, weil sie ihre Eigenarten annahmen. Es gibt so etwas wie normal nicht. Das ist nur ein anderes Wort für leblos.

Bald nachdem ich in Deewana spielte, wurde ich zu einem glücklosen Helden in einem Film namens Chamatkar. Dieser Film hatte eine glaubwürdigere Handlung.
Ich werde von meinem besten Freund/Betrüger um all mein Geld betrogen und finde mich auf einem Friedhof schlafend wieder, nur um vom Geist eines ermordeten Mafioso geweckt zu werden. Einem Geist, den nur ich sehen kann und sonst niemand. Bei solchen Dingen bin ich sehr empfänglich.
Jedenfalls verhilft mir der Mafiosogeist durch seine geistliche Vermittlung zu einem Job als Lehrer. Ich verliebe mich … natürlich … in seine Tochter, deren Mutter verstarb, nachdem der Lakai des Mafioso sie betrog.
Zusammen organisieren der Geist und ich ein Cricketspiel … Ja, das habe ich schon gemacht, ehe ich eine Cricketmannschaft besaß … und sühnen die diversen Missetaten, die man uns antat, indem wir den Lakai und den Betrüger verprügeln, ihnen, weil wir ein gutes Herz haben, vergeben und uns dann jeweils dort hinbegeben, wo wir hingehören.
Er geht zurück ins Grab, und ich ziehe mit der Puppe von dannen.

Nun, Chamatkar heißt ‘Wunder’: Direkt und unkompliziert, ohne Zwischentöne. Meine nächste Lektion ist also die folgende: Wenn ihr euch jemals, all eures Geldes beraubt, auf einem Grab schlafend wiederfindet, fürchtet euch nicht, ein Wunder ist nahe.
Entweder das, oder ein Geist.
Alles, was ihr tun müsst, ist einzuschlafen! Mit anderen Worten: Egal, wie schlimm es wird, das Leben ist das Wunder, nach dem ihr sucht. Es wartet kein anderes hinter der nächsten Ecke. Entwickelt den Glauben daran, es seinen eigenen Kurs wählen zu lassen. Unternehmt alles, um bei seiner Schönheit zu bleiben und es wird euch nicht enttäuschen. Schöpft alle Mittel, die euch gegeben wurden – euer geistiges Können, die Fähigkeit eures Herzens, zu lieben und an denjenigen um euch Anteil zu nehmen, eure Gesundheit und euer Glück, alle aus den tausenden Geschenken, die das Leben euch gegeben hat – voll aus.
Ehrt bitte euer Leben. Ehrt jedes Geschenk und jeden Moment, indem ihr sie nicht veröden lasst. Es gibt auf dieser Welt keinen wahren Maßstab für Erfolg, außer der Fähigkeit, etwas Gutes aus euren Gaben des Lebens zu machen.

Manchmal kommen die Geschenke des Lebens auch in der verdammt falschen Verpackung an, und zu diesen Zeiten müssen wir lernen, zwei Dinge mit ihnen zu tun: Sie als das zu erkennen, was sie sind, und mit unseren Ängsten zu spielen, dass sie eventuell Desaster sind.
Dies bringt mich zu meiner dritten Lebenserfahrung, inspiriert von zwei Filmen, in denen ich den Antihelden spielte: Darr und Baazigar … Okay, diese beiden Geschichten werde ich euch nicht erzählen, ihr scheint sie ja zu kennen …

Vor zwanzig Jahren waren die Rollen in der indischen Filmbranche klar definiert. In gewissem Sinne bargen sie die Sicherheit deines Ruhms. Wenn man erfolgreich den ‘wütenden jungen Mann’ gespielt hatte, war man mit ziemlicher Sicherheit ‘wütend und jung’ für den Rest seines Lebens. Wenn man in drei Filmen ein Polizeiinspektor war, standen die Chancen günstig, dass man dies auch in den nächsten 33 war. Dies traf ebenso auf Schauspielerinnen zu: Ehefrauen waren Ehefrauen, Verführerinnen Verführerinnen, Schwiegermütter Schwiegermütter, und so weiter. Nur wenige Schauspieler wären mit Freuden von romantischen Helden zu obsessiv gewalttätigen Liebhabern übergegangen.

Ich ging das Risiko ein … nicht, weil ich besonders mutig gewesen wäre, sondern weil ein sehr guter Regisseursfreund von mir sich mit mir hinsetzte und sagte, ich sei extrem hässlich … Zwischenruf: „Sind Sie nicht!“ – Ich weiß. Heute weiß ich das …
Und hässlich zu sein bedeutete zwangsläufig, die Rolle des Bösewichts zu spielen. Er sagte, ich sei nicht der romantische Heldentyp, tatsächlich gebrauchte er die Worte, mein Gesicht sei nicht schokoladig/süß genug. Also fing ich an, Unmengen an Schokolade zu essen, und während ich wartete, dass sie wirkt, stürzte ich mich auf Bösewicht-Rollen.
Darr auf Hindi bedeutet Angst, und alle sagen euch in solchen Reden, dass man mutig sein soll, deshalb werde ich euch nicht mit dieser Idee langweilen. Stattdessen lasst mich folgendes sagen: Mutig zu sein, bedeutet, auf dem gesamten Weg zur Party einen Wahnsinnsschiss zu haben, … Sorry, wenn das Wort…ja, OK … sehr große Angst zu haben, und trotzdem hinzugehen, um vor allen Freunden deiner Teenagerkinder den Ententanz hinzulegen.
Lasst mich im Namen aller Väter der Welt, die ihre Kinder auf diese Weise blamiert haben, hinzufügen, es braucht viel Heldenmut, Entschlossenheit und Mumm, das zu tun.
Macht es einfach. Lasst eure Ängste nicht zu Kisten werden, die euch einschließen. Breitet sie aus, spürt sie und verwandelt sie in den größten Mut, zu dem ihr fähig seid. Ich verspreche euch, das kann gar nicht schiefgehen. Aber wenn ihr euer Leben von Ängsten bestimmen lasst, wird alles, was schiefgehen kann, schiefgehen, und dann habt ihr nicht mal den Ententanz hingelegt.

Wenn wir schon bei dem sind, was jeder euch erzählt, … Zwischenruf: „Tanzen Sie ihn?“ – Mach ich, für euch mach ich doch alles. Ich bin jetzt Doktor … Wenn wir also von Ängsten und Mut sprechen, lasst mich auch sagen, dass alles Planen in der Welt euch nicht dorthin bringen wird, wo ihr hin wollt. Es ist in Ordnung, nicht zu wissen, wo ihr heute in zwanzig Jahren sein wollt. Die meisten von denen, die das alles vorgeplant hatten, wurden ohnehin Banker … Oh sorry, das wird auf Youtube erscheinen. Das war’s also mit meinem nächsten großen Kredit für meinen Film von meinem freundlichen Banker in der Nachbarschaft …

Ich spielte in einem Film namens Kabhi Haan Kabhi Naa, einem meiner Lieblingsfilme, in welchem ich das Opfer der Verwirrung eines Liebenden war, und meine nächste Lektion ist genau das: Es ist okay, verwirrt zu sein. Verwirrung ist der Weg zur gesamten Klarheit der Welt. Macht euch keine allzu großen Sorgen darüber und nehmt euch selbst niemals ernst genug, dass ihr euch über eure eigenen Ideen so klar werdet, dass ihr die anderer Leute nicht mehr akzeptiert. Unsere Werte sind unsere Werte, sie machen uns nicht besser als irgendjemand anders, im besten Fall machen sie uns verschieden. Versucht immer, die Wahrheit des Anderen zu sehen, denn so wie jeder Film eine Geschichte birgt, birgt auch jeder Mensch eine und ihr habt kein Recht, euch vorzumachen, eure sei besser als die eines anderen. Ihr könnt diese Albernheit meinen hochverehrten Kollegen und mir überlassen!

Und wenn ihr dachtet, die letzten beiden Geschichten, von denen ich euch erzählt habe, waren durchgeknallt, kommt hier ein weiter Kandidat für den Oscar für das eigenartigste Drehbuch: Guddu. Guddu war mein Name in einem Film über Lieben und Geben, in dem ich im Grunde einen Unfall habe … Ja, schon wieder einer … Doch diesmal, statt beinahe meine zukünftige Schwiegermutter auszuknipsen, knipse ich die Augen meiner Freundin aus. Es gibt viele, verdrehte Nebenhandlungen, inklusive eines für mich lebensbedrohlichen Hirntumors, eines Rechtsstreits darum, Organe zu spenden, und Zu-Tode-Fastens meiner Mutter, währenddessen mein wissenschaftlicher Anwalts-Vater, meine religiöse Mutter und ich uns darum streiten, wer von uns seine Augen für meine blinde Freundin spendet. Am Ende erhole ich mich auf wundersame Weise, wie, weiß ich bis heute nicht, meine Mutter stirbt und spendet meiner Freundin ihre Augen und wir alle leben glücklich bis an unser Lebensende.

Lebenserfahrung Nr. 4 regt sich: Gebt von euch selbst an andere. Und wenn ihr schon dabei seid, stellt sicher, dass ihr erkennt, dass ihr niemandem irgendeinen Gefallen tut, indem ihr nett seid. Es geht nur um dieses hinterhältige, kleine Zwicken, das davon kommt, völlig mit euch selbst zufrieden zu sein.
Im Grunde seid ihr es immer selbst, die den größten Vorteil aus jeder freundlichen Tat oder Wohltätigkeit ziehen, die von euch ausgeht.
Das sage ich nicht, wie manche es sehen, in einem übertragenen oder karmischen Sinne. Es ist keine ‘Ich mach was Gutes, ich profitiere davon’-Gleichung mit einer weißbärtigen Person, die sich im Himmel Notizen macht. Es ist eine einfache Wahrheit. Eine gute Tat wird wertlos, wenn ihr euch selbst Pluspunkte dafür gebt, egal wie dezent ihr es euch erlauben mögt. So wohlwollend eure Geste auch sein mag, ein anderer hätte es genauso gekonnt. Ungeachtet dessen, wie reich, erfolgreich und berühmt ihr werdet, unterschätzt niemals die Güte, die andere Menschen euch zusprechen, nur weil sie die Empfänger eurer Freundlichkeit sind. Ihr mögt in der Lage sein, eurem Freund zum Geburtstag einen Rolls Royce zu schenken, doch ist dies kein Ersatz für das geduldige Mitanhören eurer trotzigen Schimpftirade an einem Frisurdebakeltag.

Manchmal passieren Dinge einfach, wie es im Filmtitel Kuch Kuch Hota Hai zusammengefasst ist. Und wisst ihr was? Manchmal ergeben sie nicht mal einen Sinn.
Meine fünfte Lektion ist also: Wenn das Leben euch mit all seiner strahlenden Wut trifft, wird euch der Rolls keinen Trost spenden. Die Güte eines Freundes schon. Und wenn ihr eine Lösung nicht so einfach findet, wie ihr es wollt, werdet nicht panisch. Alles entwickelt sich auf dem Weg.
Selbst Desaster lösen sich selbst auf. Gebt eurem Leben den Raum, in seiner eigenen Geschwindigkeit abzulaufen, schiebt es nur an, indem ihr nett zu euch selbst seid, wenn ihr leidet oder verzweifelt seid. Und ihr werdet in eurem Leben oft leiden und verzweifelt sein. Ihr müsst nicht immer alles herauskriegen oder eine Erklärung für die Umstände finden, in denen ihr euch befindet. Es ist vernünftiger zu akzeptieren, dass es manchmal einfach keine gibt.

Ram Jaane, ‘Weiß Gott’, wie es auf Hindi heißt, und die Worte, mit denen ein Priester meinem Waisenkind-Charakter auf die Frage antwortet, was denn mein Name sei, in einem Film mit der selben Bezeichnung.
Der Junge wühlte sich durch ganze drei Stunden Film, während er sich selbst nach diesem fatalistischen Ausdruck benannte, und warum nicht? Wer sagt, dass das, nachdem wir uns benennen, definiert wer wir wirklich sind? Und das ist Lektion Nr. 6: Alle Namen, die ihr euch selbst gebt, oder bei denen euch andere nennen, sind nur Etiketten. Sie definieren euch nicht, egal wie schmeichelnd oder unhöflich sie sind. Was euch wirklich definiert ist euer Herz.
Fragt The Artist Formerly Known As Prince, oder lest über ihn! Und lernt ein, zwei Dinge von ihm, wenn ihr dem wahnsinnig attraktiven, indischen Superstar nicht glaubt, der es euch erzählt. Ich sage das tatsächlich aus Erfahrung, denn wenn ich danach ginge, als was ich alles in den sozialen Netzwerken bezeichnet werde, wäre ich ein alter, verzweifelter, manipulativer War-einmal-Star, der sowohl hinter Männern als auch Frauen her ist, während er beschissene Filme macht.
Und das sind nur die netten Bezeichnungen.

Wenn ihr nicht Feuer und Flamme für etwas seid, wenn ihr kein Josh, wie man auf Hindi sagt, also ein Feuer im Innern habt, dann tut es auch nicht. Ihr würdet eure Zeit verschwenden und, noch wichtiger, die Zeit derer, die ihre Hoffnungen in eure Unternehmungen legen. Definiert euch neu, wenn ihr müsst, aber zu euren eigenen Bedingungen und macht weiter. Vergesst genau genommen nicht, wo ihr herkommt und wer ihr wirklich seid, wie es auch meine Figur in My Name Is Khan nicht vergaß. Das sollte euer Kompass sein, nach dem ihr durch die Wirren des Lebens navigiert. Der Norden, nach dem ihr euch orientiert, trotz einer Serie von Missgeschicken oder einer Fülle von Begünstigungen.

Einer der größten Hits, die ich gemacht habe, war ein unerwarteter, und zur Abwechslung war die Handlung weder abschweifend, noch völlig übergeschnappt. Ich war der Coach eines angeschlagenen Hockeyteams, das sich aufmachte, seine eigenen Probleme und Schwierigkeiten zu überwinden und eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Der Titel war Chak De, ein inspirierender Kriegsschrei, den Sikh-Soldaten benutzen, wenn sie Baumstämme heben, um daraus Brücken für ihre Feldzüge gegen ihre Feinde zu bauen. Er impliziert den Willen, immer weiter zu machen, was mich zu Lektion Nr. 7 bringt: Was immer es ist, das euch zurückhält, wird nicht verschwinden, solange ihr nicht aufsteht und mit aller Kraft euren eigenen Pfad in entgegengesetzter Richtung schafft. Hört auf zu jammern und bewegt euch sozusagen … das Kind hab ich nicht gemeint. Sorry. Sie darf jammern …
Traurigkeit und Glück haben die selbe Eigenschaft der Vergänglichkeit. Das Leben ist ein ausgewogener Wechsel des einen durch das andere. Und das ist Lektion Nr. 8: Knüpft euch an keines von beiden, denn beide ändern sich mit der gleichen Gewissheit. Nehmt sie im flüchtigen Geist ihrer Unbeständigkeit und bewältigt sie mit einer gesunden Dosis Humor. Lacht über euch selbst, wenn ihr verzweifelt, vergießt ein oder zwei Tränen, wenn eine meiner Filmhandlungen zu hysterischen Lachanfällen führt … Wir überlegten uns ernsthaft, Guddu seiner blinden Freundin ein Auge spenden und beide am Ende Augenklappe an Augenklappe in den Sonnenuntergang schlendern zu lassen …
Dann gab es noch Kabhi Khushi Kabhi Gham was bedeutet: Manchmal glücklich zu sein und zu anderen Zeiten traurig, ist eben die Schönheit eines vollkommen gelebten Lebens. Warum solltet ihr euch selbst betrügen, indem ihr eine Emotion anstrebt und eine andere verabscheut?

Wie ihr wisst, habe ich in mehr als 50 Filmen durchgehend mitgespielt. Wenn ich euch also zu jedem Titel auf eine Reise mitnähme, säßen wir für immer hier und ihr wärt am Ende fest eingeschlafen, daher werde ich mit meinen beiden letzten Lektionen enden … OK, Film Nr. 70 …

Lebt aus vollem Herzen. Dil Se. Liebt. Liebt Menschen, liebt die Welt um euch, liebt Tiere und Vögel, und große Städte und Berge, liebt Träume, liebt eure Arbeit und liebt mich auf ewig, liebt eure Freunde und liebt mich auf ewig, liebt eure Feinde und liebt mich auf ewig. Vor allen Dingen aber, liebt euch selbst.

Nehmt alles an, was das Leben für euch bereit hält, lasst euer Herz so tief sein wie der tiefste Ozean und so weit wie der fernste Horizont. Erkennt, dass es grenzenlos ist. Liebe ist kein Vorwand, etwas an sich zu reißen oder festzuhalten oder zu besitzen oder zu tauschen. Es ist die einzige Ausrede, die ihr je haben werdet, euch als besonders zu sehen. Und wenn jemand, den/die ihr liebt, euch enttäuscht, werft euch nicht vor, ihm/ihr nicht zu trauen. Werft euch vor, eurer Liebe nicht genügend zu trauen, um seine/ihre Fehltritte zu vergeben.

Man weiß nie, was die Zukunft bringt, ob es ein Morgen geben wird oder nicht.
Ich starb in einem schockierend jungen Alter in einem Film namens Kal Ho Na Ho, der genau das ausdrückt. Und im Film war ich nicht mal Raucher! … Mir wurde gesagt, es seien Kinder hier, also kann ich nicht so oft auf solche Dinge eingehen und reiße mich zusammen …
Meine beiden älteren Kinder habe ich das Ende nie sehen lassen. Ich habe Karan gebeten, extra für sie alternative Enden zu drehen. Doch nun sind sie erwachsen, so wie ihr, und wie ihr alle werden sie bald zu ihrer eigenen wundersamen Reise aufbrechen. Statt zu versuchen, sie vor dem Leben zu beschützen, ergreift mein weiseres und älteres Selbst jede Chance ihnen zu sagen: Lebt so unnachgiebig ihr könnt in diesem Moment. Lebt jetzt. Lebt heute. Ihr werdet es mit euren jugendlichen Augen nicht sehen, doch JETZT habt ihr so viel Zeit, wie ihr sie später nie wieder haben werdet. Denn morgen werden wir alle tot sein. Und für den Fall, dass es keinen Kreislauf der Wiedergeburt gibt, warum ein Risiko eingehen?
Ich will dies nicht mit einem zynischen Gedanken beenden, indem ich euch an die Gegebenheiten des Todes erinnere. Ich möchte euch alle wissen lassen, wie wichtig euer Heute, euer Jetzt ist. Lernt eisern. Arbeitet hart. Spielt härter. Lasst euch nicht durch Regeln binden, verletzt niemanden, werdet nie erwachsen, und lebt niemals den Traum eines anderen. Denkt daran, so oft ihr auch falsch liegt, egal wie oft ihr versagt, verzweifelt oder euch fühlt, als sei die ganze Welt gegen euch … wie Bob Marley sagte … am Ende wird alles gut.
Und wie ich sage: „Hindi-Filme sind wie das Leben, am Ende wird alles gut. Und wenn nicht, dann ist es noch nicht das Ende. Der Film ist noch nicht zu Ende, meine Freunde.“

Nehmt es als die einzige Wahrheit, die ihr wissen müsst: Am Ende wird alles gut. Nehmt es an und glaubt daran, denn … und das ist die volle Wahrheit … derjenige Schauspieler der es am unwahrscheinlichsten in Bollywood hätte schaffen können, erzählt es euch, der romantischste Held, der kein Bisschen nach Schokolade aussieht und auch nicht danach schmeckt.

Vielen Dank, ich wünsche euch allen das Beste im Leben. Das sind die einzigen Lebenserfahrungen, die ich euch mitgeben kann und nun bin ich offen für Fragen, die ihr mir vielleicht stellen wollt. Ich habe keine Ahnung vom hiesigen Protokoll …

Übersetzt von @Tuilere