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THiNK Fest 2012 – November 2012

Posted: February 26, 2016 in 2012

 

Shah Rukh:
Danke, vielen Dank allerseits.
Ich habe schon für viele Rollen vorgesprochen, doch als das Vorsprechen für THiNK stattfand, wurde ich sofort von Shoma durchgewunken, als ich sagte „Hier kommt Mohabbat Man“ (aus Om Shanti Om). Von wegen „Dieser Kerl ist schlau, den müssen wir für THiNK haben.“
Danke Shoma, Tarun, Nina, und allen, die hierin involviert sind.
Jap, das war’s.

Bevor ich also loslege, muss ich sagen, dass mir von meinem ältesten Freund Sanjoy gesagt wurde, dies sei eine intelligente Versammlung …

Shoma:
Du hast Dich tatsächlich darauf vorbereitet! Ich war fassungslos, als mich Shah Rukhs Kollege anrief und sagte, Shah Rukh wisse gern, worüber wir reden wollten und ob es irgendwelche Fragen gäbe. Und ich so „Äh, seit wann will Shah Rukh vorab Fragen wissen?!“

Shah Rukh:
Ja, ich bin vorsichtig geworden, denn Du weißt nie, was man über Dich schreiben wird. Jetzt fürchte ich mich ein wenig davor was ich sage, daher habe ich vorab etwas geschrieben. Ist es in Ordnung, wenn ich es vorlese oder … ?

Shoma:
Ja, aber können wir zuerst das Gespräch führen? Hast Du Dein Buch mitgebracht? Ich wollte einfach …

Shah Rukh:
Deshalb gehe ich nirgends hin, wo Stars weniger zu sagen haben als die Moderatoren, also wirklich Shoma …
Nun bin ich aber schon mal da, also gebe ich Dir die Erlaubnis, okay?

Shoma:
Als ich Dich bat, hierher zu kommen, sagte ich Dir, ich möchte unserem Publikum das einzigartige Erlebnis bieten, etwas darüber zu erfahren, dass Shah Rukh dabei ist seine Autobiografie, seine Memoiren zu schreiben. Vor etwa zwei Jahren trafen wir uns und er teilte einige Ausschnitte daraus mit mir, welche unheimlich bewegend waren. Es waren Aspekte von Shah Rukh, die man nicht wirklich oft zu sehen bekommt.
Und dies soll das Grundgerüst des heutigen Abends sein: Die private und öffentliche Reise dieses Traumfängers.
So würde ich gerne in das Gespräch mit Dir einsteigen Shah Rukh.
Der Teil, den ich las, handelte von Deinen Eltern. Beide hatten großen Einfluss darauf, was aus Dir geworden ist. Trotzdem waren die beiden sehr unterschiedliche Menschen. Dein Vater war ein Freiheitskämpfer, ein Idealist, ein sehr versierter und doch armer Mann, Deine Mutter war mehr Pragmatikerin.
Kannst Du uns erklären, was sie für Dein Leben bedeuteten und wie sie Dich auf unterschiedliche Weise beeinflussten?

Shah Rukh:
Ja, mein Vater… Im Buch… an dem ich noch immer schreibe, obwohl ich damit anfing, als ich nach 4, 5 Jahren begann zu glauben, ich könnte mich 10 Jahre in der Filmbranche halten. Also schrieb ich ein Buch mit dem Titel Twenty Years of a Decade (Zwanzig Jahre eines Jahrzehnts), weil ich das Gefühl hatte, 20 Jahre in 10 gezwängt zu haben. Ich bin ein wenig langsam dabei und habe es noch immer nicht abgeschlossen. Nun arbeite ich seit 22 Jahren und das Buch ist nicht komplett …
Der Teil des Buches, den ich Shoma zu lesen gab, behandelt die innige Enthüllung, dass ich denke, mein Vater sei der erfolgreichste Fehlschlag der Welt.
Und ich bin sehr, sehr stolz auf ihn.

Ich erinnere mich an ihn als einen sehr sanftmütigen Menschen, über 1,80m groß, sehr paschtunische Erscheinung, mit grauen Augen, braunem Haar, sehr gutaussehend. Auch an unsere erste gemeinsame Reise nach Peschawar erinnere ich mich. Wisst ihr, die ganze Familie war um 1,90m groß, sehr hellhäutig, sehr schön. Die Familie traf mich, als ich etwa 14 war. Alle sahen mich an und sagten „Ts ts ts, was ist das denn? Das ist aber ein winziger Paschtune!“ Die Art von Paschtune bin ich.
Er lehrte mich vieles.
Er starb, als ich 15 war, und während die Jahre vergehen, erinnere ich mich an Dinge, die er mir erzählt hat.
Einmal nahm er mich mit, um einen Film zu schauen, ohne mir zu sagen, dass wir fast kein Geld mehr hatten. Finanziell lebten wir in der unteren Mittelschicht, hatten dafür also kein Geld. Wir fuhren mit Bussen durch Delhi, und da wir fast pleite waren, kaufte er uns Mumfali, setzte sich mit mir neben einen Kreisverkehr und sagte „Mein Junge, es hat etwas sehr Schönes, die Autos zu beobachten.“

Meine Mutter, die aus Hyderabad stammte, und, pragmatischer war, gesprächiger und lauter, meinte nur, was ihm einfiele, mir etwas zu versprechen, was sie sich nicht leisten könnten.
Nachdem er gestorben war, widmete sie ihr Leben völlig uns.
Die Essenz meiner Eltern war, dass sie nicht wussten, was später aus uns werden würde. Mein Vater war nichtpraktizierender Jurist, denn er sagte, er könne nicht lügen. Sorry, wenn heute Anwälte hier sind …
Er war der jüngste Freiheitskämpfer dieses Landes, meine Mutter war richterliche Beamtin, voller Tatkraft und Enthusiasmus.
Nach seinem Tod folgte sie weiter seinem Traum, uns Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen, denn eine gute Bildung führe zu einem guten Leben.
Ich habe natürlich meine ganze Bildung verschwendet, habe zuerst Wissenschaften studiert, Ökonomie und dann noch meinen Master in Massenkommunikation gemacht, nur um ein Filmstar zu werden! Die Abschlüsse sind wenig hilfreich wenn man Chammak Challo tanzt.

Das ist also meine Erinnerung an die beiden. Ich denke, ich habe die Angst vor dem Versagen von ihm übernommen, welche ich ihn oft habe durchmachen sehen. Ich wollte nicht wie er scheitern. Wenn ich meinem Sohn verspräche, einen Film zu sehen, wollte ich mit ihm einen Film sehen und nicht die Autos im Kreisverkehr. Und doch war auch das toll.
Von meiner Mutter habe ich die Energie und den Enthusiasmus, den sie an den Tag legte, um Geld zu verdienen, damit sie sich um uns kümmern und uns Bildung verschaffen konnte.

Sie beide starben als sie zwischen 49 und 50 Jahren alt waren … Vorgestern bin ich 47 geworden, der Gedanke daran ist daher ein wenig furchterregend …
Ich denke, dies alles macht mich zu einem pragmatischen, praktischen Poeten, zu einem sehr kommerziellen Dichter, zu jemandem, der meines Vaters Träume hat, so sanftmütig ist wie ich … ungeachtet des Vorfalls mit dem Cricket Verband Mumbai (MCA) …

Shoma:
Darauf kommen wir noch zurück!

Shah Rukh:
Ja ja, okay.
Nun, ich bin gläubig, ein wenig idealistisch, utopisch, nachdenklich und sanftmütig wie mein Vater.
Doch ich möchte diese Dinge denken, all diese Gedichte schreiben, und zugleich genug zu Essen, ein gutes Auto und ein schönes Haus haben. Ich mache mich also weder über mich selbst lustig, noch missbillige ich mein Leben, wenn ich sage, in gewisser Weise Kapitalist zu sein. Ich bin einfach nur ein Überlebenskünstler, der ein gutes Leben und gute Gedanken haben möchte. Meiner Meinung nach sollten alle jungen Leute daran glauben. Wenn man eines davon isoliert … Ich habe viele Redner hier über ihre großartige Arbeit sprechen hören, alle hochgebildet und beruflich in hohen Positionen, die alles hinter sich lassen, um sich einer guten Sache zuzuwenden, die ihnen viel bedeutet. Ich würde so etwas gerne tun, doch um ehrlich zu sein, möchte ich dies mit dem Geld tun, welches ich mit diesem kapitalistischen, ungeschönt geschäftsmäßigen Job verdiene, dem ich nachgehe.
Die Dinge, die meine Mutter und mein Vater vorgelebt haben, habe ich übernommen, und ich vermisse sie noch immer sehr.

Shoma:
Shah Rukh, Dein Vater hat damals hinter der Nationalen Schauspielschule eine Teeküche geführt und ihr wurdet einmal aus eurem Haus geworfen, weil ihr die Miete nicht bezahlen konntet …

Shah Rukh:
Erzählst Du hier jetzt alles über mich? Ist das eine verdeckte Ermittlung, ja?!

Shoma:
Die Sachen hast Du mir erzählt, und das ohne irgendwelche Verschwiegenheitsklauseln …
Ich frage Dich all dies, weil es sehr dazu beitrug, welcher Mensch aus Dir wurde. Manches davon erkennt man auch in den Tweets, die Du um 3, 4 Uhr morgens schreibst, und nicht, wenn man Dich auf der Bühne oder der Leinwand sieht.
Vor einigen Jahren sagtest Du in einem Interview, dass Deine Mutter unter schwierigen Umständen verstarb und Deine Schwester ebenfalls eine tägliche Erinnerung daran sei, dass Du nicht das Leben führen kannst, das Deine Mutter und Dein Vater führten. Kannst Du das, was tatsächlich passierte, mit uns teilen, denn vieles davon spielte für Dich eine Rolle, zu dem Superstar zu werden, der Du bist.

Shah Rukh:
Ja, mein Vater starb an Kehlkopf- und Leberkrebs. Angefangen hatte es mit Kehlkopfkrebs und ich erinnere mich an seine letzten Tage. Er konnte nicht sprechen, also unterhielten wir uns pantomimisch. Erst schrieb er Dinge auf, dann ging das nicht mehr, also gab er uns Zeichen … Ruf an … kleine/n … Bruder oder Schwester.
Das war im All India Institute of Medical Sciences.
Und wie jeder Vater liebte er seine Tochter. Sie war wunderschön. Jeder meinte, sie sähe aus wie Jane Fonda … Meine ganze Familie ist wunderschön. Nur damit ihr’s wisst …

Kurz bevor mein Vater starb, ging es ihm besser. Eines Nachts kam er wieder ins Krankenhaus und dann war er tot und kalt. Seine Füße waren sehr kalt. Ich berührte seine Füße und er sah sehr friedvoll aus, aber gar nicht mehr wie der hübsche Paschtune, der er gewesen war, er war abgemagert.
Ich war 15 und hatte noch nie ein Auto gefahren. Meine Mutter und ich setzten uns in unser Auto, das unser Fahrer nach langem Warten am Straßenrand hatte stehen lassen, und ich fuhr einfach nach Hause. Als wir zu Hause ankamen sagte sie „Wann hast Du denn Autofahren gelernt?“ und ich antwortete „Gerade eben.“
Meine Schwester war auf dem Lady Shri Ram College und wir hatten ihr nicht gesagt, dass Vater verstorben war.
Ich erinnere mich daran, sie abgeholt zu haben … Und weil ich ein Seelen-verkaufender, nach Gewinn strebender Schauspieler bin, werde ich auch dies eines Tages schamlos in einem Film verwenden … 99% der Dinge, ich so schamlos in Filmen verwende, sind Erfahrungen, die mir viel bedeuten, und irgendwie lehrte mich das Leben, dass es in Ordnung ist, meine innigsten Gefühle gewinnbringend vorzuführen. Nicht, um damit Geld zu machen, es ist einfach okay. Es ist ein Leben.
Also werde ich auch dies verwenden …

Ich erinnere mich, wie meine Schwester vor der aufgebahrten Leiche unseres Vaters stand, sie einfach nur anstarrte. Sie weinte nicht, sie sagte nichts, sie fiel einfach um und schlug mit dem Kopf am Boden auf. Die folgenden zwei Jahre weinte und sprach sie nicht, sie starrte einfach vor sich hin. Es veränderte unser Leben.
Gott sei Dank geht es ihr nun besser, doch noch immer hat sie in paar Probleme.
Während der Dreharbeiten zu Dilwale Dulhania Le Jayenge kam sie wieder ins Krankenhaus und man sagte mir, sie würde nicht überleben. Also nahm ich sie mit in die Schweiz und ließ sie dort behandeln, während wir Tujhe Dekha To Yeh Jana Sanam drehten.
Doch sie ist nie völlig genesen, hat nie den Tod ihres Vaters verwunden, die Plötzlichkeit seines Todes. Und dies verschlimmerte sich dann, weil unsere Mutter zehn Jahre später verstarb. Wir sind also, wie man es bei Moslems nennt, Vater- und Mutterlos.
Wenn ich an sie zurückdenke, vor allem in der Zeit zwischen dem Tod meines Vaters und dem meiner Mutter, erlangte sie eine hohe Bildung, sie machte ihren Abschluss, sie war sehr intelligent, wie meine Eltern es sich auch für sie gewünscht hatten.
Doch sie konnte sich der Realität, ihre Eltern zu verlieren, nicht stellen.

Und ich habe irgendwie diesen Sinn für Abstand entwickelt, diesen Sinn für falsche Angeberei, welche ich in der Öffentlichkeit zeige, sowie einen Sinn für Humor. Und viele Dinge, von denen die Leute glauben, sie seien übertrieben und sehr bollywoodmäßig, tue ich, um die Traurigkeit zu verstecken, die mein Leben beeinflusst, und nicht wie meine Schwester zu werden.
Ich liebe meine Schwester genauso wie sie ist. Sie ist ein viel besserer Mensch als ich es je sein könnte. Ich denke, sie ist ein Kind Gottes und sehr naiv und unschuldig. Meine Kinder lieben sie mehr als mich und meine Frau, und ich bin froh, dass sie auf diese Weise Teil unseres Lebens ist.
Aber ich habe nicht den Mut, so arglos, so verletzt, so verstört zu sein. Daher arbeitet ein Teil von mir rund um die Uhr, bleibt trotz vieler Dinge, die über mich gesagt werden, fröhlich, oder scherzt über die Dinge, die ich tue und tut sie trotzdem. Denn täte ich das nicht, wäre ich im selben depressiven Zustand.
Um dieser Depression aus dem Weg zu gehen, schauspielere ich. Es ist so viel mehr als nur das Geldverdienen, ein großer Star zu sein, Werbung zu machen oder auf Hochzeiten zu tanzen, worüber ich Witze mache, und das ist die nüchterne Wahrheit.
Ich denke, das war gerade das Ehrlichste, was ich je im Leben zu jemandem gesagt habe.

Shoma:
Würdest Du, ehe wir diese zentralen Vorfälle Deines Lebens hinter uns lassen, die Dich weiterhin verfolgen, den Ausschnitt über den Tod deines Vaters mit dem Publikum teilen? Hast Du ihn dabei?

Shah Rukh:
Sorry, ich habe ihn auf meinem Laptop. Ich habe versucht, einiges auszudrucken, aber technologisch sind wir noch immer ein wenig herausgefordert.

Shoma:
Das letzte Mal hattest Du ihn auf Deinem Kindle …

Shah Rukh:
Ja, ich bitte darum, mir meinen Laptop herzubringen. Dauert nur einen Moment …

Shoma:
Wir kommen darauf zurück.

Shah Rukh:
Hab ich’s mit meiner Desorganisation jetzt total verbockt?

Shoma:
Nein!

Shah Rukh:
Ah, da kommt er schon … Okay, das ist sehr klein, aber ich versuch’s.
Dieses Kapitel trägt den Titel Der Zug nach Pakistan.

Endlich begriff ich, dass das Leben kein Test mit Zeitvorgabe ist, dessen Ziel aus einer Liste von ‘Sollte, Könnte, Würde’ besteht, die am 01. Januar vorliegt und komplett richtig ausgefüllt als perfekt angesehen werden kann.

Ich habe Zitate von anderen aufgenommen, mit denen ich meine Kapitel beginne. Das ganze Kapitel werde ich nicht vorlesen, das würde euch nur langweilen, aber ich lese den Abschnitt, in dem mein Vater mich nach Peschawar mitnahm. Wir reisten immer über Amritsar, liefen von dort bis nach Lahore, wo ich auch einen Film namens Veer Zaara gedreht habe. Das brachte viele Erinnerungen zurück und ich weinte dort, weil ich auch mit meinem Vater dort gewesen war.
Ich lese euch den letzten Teil vor, in dem mein Vater mich zum zweiten Mal mitnahm. Jedes Mal erzählte mir mein Vater viele Geschichten darüber, wie wunderschön seine Heimatstadt gewesen war.
Zur Zeit meiner Geburt hatte mein Vater geschäftlich kein leichtes Leben. Meine Mutter, wie Ehefrauen eben manchmal sind, hatte öfter was daran auszusetzen. Daher musste er wohl seine Vergangenheit besuchen, um mir erzählen zu können, wie schön es gewesen war, und er nahm mich zwei Mal mit nach Peschawar. Dies ist der zweite Besuch in 1980, von dem ich den letzten Teil vorlese.

1980 brachte mich mein Vater nochmals nach Peschawar. Auch das zweite Mal sollte ebenso spannend werden. Doch ohne dass ich es bemerkte, ging etwas anderes direkt vor meiner Nase vor sich. Ein Freund meines Vaters sagte mir, all diese Nettigkeit meiner Verwandten hätte nur den Zweck, meinen Vater dazu zu bewegen, seinen Besitzanteil auf sie zu übertragen.
Noch immer glaube ich einfach nicht, dass das wahr ist. Doch mein Vater schien entmutigt, als wir nach Indien zurückkehrten. Er war immer sehr stolz auf seine Familie und deren Errungenschaften gewesen, doch im Nachhinein denke ich, das Wiedersehen mit seiner Familie war nicht so gut gelaufen, wie er es sich vorher ausgemalt hatte.

Er war ein sehr liebevoller und sanftmütiger Mensch, der uns niemals angeschrien oder gescholten hatte. Seine Heimat hatte er mit 16 verlassen und dann verzweifelt versucht, in Indien etwas auf die Beine zu stellen. Ich denke, dass er manchmal, wenn er das Gefühl hatte, seine Pflichten gegenüber seiner Familie in Indien nicht erfüllt zu haben, Mut darin fand, dass seine Familie in Pakistan ihn gut erzogen hatte und er wieder aufstehen würde. Vielleicht war seine Heimreise ein Versuch, diese Entschlossenheit aufzufrischen, und er nahm seinen kleinen Sohn mit, um ihm seine Abstammung zu zeigen.
Ich denke, es war wie das Wiederaufsuchen seiner Vergangenheit, um sie seiner Zukunft einzugeben. So wie man seine Schritte zurückverfolgt, wenn man sich verirrt hat, um herauszufinden wo man falsch abgebogen ist.
Aber die Vergangenheit hatte sich mit der Zeit verändert. Für ihn war es nicht die gleiche. Die Erinnerung an all die Anekdoten und guten Zeiten, die er über die Jahre gesammelt hatte, schien durch das Gezänk und den Streit um etwas so Kleinliches wie die Überschreibung seiner Besitzanteile befleckt.
Mitgenommen hatte er seinen Sohn, um ihm seine stolze Vergangenheit zu zeigen, doch die Vergangenheit war nicht da. Und was davon übrig war, war nichts, worauf man hätte stolz sein können.
Anstatt zu erkennen, wo er falsch abgebogen war, wurde ihm klar, dass der Beginn an sich ein Fehler war. Er war zu weit gegangen, um von vorne anzufangen. Keine Seite schien ihm zu gehören. Er befand sich im Niemandsland. Ich erinnere mich daran, dass er weinte, als wir das Niemandsland zwischen Pakistan und Indien durchquerten, und ich hatte Mitleid mit ihm.
Wie wenig ich damals ahnte, dass ich bald nach unserer Rückkehr anfangen sollte, Mitleid mit mir selbst zu haben.
Mein Vater begann zu sterben.

Das passierte im Niemandsland zwischen Indien und Pakistan, und er sagte etwas zu mir … Ja, ich weiß, es gibt einige verwirrende Diskussionen über Indien und Pakistan und ich kann damit leben, wenn dies zu irgendeiner Art von Kontroverse führt …

Er erzählte mir, dass das Essen besser sei, Freundschaft und Liebe größer seien und, aus irgendeinem Grund, der Bambus in Peschawar besser sei. Ich habe nie herausgefunden ob das stimmt.
Aber man glaubt dem eigenen Vater was immer er sagt, also werde ich mich bis zu meinem Todestag daran erinnern, dass der beste Bambus aus Peschawar kommt.
Ich erinnere mich, dass er durch das Niemandsland lief und zu weinen begann, und ihr wisst ja, für ein vierzehn-jähriges Kind ist es eine Megasache, seinen Vater weinen zu sehen.
Ich sagte „Aber es war sehr schön. Dein Land.“ Und er antwortete „Eigentlich fühle ich mich, als wäre weder das eine noch das andere mein Land. Dies ist mein Land.“ Das Niemandsland also, welches er durchquerte. Er spürte, er hatte es hier nicht zum Erfolg gebracht und auch seine Vergangenheit sei wohl nicht gut genug, um seinem Sohn das Vorbild zu sein, das er sein wollte.

Dieser Besuch, so glaube ich … Nicht wegen seiner Cousins und Brüder, das wäre eine kindliche Sichtweise … Ich glaube, es hat ihn völlig fertig gemacht, dass beides ihn nicht weiterbrachte, weder das Vergangene noch das Zukünftige. An diesem Tag, als wir zurückliefen, starb er wohl, denn er verstarb etwa drei Monate danach. Wir kamen nach Hause und er wurde krank.
Trotz all der Leute, die mir aus politischen Gründen nahelegen, nicht nach Pakistan zu gehen, habe ich andere Gründe die ein wenig persönlicher sind.

Shoma:
Danke, dass Du das mit uns geteilt hast, Shah Rukh.
Wir werden uns einigen der frühen Jahre nochmals zuwenden, aber da gab es einen weiteren, interessanten Abschnitt in Deinem Leben. Der Kerl, der Du in Delhi warst und der Mann zu dem Du in Mumbai wurdest sind zwei sehr verschiedene Menschen. Kannst Du uns erzählen, welche Art von Student Du warst und wie Du Dich zum Superstar entwickelt hast?

Shah Rukh:
Nein, ich war schon immer so, sehr elegant, immer im Dolce & Gabbana Anzug und äußerst gebildet. St. Stephens wollte, dass ich bei Ihnen studiere, aber ich sagte „Pfff, nein!“
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich habe keine Ahnung, wie viele der Leute auf dem THiNK Fest aus Delhi kommen, die würden das verstehen.
Sind viele aus Delhi hier?

Okay … Ich bin ein Junge aus Delhi, habe also viel von Delhi in mir. Ich bin, und das ist nett gemeint, ein Delhi-Rowdy. (Gibt einige Machosprüche aus Delhi zum Besten.) So einer war ich, so wuchs ich auf, dann war ich auch noch in einer irischen Schule, befand mich also im Zwiespalt. Auf der einen Seite sprach man sehr hochgestochen, musste sich korrekt benehmen, morgens sagten wir das Morgengebet … „Und Ihre Schuhe glänzen nicht, Mr. Khan!“ … Selbst damals wurde ich schon Mr. Khan genannt. Tatsächlich wurde ich Mr. Shah genannt, weil wir bis man 18 ist, den Nachnamen weglassen. Daher war mein Name Shah Rukh und meine irischen Brüder dachten, mein Nachname sei entweder Shah oder Rukh. Deshalb „Mr. Shah!“ Für einen Teil meiner Jugend war ich also Gujarati.
Ich habe Hockey gespielt und in Delhi kämpft eben jeder für seine Rechte … auf nette Art.

So wuchs ich auf und als ich nach Mumbai kam geriet ich in eine Menge Streitigkeiten, ich verstand einfach diesen Berühmtheits-Krempel nicht. Ich komme aus Delhi, da muss sich jeder gut benehmen. Das tue ich auch und bin sehr höflich, weil ich eben so erzogen wurde, nicht zuletzt in St. Columba’s. Also habe ich gute Manieren und verstand damals die Unverschämtheiten nicht.
Ich erinnere mich, dass ich gerade in Mumbai angekommen war und eine Zeitschrift setzte mich auf ihr Cover mit der Schlagzeile, dass ich … wie sagt man das anständig hier bei THiNK? … naja, dass es zwischen mir und einer Schauspielkollegin zu körperlichen Handlungen gekommen sei. Und das stimmte nicht!

Shoma:
Sooo anständig musst Du nicht werden …

Shah Rukh:
Okay … dann eben dass ich ihr das Hirn rausgevögelt hätte.
Ich bitte meine irische Schule um Verzeihung.
Das ist dieser Delhi-Rowdy-Teil.
Sie hatten es geschrieben und ich verstand es nicht. Ich war frisch verheiratet. Meine Frau hatte ich kennengelernt, als sie 14 war und als wir heirateten war sie 22. Sie war sehr beunruhigt, als ich beschloss Schauspieler zu werden, weil man allerlei Dinge über die indische Filmbranche hörte und darüber, was Schauspieler eben so trieben abgesehen vom Filmdreh.
Und da kam dieser Artikel raus! Ich konnte nur beteuern, dass das alles nicht stimmte. Also rief ich die Herausgeberin an und wollte wissen, warum sie so etwas geschrieben hatten. Sie meinte „Shah Rukh, es ist ein Scherz.“
„Aha, ein Scherz! Ist aber nicht witzig! Lady, hören Sie mich etwa lachen?!“
Natürlich brach dabei der Delhi-Rowdy durch … Das Ganze war wohl nicht ihr Fehler, doch ich glaube sie verstand nicht, was ich da von mir gab, weil ich in Delhi-Sprache loslegte.
Damals geriet ich oft in Schlägereien, ich habe Leute verprügelt und habe einige richtig üble Dinge getan, was für Delhiites vollkommen natürlich ist. Sie wissen halt nicht, dass es in anderen Teilen des Landes als übel erachtet wird.
Eingesperrt wurde ich auch.

Mein Schwiegervater hatte mir, wie es bei Punjabi-Hochzeiten üblich ist, ein Schwert geschenkt, als ich meine Frau Gauri heiratete. Dieses Schwert habe ich zum Haus des Reporters mitgenommen …

Shoma:
Jetzt übertreibst Du aber …

Shah Rukh:
Nein, mein Schwiegervater – ein Armeeoffizier – hatte mir gesagt „Sohn, beschütze immer meine Tochter!“
Niemand hatte etwas über seine Tochter gesagt, aber ich dachte, es sei eine gute Waffe und sie ist von der indischen Armee, also ging ich so zu diesem Reporter hin.
Es war ein junger Mann, der inzwischen nach Vancouver gezogen ist. Nun, da ich ein Gentleman bin rede ich auch wieder mit ihm.

Er saß da, in seinen Shorts, Kollegen und Familie um ihn versammelt, und ich nahm das Schwert – eigentlich ein Kukri (schweres Messer), nicht mal ein Schwert – ich nahm das Kukri und steckte es zwischen seine Beine … Keine Ahnung, warum ich das tat. Aus heutiger Sicht war ich ein solcher Idiot …
Ich sah seine Eltern an und sagte so etwas wie „Ich schlitze ihn auf!“ und dieses alte Pärchen saß einfach da und verstand nicht was vor sich ging. Sie sahen ihn an als wollten sie sagen „All diese Leute sind zum Abendessen auf einen Plausch gekommen. Warum führt sich dieser Herr so auf, Sohn? Und warum tut er dies mit einem Schwert zwischen deinen Beinen?“
Das brachte mir große Schwierigkeiten. Ich denke, ich habe mein Delhi-Ding durchgezogen und das gleiche Vokabular wie bei der MCA-Sache benutzt … „Ich werde Dich lebendig begraben!“ und so weiter … Dann zog ich von dannen und dachte ich hätte gewonnen. Am nächsten Tag, an dem ich für einen meiner Lieblingsfilme Kabhi Haan Kabhi Naa eine komische Mafioso-Szene drehte, tauchten sehr nette Polizisten auf. Sie sprachen mit mir, machten Fotos mit mir, und meinten dann, ich müsste zur Vernehmung auf die Wache kommen.

Meine Mutter war, wie gesagt, richterliche Beamtin, und damals in Delhi war ich oft im Gefängnis. So was funktionierte in Delhi, man konnte einfach anrufen und sagen „Meine Mama ist Beamtin!“ Bei einigen Prügeleien holte meine Mutter mich aus dem Knast.
Nun war sie nicht mehr am Leben, man nahm mich nach 18 Uhr mit auf die Wache, und um die Uhrzeit kommt man nicht mehr auf Kaution raus.
Ich erinnere mich an Inspektor Khan, einen echten Gentleman. Damals ging ich also in sein Büro … Da war der Stuhl, ich stand hier und stolzierte rüber – so ging man eben in Delhi – und wollte mich gerade setzen und fragen was los sei, als er mich anblaffte „Bleib gefälligst stehen!“
Mir schoss nur durch den Kopf „Und gerade heute ist meine Mama nicht mehr da.“
Er steckte mich also für eine Nacht hinter Gitter und erlaubte mir den einen Anruf. In dem Moment begriff ich, dass ich zum Hindifilm-Helden geboren bin, denn anstatt meine Familie, meine Freunde oder meinen Anwalt – hätte ich denn einen gehabt – anzurufen, rief ich den Kerl an, der mich angezeigt hatte.
Ich sagte ihm „Wegen Dir bin ich also im Knast, du Arsch! Das kriegst Du zurück!“ … Ah, krieg ich dafür Ärger? Indien gegen Korruption wird meine Akte nicht rausholen und mich wieder einsperren? …
Ich fuhr wieder zu seinem Haus, vor dem Polizisten standen. Einen davon schnorrte ich um Feuer an und er war sehr nett und zündete mir die Zigarette an.
Dann sah ich diesen Reporter an und sagte zu ihm „Jetzt krieg ich Dich. Und das wird unschön.“ Ich bedrohte eigentlich jeden aus seinem Büro.
Man nahm schließlich meine Fingerabdrücke und Inspektor Khan sagte mir „Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt genießt.“ Also beschloss ich mit meiner Rache zu warten. Zwischenzeitlich war der Kerl dann nach Vancouver abgehauen.

Die ganze Sache war mir sehr peinlich und ich beschloss mich zu ändern, auch weil meine Frau sehr beunruhigt war.
Nana Patekar holte mich übrigens damals aus dem Knast. Das war an einem Wochenende. Es gibt wohl einen Gesetzestext, der es erlaubt, auch zu dieser Zeit auf Kaution frei zu kommen.
Ich habe versucht, anständig zu sein und inzwischen habe ich mich geändert. Nun bin ich hoffentlich mehr derjenige mit der Erziehung aus der irischen Schule als der Delhi-Universitäts-Hockeyspieler.

Shoma:
Manchmal kommt der Delhi-Rowdy noch zum Vorschein …

Shah Rukh:
Wisst ihr, ich fühlte mich wirklich schlecht, weil manche Leute anfingen zu sagen, es wäre meine Midlifecrisis und ich hätte einen Nervenzusammenbruch. Also sagte ich Sanjoy und allen hinter der Bühne „Das auf Youtube / im Fernsehen ist Blödsinn. Solche Kabbeleien, Streitigkeiten und daraus resultierende Wutanfälle liegen in der Natur eines Delhi-Rowdys!“
Daher möchte ich das klarstellen und euch, den intellektuellen Menschen hier, sagen, dass ich keine Midlifecrisis habe, mir geht’s gut. Ich bin die Ruhe selbst. Manchmal mache ich einfach die Delhi-Phase durch, das ist alles.

Shoma:
Shah Rukh, eine andere faszinierende Facette an Dir ist Deine Beziehung zum Islam und dazu, ein Moslem zu sein. Über die Jahre hinweg gingst Du immer offener damit um, Moslem zu sein. Du bist kein politischer Mensch, warum also wolltest Du das so? Wie passt das zusammen?

Shah Rukh:
Ja, die Kombination passt irgendwie nicht. Deine großen Worte machen mir Angst.
Aber um ehrlich zu sein, lebte ich, wie gesagt in Delhi und habe dort auch in Aufführungen der
Ramlila mitgespielt. Ich war Schüler einer irischen Schule, und wuchs in einer Punjabi-Gegend auf, also wurden mir das Ramayana, das Mahabharata und die Bibel auf schöne Weise nahegebracht, und ich kenne sie daher ziemlich gut. Es ist seltsam, denn ich dachte nie ich würde Schauspieler, doch ich spielte im Schultheater in der Ramlila mit. Von Geburt bin ich Moslem, islamisch, weshalb mein Vater und meine Mutter mir den Islam auf liebevolle Weise erklärt haben.

Nun, da ich erwachsen bin und Kinder habe … ich bin sehr säkular (weltlich), meine Frau ist Hindu, und weder habe ich ihr meine Religion aufgedrängt, noch hat sie mir die ihre aufgezwungen. Ich glaube wirklich, jede Religion dreht sich darum, gut mit sich selbst und anderen auszukommen, daran halte ich mich. Aber jetzt, da meine Kinder aufwachsen und all diese Dinge rund um die Welt passierten, kam mir der Gedanke, dass meine Eltern mir über den Islam immer beibrachten – und auch ich selbst es so verstand –, wir seien sehr friedliebend.
Also wollte ich es unpolitisch, vielleicht mittels eines meiner Filme, ausdrücken, dass es eine äußerst friedliebende Religion ist, und die Chance dazu gab mir
My Name Is Khan.
Und das ist auch alles, was ich meinen Kindern vor Augen führen will.
Wenn sie irgendetwas vom Islam lernen können, da sie nun mal Aryan Khan und Suhana Khan sind, ist es der Fakt, dass es eine sehr friedliebende Religion ist. Sie wachsen in Zeiten auf, in denen jede Bombe die hochgeht, jede Kugel die abgefeuert wird, angeblich auf die Rechnung islamischer Menschen geht. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder diese Art von Eindruck gewinnen, weil ich wirklich denke, die meisten dieser Typen stehen nicht für den Islam.
Sie stehen für ihre eigene fundamentalistische Agenda, die politischen Ideologien, die sie verbreiten wollen oder auch ihre eigenen Probleme, die sie mit anderen Nationen oder Personen haben. Doch dadurch stehen sie nicht zwangsläufig für den Islam.

Deshalb begann ich erneut in den Sprachen, die ich kenne, darüber zu lesen, Englisch und Hindi, und unterhielt mich mit wunderbaren Leuten wie Javed saab, der heute Abend wohl hier ist, damit sie es mir erklärten. Ich sprach mit meinen Bekannten, die sich gut mit dem Islam auskennen. So Gott will, möchte ich den Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka) mit meinen Kindern begehen. Doch mein Ansinnen in Bezug auf meine Religion ist es, zu sagen, es ist eine sehr friedliebende und wunderbare Religion.
Dafür war der Film.

Trotz allem spiegelt mein kürzliches Verhalten dies nicht wirklich wider … Mein Sohn und ich haben einen großartigen Sinn für Humor. Das ist ein Witz, also fasst es bitte nicht falsch auf.
Eines Nachts hatte ich diesen Streit mit jemandem und als ich nach Hause kam, weckte ich meine Kinder auf … vor meinen Kindern ist es mir sehr peinlich wie ich mich benehme, ob in Filmen oder im wahren Leben. Eigentlich ist mir vor ihnen alles peinlich … Ich weckte sie und sagte „Wisst ihr, ich hab diesem Kerl eine reingehauen. Und es tut mir wahnsinnig leid …“
Und … dies ist ein Witz, also kriegt es nicht in den falschen Hals … mein Sohn sagte „Wie ein richtiger Moslem Papa!“
Ich möchte nicht, dass er diesen Eindruck bekommt, daher scherzen wir über so etwas, und dass es mir gelungen ist, sie dazu zu bringen, Witze darüber zu machen, bedeutet ich bin auf dem richtigen Weg ihnen zu vermitteln, dass der Islam eine friedliebende Religion ist, wie es auch der Hinduismus, der Buddhismus und das Christentum sind.

Shoma:
Shah Rukh, bevor wir über ein paar andere Phasen und Aspekte Deines Lebens sprechen … hast Du den Teil dabei, die erste Seite Deines Buchs … was es bedeutet, ein Star zu sein?

Shah Rukh:
Jetzt habe ich ja den ganzen Laptop, da sind die Skripts meiner nächsten beiden Filme drauf, falls Du willst, dass ich die vorlese … Sehen wir mal … Das ist das letzte Kapitel. Das habe ich ausgedruckt, weil ich dachte, nachdem ich meine Eröffnungsrede vorgelesen habe – was Du mir nicht erlaubt hast – könnte ich das letzte Kapitel des Buchs vortragen, damit alle das Gefühl haben, welch ein wundervolles und abgerundetes Gespräch das heute Abend ist.

Ich habe vor langer Zeit begonnen, dieses Buch zu schreiben, meine Tochter war erst 4 oder 5 Jahre alt. Das Kapitel wurde also vor 8 Jahren geschrieben und es wird das letzte sein, ich fülle noch die restlichen Lücken. Das Buch nahm seinen Anfang, als ich für Phir Bhi Dil Hai Hindustani von einem 16-stöckigen Gebäude auf ein Luftkissen sprang. Das ist keine Übertreibung, ich habe das wirklich getan.
Der Gedanke ein Buch zu schreiben kam mir, weil Mahesh Bhatt es mir nahelegte.
Das Buch beginnt … beinahe hätte ich gesagt „Der Film beginnt …“ Das Buch ist wie ein Film … Dies ist jedenfalls das letzte Kapitel und ich stehe dort oben.
Vieles muss aktualisiert werden, habt bitte Nachsicht mit mir.

Es war eine verdammt gute Reise, ein verdammt gutes Leben. Ein ruiniertes Knie, ein zu reparierender Knöchel, ein großer Zeh, der viel größer ist als jeder andere große Zeh, ein Nacken, der eine Bandscheibe weniger hat und mit dem ich immer noch den Boogie-Woogie tanzen kann. Lasst mich euch auch ein Geheimnis verraten: Ich färbe meine Haare.
Ich war auf dem Dach eines Zuges und unter einem fahrenden Truck, ich habe Frauen im sauerstoffarmen Ladakh umworben und in Schneematsch gekämpft, bin von mehrstöckigen Gebäuden gesprungen und hing an Klippen.
Ich stand mit Mr. Amitabh Bachchan im selben Bild, wurde von Rakhi umarmt, Dilip Kumar tätschelte mir die Wange und lobte mich für meine Darstellung von Devdas. Madhuri Dixit tanzte neun Nächte lang vor meiner Nase. Juhi Chawla hat mir Kaffee gekocht, mmmhhhhh. Kajol hat mir Bücher gekauft, Amrish Puri erzählte mir einen schmutzigen Witz. Ich habe Madonna getroffen und Michael Jackson Hallo gesagt. Harry Potter blieb stehen und hat 15 Minuten mit mir geredet.
Ich habe in Ägypten gebetet, gleich neben den Pyramiden, und den Eiffelturm bestiegen. Menschen in Japan kennen meinen Namen, Mütter in Indonesien und China nennen mich Sohn.
Yash Chopra und Subhash Ghai sind meine Freunde, Mani Ratnam denkt, ich kann ein bisschen schauspielern.
Straßenhändler ahmen meine Sprechweise nach, Friseure bieten einen nach mir benannten Haarschnitt an.
Ich habe ein schönes Haus und entzückende Kinder. Mein Sohn denkt, ich sei ein Held, –
und das ist acht Jahre her – und meine Tochter denkt, ich sei Aamir Khan.

Sie war damals jung und albern … Sie war eben erst vier Jahre alt. Zuhause wusste sie, dass ich Papa bin, und wenn sie mich im Fernsehen sah, nannte sie mich ironischerweise bei dem anderen Namen …

Und dann gibt es am Himmel einen Stern – über den ich in vorherigen Kapiteln spreche und von dem ich, wie jedes Kind, glaube, es ist meine Mutter – der vor Glück besonders hell strahlt, wenn ich hinausgehe auf meine Terrasse.
Es ist, als hätte ich zwei Leben in einem gelebt. Ich habe zwanzig Jahre an Erfahrungen und Glück in ein Jahrzehnt gepackt.
Was bin ich? Superman? Spiderman?
Nein! Ich glaube, ich bin gesegnet.
Es gibt Zeiten, in denen ich mich noch immer einsam fühle, Tage, an denen mich meine Fehler sehr traurig machen. Der Ozean vor meinem Haus gibt mir genauso das Gefühl winzig zu sein, wie er es vor zehn Jahren tat.

Ich kann die Frage nicht beantworten, die mir in jedem Interview gestellt wird: Wie ist der echte Shah Rukh Khan?
Ich weiß es nicht. Vielleicht ist kein wahres Ich mehr übrig. Vielleicht ist keine wahre Emotion mehr übrig, die ich nicht schon vor der Kamera gebraucht habe. Vielleicht bin ich nun nur noch ein Darsteller.
Manchmal erkenne ich mein ungeschminktes Gesicht nicht, manchmal erwache ich nicht zum Leben, ehe ich nicht das Geräusch der Kamera höre. An manchen Tagen helfen mir nicht mal dieses Geräusch und die Lichter in meinen Augen, mich real zu fühlen.
Die Grenzen zwischen meinem Rollen-Ich und meinem wahren Ich sind irreparabel verblasst. Liebe ich wie Rahul oder liebt Rahul wie ich? Ist es Rajs Wut oder bin ich wütend darüber, wieder und wieder Raj zu spielen? Ich weiß, ich würde nie ein Mädchen von einer Terrasse werfen, doch bin ich nicht sicher, ob ich mich wie Devdas für ein Mädchen selbst zu Grunde richten würde. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Würde mein Sohn zu einem normalen Mann heranwachsen? Würde meine Tochter begreifen, dass ich nicht Aamir Khan bin? Ich weiß es nicht und es kümmert mich nicht wirklich.
Habe ich für das Leben als Star einen hohen Preis gezahlt? Nein. Stünde ich vor der Wahl, täte ich genau das gleiche wieder und wäre sogar willens, mehr dafür zu geben.
Würde ich glücklich sterben? Nur wenn mein letzter Film ein Hit wäre.

In diesem Moment freue ich mich einfach auf die nächsten zwanzig Jahre.
Gerade als ihr dachtet, ihr könntet davon ausgehen ich ginge in Rente, nun da ich ein Buch geschrieben habe, werdet ihr mir noch ein weiteres Jahrzehnt ausgesetzt sein.

 

Das grüne Tuch flattert hinter meinem Rücken, die knapp 15 Meter scheinen nicht wirklich viel. Ich weiß, warum ich dies tue. Ich tue es, weil ich Schauspieler bin.
Ich spreize meine Hände, schließe meine Augen, höre die Windmaschinen laut und deutlich. Ich sehe das Gesicht meines Sohnes. Er denkt, ich bin ein Held. Er weiß, ich habe Flügel. Auch ich weiß, Gott ist freundlich und bei mir. Ebenso weiß ich, dass ich fliegen kann. Ich lasse los, ich fliege. Und auch der Rest der Welt fliegt mit mir.
Fortsetzung folgt ein Jahrzehnt später.

Ich weiß, ich habe einen Herausgeber, der mich hierfür umbringen wird, aber naja.

Shoma:
Shah Rukh, ich glaube die Glocke hat schon geläutet, ehe wir überhaupt mit dem Gespräch angefangen hatten.

Shah Rukh:
Wirst Du jetzt unhöflich und sagst mir, ich soll mich verziehen? Kein
Chammak Challo?

Shoma:
Nein, kein
Chammak Challo.
Nur ein, zwei weitere Fragen, falls ihr alle einverstanden seid. Uns rennt die Zeit davon.
Shah Rukh, man sieht diese Fragmente von Dir, Dein öffentliches Ich ist jemand völlig anderes, auffällig, jemand, der es liebt in der Menge zu baden, und doch gibt es einen Teil von Dir, der immer allein ist. Wie ich schon sagte, handeln deine Tweets um 3, 4 Uhr morgens immer von der Trennung Deines Selbst von der Öffentlichkeit. Warum blieb dies über die Jahre erhalten? Konnte nichts Deine innere Leere ausfüllen?

Shah Rukh:
Ehrlich gesagt, nein. Keine Ahnung … etwas stimmt mit mir nicht und ich erahne es, ich fühle es, aber ich weiß nicht, was es ist. Ich liebe die Schauspielerei, oder jedenfalls glaube ich das zum jetzigen Zeitpunkt. Ich will immer weiter arbeiten, um die Zeit zu füllen. Ich habe eine wunderbare Familie, die sehr liebevoll mit mir umgeht und die einzigen Glücksmomente, die ich habe, widerfahren mir wenn ich bei ihr bin. Ein paar Freunde habe ich, die mich sehr lieben, ich verbringe viel Zeit mit ihnen.
Doch manchmal spüre ich, dass mein Privatleben und mein öffentliches Leben … Und ich versuche, zu geben, ich bin Schauspieler, ich bin dafür da, zu geben.
Was auch immer die Leute über mich sagen … „Er ist so.“ „Er ist dies.“ „Er ist das.“ … Manchmal weiß ich – und ich weiß es wirklich – es gibt keinen anderen Grund für mich zu tun, was ich tue, als dem Verlangen des Gebens gerecht zu werden.
Ich wache morgens nicht mehr mit dem Gedanken daran auf, wie viel Geld mein Film eingespielt hat. Ich will nicht wissen, welcher Star sich gut geschlagen hat. Aber ich kann es nicht erklären, denn mit all ihren guten oder auch albernen Absichten fragen mich die Leute immer nur „Wie finden Sie es, dass dieser oder jener Star gut dasteht?“
Und ich bekomme Angst und werde sauer, aber ich beherrsche mich, damit ich nicht wieder in den Knast wandere oder mich prügele.
Also mache ich gute Miene zum bösen Spiel und schauspielere einfach nur, benehme mich angeberisch und scherze und mache Späße. Das ist in Ordnung.
Ehrlich … irgendwie spüre ich, die Anwesenden werden, auch wenn sie es nicht komplett erfassen, zumindest verstehen von was ich rede …
Der Grund, jeden Tag loszugehen und zu spielen, ist nicht das Geld oder irgendein Ranking oder irgendwelche Zahlen. Das will ich alles nicht mehr. Ich habe doch alles.
Ich habe viel mehr als ein am Kreisverkehr sitzender Junge, der Autos beobachtet weil sein Vater es sich nicht leisten kann, ein Kinoticket zu kaufen, je haben kann. Das kann mir keiner nehmen! Man kann mir meine Preise wegnehmen, mein Geld, aber nicht die Tatsache, dass ich
Shah Rukh Khan, dass ich jemand anderes geworden bin! Wirklich.

Warum mache ich das alles also?
Dies ist sehr emotional für mich.
Warum mache ich das?
Und das erzähle ich nur hier.
Ich mache das nur, weil ich weiß, dass irgendwo, an einem fremden Ort, eine einsame Mutter mit einem anstrengenden Kind gerade herzlich lacht, während sie einen meiner Filme sieht.
Wenn ich über den Grund nachdenke, aus dem ich tue was ich tue … ob es daher kommt, dass ich meine Eltern früh verloren habe? Darauf kann ich nicht immer rumreiten, jeder verliert Eltern. Es ist in Ordnung. Komm drüber hinweg!
Mache ich es, weil ich hart gearbeitet habe, zum Star wurde und XYZ, und jetzt sind Geld und Preise wichtig? Auch davon habe ich genug.
Doch irgendwo ist dieses Gefühl der Leere … Welches ich anfangs auf Twitter teilte und auch dies wurde zur Randnotiz in Fernsehen und Klatschspalten. Man reißt es aus dem Zusammenhang und ich kann es ihnen nicht erklären …
Ich habe diese Ruhelosigkeit, diese Einsamkeit, diese Fremdartigkeit, diese Unerfülltheit in mir, von denen ich glaube, sie mit haufenweise Schauspiel, unermüdlichem Geben auffüllen zu können. Aber das passiert nicht. Es passiert nie.

Also habe ich jetzt mein Leben der Aufgabe gewidmet, in die Welt zu gehen und euch zu geben, was ihr wollt. Wenn ihr wollt, dass ich tanze, dann tanze ich für euch. Wenn ihr wollt, dass ich singe, dann singe ich für euch. Wenn ihr wollt, dass ich mich auf den Kopf stelle, werde ich auch das tun.
Wenn jemand sagt „Er ist als Schauspieler nicht ernsthaft genug.“, akzeptiere ich das. Wenn jemand sagt „Wisst ihr, er ist ein Angeber, er ist nicht der Typ, der sozial relevante Filme macht.“ ist das in Ordnung. Ich habe einen
Swades gemacht, und werde nicht noch zehn weitere machen, sondern das tun, wonach ich mich fühle. Meistens werde ich allerdings Dinge tun, von denen ich denke, dass ihr wollt, dass ich sie tue.
Ich habe das Gefühl, es gibt nichts mehr in meinem Leben, was ich für mich selbst tun will. Es ist ein sehr seltsames, selbstloses, selbstsüchtiges Gefühl.
Wie ich anfangs sagte, bin ich zu einem kommerziellen Dichter geworden. Ich habe die Gedanken eines Poeten, ich will gute Dinge tun, kreative Dinge, ich will einfühlsam sein …
Aber ich will nicht … ich will nicht so sterben wie mein Vater.

Und ich möchte nicht unbekannt sein, obwohl ich der wundervollste Vater bin, obwohl ich … keine Ahnung.
So sehr ich es mag, meinen Vater einen erfolgreichen Fehlschlag zu nennen, wäre ich gerne … einfach scheiß-erfolgreich.
Das ist alles.
Und die Leute haben recht … ich habe es nie geglaubt, glaubt daher mir … An der Spitze ist es sehr einsam. Man muss, muss einfach einsam sein, wenn man versucht erfolgreich zu sein.

Shoma:
Shah Rukh, Du sagtest, du würdest für uns tanzen, doch weil dies THiNK ist und Du es so besonders gemacht hast, möchte ich Dir schlussendlich erlauben, vorzulesen, was Du mitgebracht hast.

Shah Rukh:
Haben wir Zeit? Gut, wann immer ich aufhören soll, sag einfach „Cut!“.
Echt jetzt, das ist wirklich nett, danke vielmals.
Es ist so seltsam, dass manche der persönlichen Dinge, die ich gerne mit meinen besten Freunden besprechen würde – nicht dass Shoma nicht meine Freundin wäre – …
Ich danke euch allen sehr. Danke.
Die letzten zwei Tage war ich sehr deprimiert. Dafür hatte ich keinen Grund, ich verkläre es einfach zum dunklen Ort, den kreative Menschen aufsuchen. Deshalb danke ich euch, dass ihr euch all dies anhört. Es macht mich sehr glücklich. Also werde ich hier beim THiNK-Fest viel trinken und einen tollen Abend mit euch haben.
Danke, dass ich das vorlesen darf.
Dies ist ein kleiner Teil eines Gedichts, das ich gelesen habe. Ich habe das im Flugzeug für alle hier vorbereitet, und es hat keine bestimmte Reihenfolge, es sind einfach Gedanken, die mir kamen, weil mir Deine Email geschickt worden war, dass es um die Einsamkeit des Lebens eines Superstars geht.

Das ist Teil eines Gedichts von W.H. Auden. Spricht man den Namen so aus?
Als erstes wünsche ich euch einen Sinn fürs Theater
Nur jene, die die Illusion lieben und es wissen, werden weit kommen
Sonst verbringen wir unsere Leben in Verwirrtheit darüber, was wir sagen und tun, und dem, was wir sind.
Dies war Audens Gedicht an seinen siebenjährigen Enkel oder Sohn.

Bewunderung besitzt die ausgeprägte Eigenschaft der Isolation. Man kann nicht bewundern, was man nicht als besonders erkennen kann. In der Manier des Ruhms bewundert zu werden bedeutet, schonungslos vom Recht gewöhnlich zu sein getrennt zu werden.
Paradoxerweise führt diese Trennung Dir Deine eigene Gewöhnlichkeit brutal vor Augen. Ich bin mir darüber im Klaren.
Du magst es überlagern, verstecken oder wegheucheln, doch Du fühlst es auf die direkteste aller Arten.
Ruhm gibt Dir die einzigartige Möglichkeit, Gewöhnlichkeit zu akzeptieren oder abzulehnen, weil die Isolation, die er Dir aufzwingt, zwei Seiten hat. Einerseits ermöglicht sie distanzierte Klarheit, andererseits kann sie die Realität vollkommen vernebeln. So ist es leicht sich abzuwenden, wenn man mit der Wahrheit über die eigene Gewöhnlichkeit konfrontiert wird, denn das Wesen des Nebels ist es, Formen unscharf zu machen. Er ist aber auch einfach zu vertreiben.

Es ist schwer, die Unvollkommenheit von sich fernzuhalten und ungezügelte Bewunderung in aufrichtige Liebe für sein eigenes Geschick und die eigene Person zu destillieren. Es ist schwer, aber möglich.
Es wird möglich, wenn man etwas aus purer Freude an der Erschaffung kreiert, denn man folgt eben nicht dem Weg der Zerstörung.
Schauspielerei ist eine Kunstform. Oft wird sie als Begabung missverstanden, etwas vorzutäuschen, doch in Wahrheit ist sie die Fähigkeit, unterschiedliche Identitäten auf die Leinwand des eigenen Selbst zu projizieren. Sie ist die Kunst, mit vollkommener Ehrlichkeit ein neues Selbst zu werden.
Ein Schauspieler, der seinem Geschick treu ist, kann seine Unvollkommenheiten nicht ablehnen. Er nimmt sie an und wandelt sie zu kreativer Kraft.
Isolation ermöglicht eine distanzierte Beobachtung seines eigenen Selbst und seiner Welt, durch die er seine kreative Kraft verstärken kann. Eine gewisse Distanziertheit erlaubt es, komplexe Emotionen wie Kostüme zu tragen.
In meinem Fall sind die Kostüme sehr simpel, da ich kommerzielle Filme mache:
Ralph Lauren – Zorn

Dolce and Gabbana – Liebe
Pacciotti – Romantik
Sie beschreiben so ziemlich meinen kompletten emotionalen Kleiderschrank.

 

Während die Welt sich verändert, wird diese Interpretation immer mehr durch verschiedene Medien wiedergegeben.
Ich werde zum Schuft, zum Aufreißer, zum Womanizer, zum ausfälligen Säufer, zum kaltschnäuzigen, arroganten Star, der auf Regeln pfeift und beliebig in der Öffentlichkeit raucht, zum unpatriotischen, den Feind unterstützenden Emporkömmling, dem man eine Lektion erteilen sollte, und vieles mehr.
Oder ich werde zum perfekten Familienmenschen, zum cleveren Geschäftsmann, zum vernarrten Vater, zu Sex auf zwei Beinen, oder einfach nur zu einem Kerl, der großartig riecht.
Nichts davon hat mit dem zu tun, der ich wirklich bin, doch es wird zu dem, wie mich viele wahrnehmen. Hier weicht meine öffentliche Reise von meiner persönlichen Erfahrung ab und drängt mich manchmal in eine einsamere Gefühlswelt, als es mir recht ist.
Ob distanziert oder dazugehörend, die eine Sache, der ich nicht ausweichen kann ist, wie meine Person, von außen betrachtet, interpretiert wird. So ehrlich und ähnlich meine öffentlichen und privaten Auftritte und Überzeugungen, wie ich denke, auch sein mögen, werde ich doch von dem übermannt, was die Menschen in mir erkennen wollen, weil ich die letzten zwanzig Jahre vollkommen objektiviert worden bin.
Meine Gefühle und Taten sind alles Objekte, die zum Verkauf stehen und bereit sind zur Analyse. Ich bin eine milliardenschwere, Seelen-verkaufende Maschine, die das Schlafen auf Mumbais Gehwegen vor der Wandlung zu diesem wunderbaren Objekt verklärt.

Doch ziehe ich keine Befriedigung aus dem Geld, das ich verdiene oder daraus, wie viele Einnahmen meine Filme erzielen oder ob ich als Nummer 1, 2 oder 203 gehandelt werde.
Ich wache morgens niemals auf und frage mich, wer berühmter geworden ist als ich. Es kümmert mich nicht.
Ich gewinne Zufriedenheit aus dem Teil meiner Kunst, der es mir erlaubt, zu geben. Der Gedanke macht mich glücklich, dass irgendwo, in einem Heim, das ich nicht kenne, eine Mutter und ihr kleiner Sohn an einem ansonsten langweiligen Tag einen meiner Filme sehen und über mich lachen.
Die Tatsache macht mich glücklich, dass Menschen aus dem Kino strömen, mit Leichtigkeit im Herzen, dem Gefühl der Liebe und der Möglichkeit von Romantik in ihren täglichen, normalen Leben.
So unrealistisch es Kritikern oder Realitätsliebenden auch scheinen mag, ich serviere Realität mit Schokoladenpopcorn, nur erhältlich in großen Portionen, und sprudelnder Limonade dazu.
Und doch lebe ich die Realität in ihrer ungeschliffensten Form, in der jeder menschliche Fehler, jede Perfektion aufgebauscht wird, in der jedes Verlangen, jedes Streben so übertrieben ist wie das meine, in der alle Kräfte ein riesiges System auf sein eigenes Wachstum, seine eigene Plünderung und gar seine Zerstörung zutreiben.
Aber es schmeckt verdammt gut.

Und während all dessen bin ich von hundert Managern und PRlern und Produzenten und Finanziers und Zuschauern umgeben. Und das einzige, was ich tun kann, um nicht durchzudrehen, ist, mich an der einzigen Person festzuklammern, die ich am besten kenne … mir selbst. Ganz allein.
Aber inmitten von Millionen Bewunderern allein zu sein ist überhaupt nicht tragisch. Es ist wundervoll.
Besonders wenn man es nutzen kann, die Welt – wie ich am Beginn der Rede sagte – mit einem Sinn fürs Theater zu betrachten.
Willkommen in meinem Theater, meine Damen und Herren!

Shoma:
Meine Damen und Herren, Der Traumfänger!

Shah Rukh:
Ich danke Ihnen und entschuldige mich, dass der nächste Redner so lange warten musste.
Vielen Dank, Gott segne Sie.